Seit Jens Spahn öffentlich gemacht hat, dass er und sein Mann mithilfe einer Leihmutter Eltern geworden sind, ist die Diskussion um Leihmutterschaft neu aufgeflammt. Familienministerin Karin Prien sagte, dass Änderungen beim Thema Leihmutterschaft mit dem Werteverständnis der CDU nicht vereinbar seien.Auf andere Regelungen des Embryonenschutzgesetzes könne man „vielleicht doch noch mal draufschauen“, sagte Prien dem Portal The Pioneer – aber „bitte nicht im Rahmen einer so aufgeheizten Debatte, wie wir sie jetzt in diesen Tagen führen“. Zum Beispiel bei der Adoption wäre Prien zufolge eine Debatte lohnend, ob die Altersgrenze von 40 Jahren heute noch zeitgemäß sei.Wie Adoptionen in Deutschland geregelt sindIn Deutschland dürfen Adoptionen nur von bestimmten Stellen vermittelt werden. Neben den Jugendämtern sind das in den Bundesländern staatlich anerkannte Adoptionsdienste in katholischer, evangelischer oder nicht konfessioneller Trägerschaft. Potentielle Adoptiveltern müssen mindestens 25 Jahre alt sein. Bei Eheleuten muss mindestens einer von beiden 25 Jahre, der jüngere Ehepartner mindestens 21 Jahre alt sein.Ein Höchstalter für Adoptiveltern gibt es nicht. Allerdings soll nach Angaben des Bundesfamilienministeriums der Altersabstand zu einem Adoptivkind „einem natürlichen Abstand“ entsprechen. In der Regel bevorzugen Jugendämter bei einer Adoption Paare unter 40 Jahren für einen Säugling.„Aus Elternsicht kann ich natürlich nachvollziehen, dass sich auch Fünfzigjährige wünschen, Elternschaft noch leben zu können“, sagt Sibylle Breit, Bereichsleiterin der Evangelischen Adoptionsvermittlungsstelle in Württemberg. „Aber die Kinder brauchen was ganz anderes. Die Kinder brauchen belastbare Eltern.“ Auch Gabriele Pechtl vom Jugendamt München findet Altersgrenzen sinnvoll. Bei ihnen sei 42 Jahre das Höchstalter für die Adoption eines Säuglings. Ältere Menschen könnten nur ältere Kinder adoptieren.Abgesehen von dem Mindestalter sei im Grunde nur vorgeschrieben, dass sie „geeignete Eltern“ für die Kinder finden müsse, sagt Pechtl. In jedem Bundesland gebe es Empfehlungen, was „geeignet“ bedeutet. In Bayern umfassen diese 160 Seiten. Neben formalen Kriterien wie Gesundheit, Straffreiheit, der wirtschaftlichen Situation sowie der Wohn- und Familiensituation gehe es dabei auch um die Persönlichkeit der Eltern, die Motivation und die Passung zum Kind.Seit 2017 sind verheiratete, homosexuelle Paare bei gemeinsamer Adoption grundsätzlich heterosexuellen Paaren gleichgestellt. Laut Pechtl und Breit haben homosexuelle Paare seitens der Adoptionsdienste in Deutschland die gleichen Chancen, ein Kind zu adoptieren. Allerdings gebe es durchaus leibliche Eltern, die sich ein heterosexuelles Paar wünschten, und die Wünsche der leiblichen Eltern müssten berücksichtigt werden.Alleinstehende können in Deutschland zwar theoretisch ein Kind adoptieren. Die Chancen, ein fremdes Kind als Single in Deutschland vermittelt zu bekommen, sind Fachleuten zufolge jedoch gering. Das Familienministerium begründet das damit, dass ein Kind besser abgesichert sei, wenn es zwei Elternteile hat, die die rechtliche und elterliche Verantwortung gemeinsam übernehmen können.„Es gibt schlicht und ergreifend nicht genügend Kinder“Die Adoption eines fremden Kindes ist selten. 2025 wurden nur zehn Prozent der Adoptivkinder aus einem Krankenhaus oder einem Mutter-Kind-Heim adoptiert. Nur in drei Prozent der Fälle ging der Adoption eine anonyme Geburt oder die Abgabe über eine Babyklappe voraus. Acht Prozent der Kinder wurden aus einer Pflegefamilie heraus adoptiert.Dass Adoptionen schwierig sind, sei den meisten Menschen, die zu Informationsabenden für potentielle Adoptiveltern kämen, bereits bewusst, sagt Sozialarbeiterin Pechtl. Auf ein Kind kämen in Deutschland vier bis fünf Bewerber. „Man verwehrt den Leuten gar nicht die Möglichkeit der Adoption, sondern es gibt schlicht und ergreifend nicht genügend Kinder“, sagt Pechtl. Eigentlich sei es natürlich eine positive Nachricht, dass weniger Kinder zur Adoption freigegeben werden, auch wenn das lange Wartezeiten für Adoptiveltern bedeute. Manche hätten Glück und würden schnell ein Kind vermittelt bekommen, andere nie.Wartelisten für ein Adoptivkind gebe es nicht. „Das wäre absurd“, sagt Pechtl. Denn bei der Vermittlung gehe es nicht um den Kinderwunsch der Eltern, sondern um das Wohl des Kindes. Und ihre Aufgabe sei es, die passende Familie für das jeweilige Kind zu finden. „Meine Auftraggeber sind die Kinder.“Adoption aus dem Ausland teilweise verbotenAdoptionen aus dem Ausland spielten in den vergangenen Jahren kaum noch eine Rolle. 2025 wurden nur 56 Kinder aus dem Ausland adoptiert – am häufigsten aus Thailand, Südafrika, Burkina Faso und Sri Lanka. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen wurde 2021 das Adoptionshilfegesetz reformiert. Sogenannte unbegleitete Auslandsadoptionen, auch Privatadoptionen genannt, wurden verboten. „Die Adoption aus dem Ausland ist dadurch sicherer gemacht worden“, sagt Pechtl. Dazu kommt, dass die Vermittlung bei Adoptionen aus dem Ausland im Gegensatz zur Adoptionsvermittlung in Deutschland potentielle Adoptiveltern sehr viel Geld kosten könne, sagt Breit von der Evangelischen Adoptionsvermittlungsstelle.Weitere Gründe für einen Rückgang der Adoptionen aus dem Ausland sind laut der Vorsitzenden des Bundesverbands der Pflege- und Adoptivfamilien, Ulrike Schulz, unter anderem der Ausbau sozialer Sicherungssysteme in früheren Herkunftsländern. Zudem könnten Erfahrungen mit Alltagsrassismus die Bereitschaft beeinflussen, Kinder aus anderen Kulturkreisen aufzunehmen, sagt Schulz.Bei der Aufnahme älterer Kinder, von Kindern mit Behinderungen oder besonderen Bedürfnissen sowie von Pflegekindern würden sich sowohl Pechtl als auch Breit mehr Bewerber wünschen. „Das macht mir schon ein bisschen Sorge“, sagt Breit. „Das sind die Kinder, die dann keinen Platz mehr finden, wenn ich Eltern habe, die nur noch vermeintlich perfekte Kinder wollen“, sagt Breit. Jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamts zufolge ist die Zahl junger Menschen in Heimen und Pflegefamilien gestiegen.
Wer in Deutschland ein Kind adoptieren darf
Bei einem unerfüllten Kinderwunsch ist Adoption eine Möglichkeit. Allerdings ist das in der Praxis mit Hürden verbunden – die zum Teil unüberwindbar sind.














