KommentarIn Trumps Handelskrieg gibt es eine Sache garantiert nicht: RechtssicherheitDie USA bereiten neue Zölle vor und wollen ein vom Präsidenten selbst ausgehandeltes Abkommen mit Kanada aushebeln. Kein «Deal» auf dieser Welt kann andere Länder schützen, wenn Trump seine Meinung ändert. Auch die Schweiz muss sich für den nächsten Zollhammer rüsten.21.07.2026, 19.42 Uhr3 LeseminutenDonald Trump zeigt keinerlei Anstalten, auf neue Zolldrohungen gegen andere Länder zu verzichten.Alex Brandon / APWer hoffte, dass Donald Trumps Handelsstrategie im Laufe seiner zweiten Präsidentschaft berechenbarer wird, ist am Montagabend abermals eines Besseren belehrt worden. Aus dem Nichts hat er enorm hohe Zölle von 50 Prozent gegen Kanada angedroht, obwohl viele betroffene Güter dem Handelsabkommen USMCA unterstehen. Dieses hatte Trump 2018 selbst ausgehandelt und mehrfach als «grössten, fairsten, ausgeglichensten und modernsten Handelsvertrag aller Zeiten» bezeichnet. Tempi passati.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zölle wie in der Grossen DepressionDie Episode vom Montagabend zeigt, dass amerikanische Unternehmen und ausländische Handelspartner während Donald Trumps Präsidentschaft punkto Zölle niemals Rechtssicherheit erlangen werden. Auch von ihm persönlich ausgehandelte Verträge, Rahmenabkommen und wohlklingende Absichtserklärungen werden zur Makulatur, wenn er seine Meinung ändert. Länder wie die Schweiz müssen dennoch mit Trump verhandeln, denn sie können so zeitweise für bessere Rahmenbedingungen sorgen. Sie darf sich nur keinen Illusionen hingeben, dass mit einem «Deal» das letzte Wort gesprochen ist.Das muss die Schweiz berücksichtigen, wenn der nächste Zollhammer auf sie niedergeht. Die Trump-Administration dürfte in den nächsten Tagen Zusatzzölle von mindestens 10 bis 12,5 Prozent gegen alle wichtigen Handelspartner einführen. Offiziell, um diese für ihr ungenügendes Vorgehen gegen Zwangsarbeit zu bestrafen. Inoffiziell, um einen am 24. Juli wegfallenden Basiszoll von 10 Prozent zu ersetzen. Die Einfuhrgebühren könnten kurz darauf weiter ansteigen, wenn eine zweite Untersuchung (gegen industrielle Überkapazitäten) ihren Abschluss findet.Die Schweiz muss sich von einer weiteren Illusion lösen: dass die Zwischenwahlen in den USA im Herbst auf Trumps Handelspolitik einen mässigenden Einfluss haben werden. Die Demokraten können bei einem Sieg allerlei Untersuchungen gegen Trumps Regierung lancieren, die Zölle werden sie aber kaum ausbremsen. Auch wenn am 20. Januar 2029 der 48. Präsident der Vereinigten Staaten die Amtsgeschäfte von Trump übernehmen wird, ist keine Rückkehr in einen alten Normalzustand zu erwarten.Keine vollständige Kehrtwende zu erwartenDas Land wird zwar wieder berechenbarer werden, selbst wenn der protektionistische Vizepräsident J. D. Vance auf den launenhaften Trump folgt. Das Traumszenario für Schweizer Exporteure wäre wohl, dass 2029 ein zentristischer Demokrat wie Andy Beshear Präsident wird. Der Gouverneur von Kentucky hat sich sehr kritisch zu Trumps Zöllen geäussert und kennt die Schweiz von persönlichen Besuchen, etwa als er sich 2024 auf einer Reise für Direktinvestitionen in Kentucky starkmachte.Die Handelspartner dürfen sich trotzdem keinen Illusionen hingeben. Auch ein demokratischer Präsident würde nur Teile von Trumps Zöllen abschaffen. Er hätte über alle Politikfelder hinweg enorm viel zu tun, um die USA auf einen neuen Kurs zu führen, aber nur wenig Zeit und beschränktes politisches Kapital, das er gezielt einsetzen muss. Die Nöte der Schweizer Exportindustrie dürften nicht weit oben auf der Agenda stehenDie Amerikaner wiederum haben sich an das Leben in der Wagenburg gewöhnt. Die Zölle sorgen zwar für höhere Preise und schmerzen die Konsumenten sowie bestimmte heimische Industrien, eine Wirtschaftskrise haben sie aber nicht verursacht. Manche Branchen, Gewerkschaften und Regionen profitieren sogar, und die Zolleinnahmen kommen dem Staat, der unter Spardruck steht, gelegen.Zudem sind Zölle ein schleichend wirkendes Gift. Aus Sicht eines einzelnen Amerikaners ist es fast unmöglich, ein ausbleibendes Jobangebot oder den hohen Preis für einen Neuwagen auf sie zurückzuführen. Amerika diskutierte jüngst mehr über die hohen Benzinpreise, deren Ursache – der Iran-Krieg – allen bekannt ist, als über die Importabgaben. Die China-Zölle aus Trumps erster Amtszeit sind der beste Beweis, dass auch höchst umstrittene Massnahmen einen Regierungswechsel überleben können. Joe Biden schaffte sie nicht ab – sie gelten heute noch.Passend zum Artikel
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