Das rumänische Grundbuchamt wurde gehackt und ist seit gut einer Woche nicht erreichbar. Immobilienkäufe und -verkäufe liegen auf Eis, während potenzielle Käufer unruhig warten. Denn die Zeit drängt. Zum 1. August wird die Mehrwertsteuer beim Erstkauf von Immobilien um zwölf Prozentpunkte erhöht.Das Amt war vergangenen Montag zunächst wegen „technischer Probleme“ nicht erreichbar. Erst Recherchen rumänischer Medien brachten die Behörde dazu, einen Hackerangriff zu bestätigen, um genau zu sein: den „schlimmsten technischen Vorfall in der Geschichte der Behörde“. Das digitale Katastersystem e-Terra ist genauso ausgefallen wie die zentrale IT der Behörde.Der Chef des rumänischen Cybersicherheitsamtes erklärte, dass kaum Daten abgeflossen seien. Käufern, die ungern zwölf Prozentpunkte mehr Steuer zahlen würden, hilft das nicht. Weil das Grundbuchamt komplett digitalisiert ist, gibt es keine Möglichkeit mehr, provisorisch mit Papier zu arbeiten. Eine Eilverfügung, um die Frist zu verlängern, kann nur das Parlament erlassen. Das ist aber in der Sommerpause.Doch es gibt Hoffnung. Derzeit würden die Systeme in die deutlich besser geschützte rumänische Regierungscloud überführt. Wenn dieser Prozess am Mittwoch abgeschlossen sei, würden die Systeme nach und nach wieder online gehen. Notare könnten dann wieder ihrer Arbeit nachgehen. Rumänische Medien stellen derweil die Frage, wieso für die Cybersicherheit der staatlichen Behörde ein Zwei-Mann-Betrieb aus Bukarest verantwortlich war.Kann so etwas in Deutschland passieren?Wenn Behörden offenlegen, dass sie gehackt wurden, dann sind es fast immer „hochprofessionelle Angreifer“ und „ausgeklügelte Attacken“, denen sie zum Opfer fielen. Der rumänische Cyberchef gibt anderes zu Protokoll: Der Angriff sei „nicht sehr komplex“ gewesen. Es sei eine bekannte Schwachstelle von 2021 ausgenutzt worden, vor der seine Behörde übrigens erst kürzlich wieder gewarnt habe. Eine Cybersicherheitsfirma aus Israel hat zudem herausgefunden, dass der Täter wohl ein notorischer Dieb aus Algerien ist und keine feindliche staatliche Hackergruppe, auf die man die Verantwortung abwälzen könnte. Euronews will den Hacker sogar interviewt haben. Er habe sich bei den Rumänen entschuldigt und beschwichtigt, was die gestohlenen Daten der Bürger angeht: „Ich verkaufe nicht an jeden.“Häme aus Deutschland ist in jedem Fall unangebracht. Hiesige Grundbuchämter dürften nur wenig besser geschützt sein. Sie sind bei Amtsgerichten angesiedelt, das gut ausgestattete Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ist also gar nicht für ihren Schutz zuständig, sondern die Bundesländer.Der Föderalismus würde deutsche Grundbücher allerdings auch schützen. Denn wenn bayerische Grundbücher gehackt werden, sind hessische immer noch unversehrt. Was deutsche Grundbücher für Hacker noch uninteressanter macht: Sie sind miserabel digitalisiert. Gespeichert sind nur Fotos von Grundrissen und Texte, durchsuchbar ist nichts. Die Bundesrepublik will das zwar seit 2004 ändern, das sogenannte Dabag-Projekt wurde aber mehrfach verschoben. Es soll nun immerhin zeitgleich mit Stuttgart 21 im Jahr 2031 fertig werden. Bis dahin zumindest müssen sich deutsche Immobilienbesitzer kaum Sorgen um diese Art von Hack machen.