Symbolpolitik ohne Wirkung? Münchner Verbot der Wassernutzung sorgt für KontroverseBrunnen abgeschaltet, Pools befüllen verboten: Der grüne Münchner Oberbürgermeister hat eine Allgemeinverfügung erlassen, um Wasser zu sparen. Kritiker sehen darin vor allem Symbolpolitik.21.07.2026, 13.02 Uhr3 LeseminutenIn München bleiben derzeit viele Brunnen ausgeschaltet oder laufen im Sparbetrieb. Hier der Brunnen vor dem Lenbachhaus am Königsplatz.Sven Simon / ImagoIn der Hitze des Sommers greift der Oberbürgermeister von München zum Verbot: Vergangene Woche erliess Dominik Krause eine Allgemeinverfügung zur Wassernutzung, die weitreichende Einschränkungen vorsieht – Appelle zum Wassersparen hätten nicht ausgereicht. So sind den Münchnern bis zum 1. August das Bewässern von Rasen, das Befüllen von Swimmingpools oder die private Autowäsche verboten. Auch das Giessen von Beeten und Blumen im Garten wurde eingeschränkt, es ist nur in der Zeit von 19 bis 9 Uhr erlaubt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wer so in die private Lebensführung der Bürger eingreift, muss dafür gute Gründe haben. Die Stadtverwaltung verweist auf historisch niedrige Grundwasserstände und einen während der heissen Sommertage gestiegenen Wasserverbrauch – dieser habe bei über 360 Millionen Litern pro Tag gelegen, der Durchschnittswert liege bei rund 300 Millionen Litern. Nach einem «aussergewöhnlich trockenen Winter und Frühling» seien die Ressourcen der Wasserversorgung Münchens «äusserst strapaziert», sagt der Oberbürgermeister.Krause ist erst seit kurzem im Amt. Bei der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt im März setzte er sich überraschend gegen seinen sozialdemokratischen Vorgänger Dieter Reiter durch. Mit erst 35 Jahren leitet der Grüne damit die Geschicke der bayrischen Landeshauptstadt – und steht beim Thema Wasser nun vor der ersten grösseren Herausforderung.Unerschöpfliche Wasservorräte?Die Wasservorräte Münchens seien eigentlich «unerschöpflich», so jedenfalls schreiben es die Stadtwerke in einer Broschüre aus dem vergangenen Jahr, aus der die «Süddeutsche Zeitung» zitiert. Haben die Münchner es womöglich mit Symbolpolitik zu tun?So jedenfalls sieht es der Münchner Unternehmer Christoph von Gamm, der privat gegen das Verbot klagt. Auf der Plattform X begründet er das Vorgehen damit, dass die Stadt «private Gartenbesitzer zum Sündenbock» mache, anstatt die «eigentlichen Probleme anzugehen».So verliere die Stadt etwa durch Lecks im Wassernetz ein Vielfaches von dem, was private Gärten verbrauchten. «Statt dieses technische Einsparpotenzial zu nutzen, werden ausgerechnet kleine private Nutzer mit Bussgeldandrohung belegt, während grosse Verbraucher wie Gärtnereien und Sportanlagen ausdrücklich ausgenommen bleiben», so die Argumentation des Unternehmers.Christian Erhardt-Maciejewski, Chefredaktor des Fachmagazins «Kommunal», das sich an Entscheidungsträger in Rathäusern und Landratsämtern richtet, sieht es ähnlich. «Wer Freiheit einschränkt, trägt die Beweislast», schreibt er und führt aus, dass es zwar durchaus problematische Verbrauchsspitzen in der kommunalen Wasserversorgung gebe, dass dahinter aber meist ein grundsätzlicheres Problem liege.Wegen wachsender Städte seien die Wassernetze oftmals zu schwach. Und dann würden Kommunen ungern eingestehen, dass ihr Netz zu schwach sei, sondern dann heisse es: «Der Bürger verbraucht zu viel.»München wächst starkTatsächlich wächst die Bevölkerung Münchens seit zwei Jahrzehnten stark. Während derzeit etwa 1,6 Millionen Menschen in der bayrischen Landeshauptstadt leben, sollen es laut amtlicher Prognose im Jahr 2045 bereits über 1,8 Millionen sein. Mit jedem neuen Einwohner steigt auch der Trinkwasserbedarf einer Stadt, die damit nicht nur beim Wohnraum an ihre Kapazitätsgrenzen stösst.Der Wasserverbrauch in München sank am Tag nach Inkrafttreten der Allgemeinverfügung tatsächlich bereits auf unter 330 Millionen Liter, wie ein Sprecher der Stadtwerke mitteilte – das wäre ein durchschnittlicher Verbrauch. Gesunken waren allerdings auch die Temperaturen.Passend zum Artikel
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Der grüne Münchner Oberbürgermeister hat eine Allgemeinverfügung erlassen, um Wasser zu sparen. Kritiker sehen darin vor allem Symbolpolitik.













