Der AfD-Bundesvorstand eskaliert den Konflikt mit dem nordrhein-westfälischen Landesverband der Partei. Nach dem Willen der Parteispitze soll eine dafür speziell eingesetzte Untersuchungskommission Entscheidungen des Landesvorstands um den Vorsitzenden Martin Vincentz untersuchen. Konkret geht es um die am vorvergangenen Wochenende aus dem Ruder gelaufenen Kandidatenwahl für die Landtagswahl 2027 in Marl.

Nach Informationen aus der Parteiführung sollen insbesondere die Finanzen des Landesverbands der vergangenen Jahre durchleuchtet werden, aber auch andere Beschlüsse, und die Praxis der Aufnahme von Mitgliedern in die Partei näher in Augenschein genommen werden. Die Kommission soll ein Budget erhalten und externe Wirtschaftsprüfer hinzuziehen können, hieß es. Leiten soll sie der kürzlich aus dem Bundesvorstand ausgeschiedene frühere Oberstaatsanwalt Roman Reusch.

Hintergrund ist der Konflikt zwischen rivalisierenden Lagern in der NRW-AfD. Hier stehen die Unterstützer von Landeschef Vincentz dem geringfügig schwächeren Lager um Vorstandsmitglied Sven Tritschler gegenüber, das wiederum Parteichefin Alice Weidel nahesteht. Auf der Wahlversammlung hatten sich rivalisierende Delegierte gegenseitig der Erpressung sowie Handgreiflichkeiten beschuldigt; es wurden mehrere Strafanzeigen gestellt. Einzelne Wahlgänge wurden mit Dutzenden Kandidaten geflutet; die Versammlung mündete durch diesen sogenannten Filibuster schließlich in ein Chaos.