Was als routinemäßige Listenaufstellung für den größten Landesverband der Partei geplant war, geriet am vergangenen Wochenende in der Eventhalle von Marl zum offenen Machtkampf. Auf der einen Seite steht das Lager um Landeschef Martin Vincentz, auf der anderen das des Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich. Beide Seiten ringen seit Jahren um die Kontrolle über den rund 13.000 Mitglieder starken Verband.

An den ersten beiden Tagen konnten noch 21 Listenplätze vergeben werden – die große Mehrheit ging an Kandidaten aus dem Vincentz-Lager. Ein Schlüsselmoment war die Kampfkandidatur um Platz 13: Helferich trat persönlich gegen den Vincentz-Vertrauten Klaus Esser an, obwohl er selbst bis 2029 über ein Bundestagsmandat verfügt. Esser, gegen den wegen des Vorwurfs der Urkundenfälschung ein Strafbefehl über 13.500 Euro ergangen ist, setzte sich mit 251 zu 221 Stimmen durch.

Am Sonntag änderte das unterlegene Lager seine Strategie. Für Listenplatz 22 wurden rund 90 Bewerber benannt – darunter offenkundig nicht ernst gemeinte Kandidaturen. Da jedem Bewerber bis zu acht Minuten Redezeit zustehen, kam die Versammlung zum Erliegen. In parteiinternen Chatgruppen wurde der Vorgang unter dem Begriff „Filibuster“ koordiniert, lautet der Vorwurf.