Auch die anspruchsvolle Tageszeitung zielt auf das breite Publikum, aber unter ihren festen Themenbereichen finden sich keineswegs nur Publikumslieblinge. Neben den beliebten Sportseiten, der Lebenshilfe oder den Nachrichten aus der Region behaupten sich auch mehr oder minder esoterische Formen der Berichterstattung. Keine von ihnen hat schärfere Kritik auf sich gezogen als der Wirtschaftsteil, und das nicht ohne Grund.Lehrbuchdefinitionen der Tageszeitung grenzen sie von der exklusiv adressierten Fachpresse ab. Natürlich könne sie jederzeit auch über kleine Gruppen von Entscheidern berichten und also auch über Firmengründer und Manager, Eigentümer und Aktionäre. Aber ihre Themenwahl sollte sich auch dann an den mutmaßlichen Interessen ihrer Leserschaft orientieren und nicht am rollenspezifischen Informationsbedarf der Entscheider selbst, den zu decken sei Aufgabe der Fachpresse.Von dieser Regel lässt sich der klassische Wirtschaftsjournalist nicht beeindrucken. Tag für Tag stellt er Informationen zusammen, für die sich eigentlich nur die Führungskräfte des Wirtschaftssystems interessieren können. Arbeitern und einfachen Angestellten der Wirtschaftsbetriebe hat er deutlich weniger zu bieten, und an den Konsumenten als der größten Gruppe von Wirtschaftsteilnehmern geht er oft achtlos vorbei. Gewiss würde er auf Nachfrage nicht bestreiten, dass zu den legitimen Themen des Journalismus auch die Arbeitnehmerinteressen und der Verbraucherschutz, auch die Kundenberatung oder der Warentest zählen. Aber die Zuständigkeit dafür scheint er in anderen Ressorts zu vermuten.