Doch ein Blick nach Warschau zeigt: Die Erinnerung an Stauffenberg ist vielschichtiger, als das jährliche Gedenken vermuten lässt, schreibt der polnische Journalist und ehemalige Chefredakteur der Berliner Zeitung, Tomasz Kurianowicz, heute in der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung.
Jedes Jahr am 20. Juli erinnert Deutschland an das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler von 1944. Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Offizier, der die Bombe in Hitlers Hauptquartier „Wolfsschanze“ platzierte und noch in derselben Nacht erschossen wurde, gilt als Inbegriff des deutschen Gewissens – als Beweis, dass es auch im nationalsozialistischen Deutschland Menschen gab, die bereit waren, für ihre Überzeugungen zu sterben.
Polen erinnert sich an das, Deutschland verdängt
Polen erinnert man sich nicht nur an den Offizier, der Hitler töten wollte. Man erinnert sich auch an den Mann, der im Herbst 1939 über die polnische Bevölkerung schrieb: „Ein Volk welches sich nur unter der Knute wohlfühlt.“ Dieser Satz stammt aus einem Brief Stauffenbergs – nicht von einem SS-Offizier, sondern von jenem Mann, dessen Name in Deutschland wie kaum ein anderer für das „andere Deutschland“ steht, so Kurianowicz.
Gedenktag












