Der 20. Juli gehört zu den Gründungsmythen der Bundesrepublik. Jedes Jahr erinnert Deutschland an Claus Schenk Graf von Stauffenberg und den militärischen Widerstand gegen Hitler. Am 20. Juli 1944 platzierte Stauffenberg während einer Lagebesprechung in Hitlers Hauptquartier „Wolfsschanze“ eine Bombe. Hitler überlebte das Attentat, der geplante Staatsstreich scheiterte und Stauffenberg wurde noch in derselben Nacht erschossen. Der Offizier gilt bis heute als Symbol des Gewissens – als Beweis dafür, dass es auch im nationalsozialistischen Deutschland Menschen gab, die bereit waren, für ihre Überzeugungen zu sterben.
Das Denken konservativer Eliten
In Deutschland erinnert man sich an Stauffenberg als jenen Mann, der Hitler töten wollte. In Polen erinnert man sich auch an den Offizier, der den Krieg gegen Polen zunächst nicht grundsätzlich infrage stellte, dessen politisches Denken von den konservativen Eliten des Kaiserreichs und der Reichswehr geprägt war, der einer parlamentarischen Demokratie skeptisch gegenüberstand und der 1939 über Polen schrieb, es sei ein Volk, welches sich „nur unter der Knute wohlfühle“.
Beide Erinnerungen erzählen von derselben Person. Gerade deshalb lohnt es sich, den 20. Juli nicht als nationale Heldengeschichte zu betrachten, sondern als historische Provokation, die beweist, dass die kollektive deutsche Erinnerung immer noch unter zahlreichen blinden Flecken leidet.












