In Treptow-Köpenick wecken Natur und Freiraum Begehrlichkeiten für Bauprojekte. Junge Menschen kämpfen dafür, dass die Subkultur nicht zu kurz kommt.

Abends steht die Julisonne so tief, dass sie seitlich zwischen den kolossalen Stahlbögen der Minna-Todenhagen-Brücke in Schöneweide hindurchscheint. Die Graffiti auf den Betonsockeln leuchten auf, die Asphaltfläche ringsherum glänzt in warmem Licht. Dort, in den letzten Sonnenstrahlen des Tages, üben ein Mädchen auf einem Skateboard, ein Jugendlicher auf einem Stunt-Roller und ein BMXer Tricks an Aufbauten aus Holz, die verstreut herumstehen: Rampen, Bänke, ein langgezogenes, halbrundes Etwas.

Der junge Mann auf dem Bike heizt eine Rampe hoch, springt ab, dreht sich, stürzt, flucht. Setzt sich an den Rand. Er stellt sich vor als Jonas, seine Beine sind übersät mit Schrammen. Er komme öfter hier hin, erzählt Jonas, früher habe er in der Nähe gewohnt. „Es ist toll, dass es diesen Ort gibt und er so gut funktioniert. Vor allem, weil die Leute ihn selbst erkämpft haben“, sagt er.

Ausgerechnet die Minna-Todenhagen-Brücke – oder eher die Fläche unter ihr am linken Spreeufer – entwickelt sich gerade zu einem Treffpunkt für junge Menschen und Subkultur in Treptow-Köpenick. Dabei diente die Brücke eigentlich vor allem dem Anschluss des Autoverkehrs östlich der Spree an die westlich gelegene Stadtautobahn.