Krisenmanagement gehört nicht zu den Stärken von Friedrich Merz. Der Kanzler trifft Entscheidungen oft erst dann, wenn sie sich nicht länger aufschieben lassen. Der Rücktritt von Jens Spahn als Vorsitzender der Unionsfraktion ist dafür das jüngste Beispiel. Nicht die Entscheidung selbst wirft Fragen auf, sondern der Weg dorthin.

Denn nach allem, was inzwischen bekannt ist, überraschte die Nachricht den Kanzler keineswegs. Im Gegenteil: Spahn informierte Merz persönlich darüber, dass er und sein Ehemann mithilfe einer Leihmutter Eltern geworden waren, und das bevor die Medien davon erfuhren. Der Kanzler soll seinem Fraktionschef gratuliert haben, soll zugleich aber auch darauf hingewiesen haben, dass die Situation politisch nicht unkompliziert werden würde. Genau deshalb stellt sich heute die Frage, warum er es bei dieser Einschätzung beließ. Wer die Brisanz eines Vorgangs erkennt, muss sich überlegen, wie er damit umgeht. Merz tat das offenbar nicht.

Widersprüche, die sich nicht auflösen lassen

Dass die Angelegenheit früher oder später öffentlich diskutiert werden würde, war nahezu unvermeidlich. Die Union hat sich erst in diesem Jahr erneut klar gegen die Legalisierung der Leihmutterschaft ausgesprochen. Sie sieht darin einen Verstoß gegen die Menschenwürde und warnt davor, dass Frauen und Kinder wie Ware behandelt werden. Ausgerechnet Jens Spahn, der zu diesem Zeitpunkt die Leihmutterschaft bereits beauftragt hatte, stellt sich hinter die Parteilinie.