Die Kunst der strategischen Demütigung. Es ist ein vertrautes Schauspiel im Berliner Regierungsviertel: Wenn die Stühle gerückt werden, staubt die Union ihre bewährtesten Kräfte ab. Thorsten Frei, bisheriger Kanzleramtschef und laut Friedrich Merz ein Mann, der „maßgeblich zum Gelingen der jüngsten Reformvorhaben beigetragen“ hat, soll nun die Fraktion führen.Merz begründet diese Personalie mit Freis „zentraler Rolle bei der Regierungsarbeit und der Zusammenarbeit in der Koalition“. Das klingt nach einer Belobigung, ist aber vor allem eine Notlösung. Denn dort, wo Frei eine Lücke hinterlässt, gähnt nun ein Vakuum im Kanzleramt. Dieses kann eigentlich nur einer füllen: Jens Spahn selbst!
Milliarden-Verschwendung und Doppelmoral können ihn nicht stoppen
Natürlich gäbe es da Jörg Semmler, den Staatssekretär. Er wäre ideal, doch machen wir uns nichts vor: Semmler wird es nicht. Er ist schlicht zu qualifiziert, zu skandallos und – das ist in der Ära der Selbstdarsteller sein größtes Manko – viel zu unscheinbar für das grelle Licht der ersten Reihe.
Wer also, wenn nicht Jens Spahn? Ja, Karriereknicks sind ärgerlich, aber sie ändern rein gar nichts an Ambitionen. Spahn wollte schon immer Parteivorsitzender werden und ist als Konkurrent von Merz ohnehin stets im Spiel geblieben. Die aktuelle Aufregung ist für ihn kaum mehr als ein laues Lüftchen. Wenn Milliarden-Verschwendungen in der Corona-Masken-Affäre diesen Mann nicht stoppen konnten, dann wird es auch die Doppelmoral beim Thema Leihmutterschaft nicht tun.Seien wir ehrlich: Die Fraktion lag Spahn sowieso nie besonders. Er sah sich immer zu Größerem berufen, der Fraktionsvorsitz war für ihn lediglich eine mühsame Zwischenstation auf dem Weg zum Olymp.











