Donald Trump besucht Spanien. Das wäre mal eine Meldung angesichts des ganzen Ärgers in jüngster Zeit. Sie ist aber nicht ganz zutreffend, er macht es eher unfreiwillig. An diesem Sonntag ist der US-Präsident zu Gast beim WM-Finale in New Jersey. Das war lange geplant. Jetzt aber steht fest: In diesem Endspiel trifft, ausgerechnet, die spanische Fußball-Nationalmannschaft auf Argentinien. Gewinnen die Spanier, wird Trump ihnen gemeinsam mit seinem Vertrauten, Fifa-Präsident Gianni Infantino, den Pokal überreichen müssen.Den Spaniern also, die Trump beim Nato-Gipfel vor einer Woche ganz allgemein als „schlechte Menschen“ bezeichnet hatte. Sein Vorwurf: Spanien beteilige sich finanziell zu wenig am Verteidigungsbündnis – und überhaupt am Irankrieg.Für Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez von der sozialdemokratischen Arbeiterpartei ist allerdings genau diese Enthaltsamkeit ein Schlüssel zum Erfolg. Sánchez weigert sich, das von Trump vorangetriebene Nato-Rüstungsziel zu erfüllen. Demnach sollen fünf Prozent der Wirtschaftsleistung eines Mitgliedstaats in die Verteidigung fließen. Spanien hat seine Ausgaben zuletzt moderat auf 2,1 Prozent gesteigert. Sánchez steht auf dem Standpunkt, sein Land wachse, gerade weil es nicht so stark in Rüstung investiere und so finanzielle Stabilität gewährleiste. Es ist aber bei weitem nicht der einzige Treiber der Konjunktur, die die anderen EU-Staaten nach wie vor übertrifft.Nato-Gipfel in Ankara Sie konnten die Trump-Show nicht verhindern Die Nato-Partner wollten US-Präsident Trump in Ankara zähmen. Der Traum platzte binnen Stunden. Der Iran-Krieg eskaliert, Trump wütet gegen Spanien. War alles umsonst? von Max BiederbeckSpanien beweist „Widerstandsfähigkeit“Die spanische Wirtschaft wuchs dem Internationalen Währungsfonds zufolge 2025 um knapp 2,8 Prozent. In diesem Jahr sollen es 2,1 Prozent sein. Spanien legt damit immer noch dreimal stärker zu als die Eurozone im Schnitt, analysiert die US-Bank Goldman Sachs. Das Land beweise „strukturelle Widerstandsfähigkeit“ in Zeiten globaler Energieschocks, schreibt die Bank.Sánchez will sein Land zu einem Kraftzentrum grüner Energie verwandeln – und ist damit weit gekommen. Während die Strompreise nach dem Beginn des Iran-Feldzugs europaweit stiegen, sparten spanische Haushalte sogar Geld – rund zehn Euro pro Monat, wie die Denkfabrik Ember ermittelte. Zwar ist das Land nach wie vor auf Atomkraft angewiesen, es mangelt an Speicherkapazität und das Stromnetz muss modernisiert werden. Dennoch macht sich der Ausbau der Solar- und Windkraftanlagen mittlerweile bezahlt.Ein weiteres Plus: der Produktivitätszuwachs pro Beschäftigten und pro Stunde. Hochwertige Jobs etwa im Finanzsektor, in der IT und Kommunikation haben seit 2019 um mehr als 20 Prozent zugenommen, so der aktuelle Report von Goldman Sachs – und damit deutlich stärker als in Deutschland, Italien und Frankreich.Pedro Sánchez, der Anti-TrumpVon Trumpschen Drohgebärden lässt sich Sánchez nicht beeindrucken. Wie so oft klang der US-Präsident wenige Stunden nach seiner Schmähung des Spaniers an sich auch schon wieder versöhnlicher. An einer gewissen Verstimmungslage zwischen den USA und Spanien ändert das nichts. Sie reicht viele Monate zurück. Im Vergleich zu den anderen europäischen Regierungschefs gibt Sánchez schon länger die deutlichsten Widerworte. Er kann sich die Inszenierung als Anti-Trump und konkrete Maßnahmen wie die Sperrung des Luftraums fürs US-Militär zu Beginn des Irankriegs leisten.Pedro Sánchez und der US-Präsident im Oktober 2025. Foto: REUTERSDie Positionierung hilft ihm, seine Machtbasis unter linken und linksgeneigten Wählern zu sichern. Sánchez muss womöglich Neuwahlen ansetzen, spätestens im August 2027 wählen die Spanier. Markige Worte und immer wieder auch ausdrückliche Gelassenheit im Umgang mit Trump helfen Sánchez, sein Profil zu schärfen: als jemand, der die Unabhängigkeit von auswärtigen Energiequellen proklamiert, die Souveränität des Landes betont und Hunderttausende Migranten mit offiziellen Papieren ausstattet – um Jobs zu legalisieren und die Sozialkasse zu entlasten. Denn auch die spanische Gesellschaft altert und ist auf Zuwanderung angewiesen.Die Regierung hat ein Amnestie-Programm aufgesetzt, das Menschen, die seit mindestens fünf Monaten in Spanien leben und nicht straffällig geworden sind, eine einjährige und verlängerbare Aufenthaltserlaubnis verschafft. 1,2 Millionen Migranten machten davon nach Angaben der Sánchez-Regierung bis Ende Juni Gebrauch, mehr als doppelt so viele wie erwartet.
WM: Wie geht es Donald Trumps Lieblingsfeind in Europa eigentlich?
Wirtschaftlich läuft es in Spanien. Für Ministerpräsident Pedro Sánchez ist Grund dafür: Er widersetzt sich immer wieder Donald Trump. Nun muss der US-Präsident vielleicht den Spaniern den WM-Pokal überreichen.











