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Chinesischer Autobauer: Xpengs unmissverständliche Kampfansage Der chinesische Volkswagen-Partner Xpeng will selbst Europa erobern. Mit viel Technik zu einem kleinen Preis.

Reinschauen kann man ja mal: Der Xpeng Lo3 bei der Vorstellung in München. Foto: REUTERSEin wenig, so erzählt es ein französischer Autoinsider, erinnere ihn die Veranstaltung an die früheren Events von Mercedes und BMW. Stylische Musik, Cocktailbars auf grünem Rasen, dazu jede Menge gut gelaunter Menschen und Autos, Autos, Autos. Der Mann schlürft noch einmal aus dem Glas und sagt: „Und jetzt veranstalten diese Partys die Chinesen.“Understatement konnte man dem chinesischen Autobauer Xpeng bei der Vorstellung der Europa-Version seines SUV-Modells wahrlich nicht unterstellen. Warum auch? Im heimischen Markt China, dem gerne zitierten härtesten Automarkt der Welt, schlägt sich Xpeng respektabel, gilt mittlerweile als einer der Etablierten.Jetzt folgt der Versuch einer Europa-Eroberung. „Wir sind bereit“, posaunt der Inhaber und Namensgeber seines Unternehmens, He Xiaopeng, am Donnerstag in München vor Tausenden von Zuhörern. Die europäische Öffentlichkeit werde „Wow“ zu den Autos sagen, sagt Xiaopeng, „und wir können die Nummer eins werden“.Und damit es jeder versteht: „Willkommen in München“, ruft der Xpeng-Chef nochmals in die Menge, „der Heimat von – FC Bayern München.“ Leises Gekicher macht sich auf den Rängen breit. Hat sich je einer getraut, so mitten im Wohnzimmer von BMW zu reden?BMW kämpft in China „Am Ende stellt sich die Frage: Was ist in China überhaupt Premium?“ Zu spät und zu langsam: Der deutsche Autobauer BMW kann beim China-Speed nicht mithalten. Warum der chinesische Markt immer mehr zur Sackgasse wird. Chinesische Zurückhaltung beim Autoverkauf – das war einmal. Marken wie BYD, Xiaomi und Xpeng kommen neuerdings breitbeinig daher: top in der Technik und aggressiv beim Preis. Eine unmissverständliche Kampfansage an das deutsche Establishment.„Extrem weiterentwickelt“Im Falle des neuen Lo3 liegt das zum einen an den vielen kleinen und größeren technischen Details, die das Auto ab Werk mitbringt: Ladeleistung von zehn auf 80 Prozent in 20 Minuten, Batteriereichweite bis 520 Kilometer. Mit minimal teurerem Range Extender schafft das Auto laut Hersteller schon mal 1000 Kilometer. Dazu die mitgelieferte Hard- und Software für autonomes Fahren im Stile eines Mercedes CLA (also ab nächstem Jahr sogenanntes Level 2+). Oder ein selbst entwickelter Systemchip für natürlichere Sprachkommunikation und Autobedienung – etwas, das die deutschen Premiumanbieter auch gerade erst ausrollen, wenn überhaupt.Damit liefern die Chinesen kein Auto und keine Technologie, die es in Europa bislang nicht zu kaufen gebe. Allerdings ist das Produkt in seiner Preiskategorie vermutlich doch bislang einzigartig: Knapp 35.000 Euro kostet das SUV-Coupé. Zu dem Preis verkauft Volkswagen ab Herbst seinen ID.Polo – einen soliden Kleinwagen, der weitestgehend ohne hochpreisige Gimmicks auskommt.„Xpeng hat sich bei der Verarbeitung und Technologie extrem weiterentwickelt“, findet der Auto- und Technologieanalyst Pieter Busscher vom Züricher Vermögensverwalter Robeco, der sich in München den Xpeng-Markteintritt genauer anschaut. Busscher verweist auf bessere Materialien und neue Zulieferer beim Modell, eine strategische Entscheidung des Unternehmens, die ihm zufolge möglicherweise aus der Partnerschaft mit Volkswagen herrührt.Autobauer in Not BMW, Mercedes und VW stehen vor dem nächsten China-Crash Es sollte alles besser werden in China: BMW mit der Neuen Klasse, VW mit einer Produktoffensive, Mercedes mit selbstfahrenden Modellen. Doch jetzt werden die deutschen Hersteller erneut zurückgeworfen. von Annina Reimann, Martin Seiwert und Jörn PetringIn China wird die Partnerschaft auch für Volkswagen immer wichtiger. Als Volkswagen vor zwei Jahren mit dem Unternehmen eine Kooperation einging, fragten viele, ob es für mehr nicht gereicht hatte. Im Nachhinein urteilen auch Autoexperten wie Stefan Bratzel, dass die Wolfsburger da ein „gutes Händchen“ bewiesen haben, erklärte der Direktor des Autoinstituts „Center of Automotive Management“ vor einiger Zeit. Das Unternehmen zählt mittlerweile auch nummerisch zu den wichtigsten Innovationstreibern der Branche.Und im Gegensatz zu anderen Chinesen wie Nio gelänge es Xpeng besser, die Kosten in den Griff zu bekommen, meint Bratzel. Das wiederum helfe auch VW, bei Themen wie Software und Künstlicher Intelligenz in China vorn zu sein. Von Xpeng kommt in China unter anderem die Basis für das autonome Fahren.In Europa könnte die Zusammenarbeit für Volkswagen nicht nur Freude wecken. Mittelfristig geht es auch um Marktanteile. „Ich überlege mir, komplett auf Xpeng umzusteigen“, kommentiert in München ein VW-Händler, der auch Xpeng-Modelle anbietet. Die bisher zu kaufenden SUV-Varianten G6 und G9 gehören mit je knapp 3000 in diesem Jahr verkauften Exemplaren in Deutschland zur Nische – aber einer, die wächst: 2024 verkaufte Xpeng hierzulande nicht einmal 400 Fahrzeuge.Automarkt E-Auto-Prämie ebnet Chinesen den Einstieg in den deutschen Markt Die E-Auto-Kaufprämie des Bundesumweltministeriums zeigt überraschende Wirkungen. Neben VW und Tesla profitieren vor allem chinesische Hersteller. von Cordula Tutt und Annina ReimannUm zu den Mitstreitern aufzuschließen, will Xpeng sein Händlernetz in Deutschland deutlich ausbauen. Laut Firmenchef Xiaopeng soll die Zahl der Verkaufsstellen bis Ende des Jahres auf über 100 steigen. Das Ziel seien 8000 Autos im Jahr 2026, ein Jahr später sollen es dann 20.000 werden. Ob das so schnell gelingt, ist fraglich. Zwischen Ambitionen und erreichten Zielen war die Diskrepanz bei chinesischen Unternehmen schon früher auffällig.Und doch scheint es diesmal anders zu sein. Während der Münchner Veranstaltung loben nicht wenige die geradezu „europäisierte“ Herangehensweise: ein zugänglicheres Manager-Team, das schnörkellose Produkt. Hergestellt wird der Lo3 vorerst in Steyr beim Auftragsfertiger Magna. Dorthin liefern die Chinesen das Auto in Einzelteile und lassen es zusammenmontieren, um so Zölle zu sparen. Gerüchteweise könnte das Unternehmen zukünftig, wenn es denn für Xpeng tatsächlich gut läuft, vielleicht sogar in einem der bisherigen VW-Werk produzieren.„Die Haupthürde für chinesische Unternehmen in Europa wird sein, ob sie von den Kunden als technologisch stark und zuverlässig wahrgenommen werden“, meint der Schweizer Autoexperte Busscher. Mit anderen Worten: Können die Chinesen auch Marketing? Zumindest die Gartenpartys unterscheiden sich kaum von den einheimischen Anbietern. 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