Thomas Gottschalk behauptete vor nicht allzu langer Zeit, er habe Frauen früher im TV »rein dienstlich angefasst« . Dass diese das in der Regel überhaupt nicht toll fanden, zeigt ein neuer Dokumentarfilm, unter anderem mit Esther Schweins, 56. Die Schauspielerin ist darin in älteren Aufnahmen zu sehen, zum Beispiel als Gast bei »Wetten, dass..?«, wo sie von Anwesenden, allen voran Gottschalk, übergriffig behandelt wurde und sichtlich gequält grinste. Über Szenen wie diese sagt Schweins heute: »Im deutschen Fernsehen hatten Frauen durchzulächeln.«Bei anzüglichen Witzen, Gesten oder Anspielungen mitzulachen, sei eine »Überlebensstrategie« gewesen, erklärte Schweins im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa weiter. Die Schauspielerin ist Teil des Films »Was haben wir gelacht« von Eva Müller und Isabelle Schneider, der gerade in die Kinos gekommen ist und sich kritisch mit dem Frauenbild im deutschen Fernsehen in den Neunziger- und frühen Nullerjahren auseinandersetzt.

Sexismus? »Das war die Norm«Damals habe es viele Begrifflichkeiten nicht gegeben, so Schweins weiter. »Ich könnte mich nicht erinnern, dass jemand damals über Sexismus sprach. Das war die Norm.« Sie habe das natürlich falsch gefunden, sagte die 56-Jährige weiter. Daher sei sie dankbar gewesen »für diesen Möglichkeitsraum ›Samstag Nacht‹«.In der RTL-Sendung hatte Schweins ihren Durchbruch. »Dort konnte ich Ausnahme sein von dieser Norm: Komische Frau ist auch schön – oder schöne Frau ist auch komisch«, erklärte sie nun. Die Sendung sei »kreativ« und »menschlich« gewesen »und für mich als junge Frau der erste Ort, an dem ich aufatmen konnte, an dem ich frei denken, freie Rede führen und mir Luft verschaffen konnte«.