Dürfen Münchner Brauereien weiterhin das wertvolle Tiefengrundwasser zum Reinigen ihrer Anlagen und Spülen von Flaschen verwenden? Der Verein Münchener Brauereien, dem die alteingesessenen Unternehmen angehören, sowie einzelne Brauereien zeigen sich gesprächsbereit, weisen aber auf Probleme hin. Eine Mehrheit im Stadtrat plädiert dafür, das Tiefengrundwasser künftig ausschließlich für die Bierproduktion zu verwenden. Auch Umweltverbände fordern dies.„Wir wünschen uns eine Diskussion, die der Komplexität des Themas gerecht wird“, teilt Klaus Hoffmann mit, Justiziar des Brauereien-Vereins. Man nehme die Diskussion „sehr ernst“ und habe „größtes Interesse“ am Schutz des Tiefengrundwassers. Nachdem der Verein zuletzt Fragen der SZ zur Nutzung dieses Wassers nicht beantwortet hat, äußert er sich nach den deutlichen Reaktionen im Stadtrat doch.Regeln und Verbote wegen anhaltender Trockenheit:Patrouilliert die Polizei nun an Pools?Und wann darf ich meinen Gemüsegarten jetzt noch gießen? So funktionieren die Verbote gegen den Wassermangel in München.Hoffmann bemängelt, dass in der aktuellen Diskussion „wichtige technische, hygienische und wasserwirtschaftliche Zusammenhänge häufig unberücksichtigt“ blieben. Beiläufig bestätigt er Recherchen der SZ, wonach Tiefengrundwasser auch eingesetzt werde „für die Reinigung von Tanks, Rohrleitungen, Fässern, Flaschen und Abfüllanlagen“. Diese Anlagen kämen direkt mit Lebensmitteln in Berührung, deshalb gehe es auch um Hygiene.Laut Vorgaben des Freistaats von 2023, die sich an die lokalen Genehmigungsbehörden richten, ist das Verwenden von Tiefengrundwasser für Reinigungszwecke „grundsätzlich nicht zulässig“. Die „eiserne Reserve“ für die Trinkwasserversorgung sei nur dann zu verwenden, wenn ihre besondere Reinheit erforderlich ist.Die Produktionsabläufe in den Brauereien seien über Jahrzehnte gewachsen, so Hoffmann. Ein Umbau wäre sehr aufwendig. Ein von den Brauereien in Auftrag gegebenes hydrogeologisches Gutachten zum Tiefengrundwasser in der Münchner Schotterebene solle eine fundierte Grundlage für die weitere Diskussion liefern. Auf die Frage, ob der Verein bereit wäre, eine Verschärfung der Entnahmeregelungen zu akzeptieren, vermeidet Hoffmann ein klares Ja: „Selbstverständlich werden sich unsere Mitgliedsbrauereien mit künftigen gesetzlichen oder behördlichen Anforderungen konstruktiv auseinandersetzen.“Erstmals auf Fragen der SZ zum Tiefengrundwasser hat Augustiner geantwortet. Die Brauerei schließt sich dem Lobby-Verein weitgehend an. Das Thema sei „zu komplex, um zum jetzigen Zeitpunkt voreilige Schlussfolgerungen zu ziehen“. Man sei „grundsätzlich bereit“, künftige Regelungen „im Rahmen des fachlich, technisch und wirtschaftlich Vertretbaren umzusetzen. Dies setzt jedoch zunächst eine breite und ergebnisoffene fachliche Diskussion voraus, die die tatsächlichen Gegebenheiten in den Brauereien angemessen berücksichtigt und von einer transparenten Darlegung der Verwendung von Tiefengrundwasser begleitet wird.“ Bisher sind es Brauereien, die in Sachen Tiefengrundwasser nicht oder nur sehr zurückhaltend kommunizieren.Paulaner betont, dass man durch „moderne Technologien und Prozessoptimierungen“ in den vergangenen Jahren bereits erheblich Wasser eingespart habe. Ein Hofbräu-Sprecher erklärt, dass es für die Installation eines zweiten Wasserkreislaufs umfassende Planungen mit Fachfirmen brauche. „Sollte es erforderlich werden“, werde man „umgehend“ mit der Planung beginnen.Die Menge des von den Münchner Brauereien geförderten Tiefengrundwassers ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten um knapp 50 Prozent gestiegen. Das für die Genehmigungen zuständige Klimareferat gibt bisher lediglich eine Mengenobergrenze vor, nicht aber den Verwendungszweck.Der Druck auf Stadt und Brauereien wächst auch seitens der Umweltverbände. Christian Hierneis, Vorsitzender des Bund Naturschutz in München, sagt, dass die Nutzung des Tiefengrundwassers fürs Bierbrauen in Ordnung sei, solange sich das Reservoir im Untergrund entsprechend auffülle. Für Reinigung und Limoproduktion sei es aber „zu wertvoll“. Dafür sollte „umgehend anderes Wasser“ verwendet werden.Heinz Sedlmeier, Geschäftsführer des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV), kritisiert angesichts „eines dramatischen Trinkwasserverlusts“ und dem sehr niedrigen Stand der Pegel die bisherige Nutzung als „unverantwortlich“. Sie sollte von den zuständigen Behörden umgehend unterbunden werden. Zudem erwarte er Transparenz, auf welcher Grundlage die Fördergenehmigungen erteilt werden.Sabine Krieger vom Klimabündnis „Stadt für alle“, in dem sich Dutzende Organisationen und Initiativen zusammengeschlossen haben, erinnert an die Diskussionen über die Entnahme des Münchner Trinkwassers im Mangfall- und Loisachtal. Dortige Behörden und Politiker sehen es teils sehr kritisch, dass sich die Millionenstadt bei ihnen bedient. Deshalb, so Krieger, sei die „Tiefenwasserreserve von besonderer Bedeutung und sollte so schonend wie möglich genutzt werden“.Vanessa Mantini von Green City betont, dass Grundwasser in Zeiten des Klimawandels „immer wertvoller“ werde. Die Stadt müsse ihre Genehmigungspraxis überdenken. „Eine Krise ist der Zeitpunkt, an dem man auch den Mut haben muss, Traditionen und bestehende Praxen zu überdenken.“ Helena Geißler vom Bündnis Klimaherbst erinnert die Brauereien daran, dass das Einsparen von Tiefengrundwasser auch im eigenen Interesse sei. Sollte sich das Vorkommen reduzieren oder gar erschöpfen, stünde das Wasser auch nicht mehr zum Bierbrauen zur Verfügung.