Dank Trainer Thomas Tuchel stand England kurz vor dem größten Erfolg seit 60 Jahren. Seine Wechsel gegen Argentinien lösen einen Sturm der Kritik aus.

Besorgt: Tuchel sieht in der englischen Abwehr zu große Lücken

Stephanie Scarbrough/ap

Was für eine Geschichte hätte das sein können! Fast zu kitschig, um wahr zu sein. 60 Jahre nach dem Wembley-Finale. 60 Jahre nach diesem legendären Spiel, diesem legendären Tor. Nach 60 Jahren „of hurt“ stehen die Three Lions wieder im WM-Finale. Und ausgerechnet ein Deutscher führt sie dorthin: Thomas Tuchel. Für viele englische Fans wäre wohl nur ein Schotte als Nationaltrainer schlimmer gewesen. Aber in der Not frisst der Teufel Fliegen. Über allem schwebte zumindest vor dieser WM noch Gary Linekers berühmter Satz: „Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“

Und dann war da noch Pelé, der einst sagte: „Die Engländer haben den Fußball erfunden, aber sie haben vergessen, wie man gewinnt.“ Genau deshalb hätte es perfekt gepasst: Ausgerechnet ein Deutscher bringt den Engländern das Gewinnen bei. Führt sie zurück ins WM-Finale und tritt in die Fußstapfen des legendären Sir Alf Ramsey. Und lange sah es so aus. Genauer gesagt bis zur 85. Spielminute. Bis Enzo Fernández den Ball aus 20 Metern zum 1:1-Ausgleich in die Maschen hämmerte. Fünf Minuten später war es vorbei: Flanke Messi, Kopfball Lautaro Martínez – England raus. Oh dear.