Frankreich legalisiert die Sterbehilfe für Schwerkranke – doch der letzte Entscheid steht noch ausNach jahrelanger Debatte hat Frankreich ein Gesetz zur Sterbehilfe verabschiedet. Ein interdisziplinäres Gremium soll jeden Antrag prüfen, Mediziner können ihre Mitwirkung aus Gewissensgründen verweigern. Für die Gegner ist der Streit nicht beendet.16.07.2026, 14.34 Uhr4 LeseminutenAktualisiertGegner des Sterbehilfegesetzes demonstrieren am Mittwochabend vor der Assemblée nationale in Paris. Aufgerufen zu den Protesten hatte unter anderem die französische Bischofskonferenz.Benoit Tessier / ReutersSie ist eine der wichtigsten gesellschaftspolitischen Reformen in Frankreich unter der Präsidentschaft von Emmanuel Macron – doch sie ist noch nicht endgültig besiegelt: Die Nationalversammlung in Paris hat am Mittwochabend den Weg für die teilweise Legalisierung der Sterbehilfe freigemacht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mit 291 gegen 241 Stimmen verabschiedeten die Abgeordneten ein Gesetz, das schwerkranken Menschen unter strengen Voraussetzungen einen assistierten Suizid und in bestimmten Fällen auch die aktive Sterbehilfe ermöglicht.Ein Entscheid des Verfassungsrats über das sogenannte Gesetz zum «Recht auf Hilfe beim Sterben» («droit à l'aide à mourir») steht noch aus. Dass die Reform jedoch grundsätzlich kommt, gilt als wahrscheinlich. Offen ist vor allem, ob einzelne Bestimmungen nachgebessert werden müssen.Gefährlicher Tabubruch oder Akt der Menschlichkeit?Der Abstimmung ging eine jahrelange, erbittert geführte Debatte voraus. Gegen das Vorhaben stemmten sich vor allem die konservativen Républicains sowie grosse Teile des rechtsnationalen Rassemblement national. Auch aus dem Regierungslager gab es vereinzelt Gegenstimmen.Vor dem Parlament demonstrierten am Abend einige Hundert Gegner der Reform. Katholische Organisationen und solche, die sich für den Schutz des Lebens einsetzen, wie Alliance Vita und Marche pour la Vie, hatten zu Kundgebungen aufgerufen.Für die Gegner der Sterbehilfe markiert das Gesetz einen gefährlichen Tabubruch. Die französische Bischofskonferenz warnte vor einem grundlegenden Wandel im Umgang mit Kranken, Alten und Behinderten. Insbesondere sozial benachteiligte Personen, befürchten sie, könnten sich eines Tages unter Druck gesetzt fühlen, ihrem Leben ein Ende zu setzen, um Angehörigen oder der Gesellschaft nicht zur Last zu fallen.Für die Befürworter ist das Gesetz hingegen ein Akt der Menschlichkeit. Nach Darstellung der Regierung soll es unheilbar Kranken die Freiheit geben, selbst über ihr Lebensende zu entscheiden, ohne dabei das belgische Modell der Euthanasie oder das Schweizer Modell des assistierten Suizids zu übernehmen. Stattdessen entstehe ein eigenständiger «französischer Weg», der einen selbstbestimmten Tod mit strengen Schutzvorkehrungen verbinde.Zu den prominenten Unterstützern der Reform gehörte die Sängerin Françoise Hardy. Die an zwei unheilbaren Krebserkrankungen leidende Musikerin hatte den französischen Präsidenten Emmanuel Macron vor ihrem Tod im Juni 2024 mehrfach aufgefordert, das Gesetz voranzutreiben. «Jemanden, der unheilbar krank ist, unerträglich leiden zu lassen, bis er stirbt, ist unmenschlich», schrieb sie in einem offenen Brief.Nach der Abstimmung erklärte Macron, damit ein Versprechen eingelöst zu haben, das er den Franzosen bereits im Präsidentschaftswahlkampf vor vier Jahren gegeben habe. «Mit Ernsthaftigkeit, Demut und im vollen Respekt unserer Demokratie ist dieses Versprechen nun erfüllt», schrieb er auf X.La proposition de loi relative au droit à l'aide à mourir est adoptée. Sur cette question aussi intime que grave, qui touche à la vie, à la souffrance et à la dignité, une seule méthode était possible : prendre le temps de l’écoute, du dialogue et du débat.…— Emmanuel Macron (@EmmanuelMacron) July 15, 2026
Frankreich legalisiert Sterbehilfe unter strengen Auflagen - noch steht aber ein Entscheid des Verfassungsrates aus
Nach jahrelanger Debatte hat Frankreich ein Gesetz zur Sterbehilfe verabschiedet. Ein interdisziplinäres Gremium soll jeden Antrag prüfen, Mediziner können ihre Mitwirkung aus Gewissensgründen verweigern. Für die Gegner ist der Streit nicht beendet.











