Am 18. Juli wäre Nelson Mandela 108 Jahre alt geworden. 67 Jahre seines Lebens widmete er dem Kampf für Gerechtigkeit und Frieden in Südafrika. Weltweit ist der erste Präsident Südafrikas nach Ende der Apartheid für seinen Kampf gegen Ungerechtigkeit bekannt. Anlässlich des Internationalen Nelson-Mandela-Tages, der jedes Jahr am 18. Juli gefeiert wird, lohnt ein Blick auf sein Vermächtnis.Mandela, der seinen berühmten Vornamen „Nelson“ erst an seinem ersten Schultag bekam, war die Ikone der Anti-Apartheid-Bewegung. Der Popularität Mandelas geht jedoch ein langer Weg politischen Aktivismus voraus. Bereits als junger Student engagierte er sich gegen das weiße Minderheitsregime in Südafrika. Im Jahr 1944 trat Mandela dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC) bei und war Mitgründer der ANC-Jugendliga (ANCYL). 1962 wurde er verhaftet und saß bis Februar 1990 im Gefängnis. Die Freilassung nach mehr als 27 Jahren Haft markiert einen Meilenstein in der Geschichte Südafrikas. Spätestens mit der Verleihung des Friedensnobelpreises im Jahr 1993 wurde der damalige Präsident des ANC auch international zu einem Symbol des Kampfes gegen Rassismus.In Südafrikas Städten ist Mandela auch dreizehn Jahre nach seinem Tod am 5. Dezember 2013 – zumindest visuell in Form von Denkmälern und Wandmalereien – noch allgegenwärtig. Doch das kollektive Gedächtnis des Landes hat sich gewandelt. Während sich in der älteren Generation noch einige vielfach an die Angst vor einem Bürgerkrieg erinnern und sich bewusst sind, dass Zugeständnisse Mandelas an das Apartheitregime nötig waren, ist die Bewertung junger Südafrikaner zunehmend ambivalenter.Insbesondere linkspopulistische Parteien wie die Economic Freedom Fighters erheben das Narrativ, dass Mandela die Interessen der Schwarzen „verkauft“ habe. Mandela habe die Chance vertan, nach der erfolgreich erkämpften Freiheit auch die Weichen für eine wirtschaftliche Freiheit der schwarzen Bevölkerung zu stellen. Dieses Narrativ fällt in Teilen der jüngeren Bevölkerung auf fruchtbaren Boden.67 Minuten „Gutes tun“Was bleibt also von Nelson Mandela? Ausdruck für Mandelas Denken als moralischen Bezugspunkt ist der Internationale Nelson-Mandela-Tag. Der Gedenktag geht auf eine Initiative der UN-Vollversammlung im Jahr 2009 zurück und soll Menschen zu humanitärem Verhalten anregen.Jährlich am 18. Juli sollen sich Menschen mindestens 67 Minuten lang für das Gemeinwohl engagieren. Alle werden dazu aufgerufen, Verantwortung zu übernehmen und die Welt Schritt für Schritt zu verbessern. Dabei steht jede der 67 Minuten für ein Jahr, das Mandela dem Kampf für eine gerechte und freie Gesellschaft in Südafrika gewidmet hat. Im vergangenen Jahr schloss sich auch UN-Generalsekretär António Guterres dem Aufruf der Nelson-Mandela-Stiftung an, etwas Gutes für Mitmenschen zu tun. Zusammen solle man „Madibas Vermächtnis ehren“, so Guterres.In diesem Jahr sind abermals viele Aktionen im Rahmen des Mandela-Tages unter dem Motto „It is in your hand“ geplant. So ruft die gemeinnützige Organisation Vintage with Love dazu auf, die 67 Minuten dazu zu nutzen, den Kleiderschrank auszumisten und Kleidung zu spenden. Die Buchhandlung Bridge Books will am 17. und 18. Juli den Litdistrict in Johannesburg in einen „Ort der Begegnung“ verwandeln. Freiwillige können dann etwa beim Bau von permanenten Bücherstationen helfen.Erstmals veranstaltet die Nelson-Mandela-Stiftung dieses Jahr in New York zudem das „Nelson Mandela Global Leadership Forum“. Dort sollen sich Führungskräfte darüber austauschen, wie „ethische und werteorientierte Führung in der Praxis aussieht“. Der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani wird als Ehrengastredner angekündigt.Schwieriges Verhältnis zu TrumpDas Verhältnis zwischen den USA und Südafrika ist ambivalent. Im Oktober 1994 wurde Mandela, der erst kurz zuvor zum Präsidenten Südafrikas gewählt worden war, von Bill Clinton willkommen geheißen. Der Besuch war symbolträchtig, weil Mandela herzlich im Weißen Haus empfangen wurde, obwohl er zu dem Zeitpunkt offiziell noch auf einer amerikanischen Terroristenliste stand. Der Empfang in Washington war Ausdruck des diplomatischen Bemühens um eine neue Ära bilateraler Beziehungen und der Aufnahme des zuvor geächteten Südafrika in die Weltgemeinschaft.Erinnerungen an das gemeinsame Bemühen um Annäherung scheinen mittlerweile jedoch wieder erloschen. Mit Amtsantritt Trumps rutschten die Beziehungen immer weiter in die Krise.Zuletzt boykottierte der US-Präsident im November vergangenen Jahres den von Südafrika ausgerichteten G-20-Gipfel. Vorausgegangen war ein bedenkliches Treffen des südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus. Dort wurde Ramaphosa vergangenen Mai vor versammelter Presse von US-Präsident Donald Trump bezichtigt, einen Völkermord an der weißen Bevölkerung Südafrikas zu begehen. Der US-Präsident hielt ausgedruckte Zeitungsartikel in der Hand und ließ einen Videoausschnitt zeigen. Sie sollten seinen Vorwurf belegen.Die Vorwürfe sind auf einen in den Vereinigten Staaten und Südafrika verbreiteten Verschwörungsmythos, den „weißen Genozid“, zurückzuführen. Tatsächlich gibt es in Südafrika ein hohes Maß an Gewaltkriminalität. Auch weiße Menschen wie Farmer sind davon betroffen. Für gezielte Angriffe auf diese Bevölkerungsgruppe mit dem Ziel, sie auszulöschen oder zu vertreiben, gibt es jedoch keine Anhaltspunkte.US-Präsident Donald Trump zeigt die vermeintlichen Belege für einen Genozid während er Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa im Oval Office des Weißen Hauses trifft.dpaPointiert wird der offensichtlich falsche Vorwurf Trumps von einem Faktencheck der Nachrichtenagentur Reuters. Kurz nach dem Treffen mit Ramaphosa wurde klar, dass unter den ausgedruckten Zetteln, die Trump hochhielt, ein Bild aus einem Video zu sehen war, das tatsächlich aus der Demokratischen Republik Kongo stammt und bei einem Massenbegräbnis nach einem Überfall von Rebellen auf die Stadt Goma gedreht wurde.Schwieriges VermächtnisAuch mehr als drei Jahrzehnte nach dem Ende der Apartheid bestehen in Südafrika große Ungleichheiten. In kaum einem anderen Land der Welt seien Einkommen und Vermögen so ungleich verteilt wie in Südafrika, schreibt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Demnach leben nach Schätzungen immer noch mehr als 60 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Betroffen von der enormen Ungleichheit sind vor allem Schwarze.Laut der südafrikanischen Statistikbehörde fand im ersten Quartal 2026 etwa jeder Dritte keine Arbeit. Besonders die Fünfzehn- bis Vierundzwanzigjährigen haben Schwierigkeiten, Arbeit zu finden. Die Arbeitslosenquote unter den Jugendlichen lag nach Angaben der Behörde von Januar bis März 2026 bei mehr als 60 Prozent. Die hohe Arbeitslosigkeit bietet einen fruchtbaren Boden für populistische Narrative, wie sie die Partei Economic Freedom Fighters verbreitet.Auch die hohe Kriminalitätsrate beschäftigt Südafrika seit vielen Jahren. Laut der aktuellen Polizeistatistik gab es allein im Zeitraum von Januar bis März 2026 mehr als 5100 Morde. Wer die finanziellen Mittel hat, lebt in „gated Communities“, abgeschottet hinter hohen Mauern und mit Wachdiensten.Zumindest am Nelson-Mandela-Tag sind alle Menschen, nicht nur in Südafrika, dazu aufgerufen, an einem Strang zu ziehen. Auch wenn sich in 67 Minuten nicht die Welt verändern lässt, kann man in der Zeit einem Mitmenschen Freude bereiten: Einkaufshilfe, Blutspenden, Nachhilfe – kleine Handlungen können viel bewirken.Was tun Sie in den nächsten 67 Minuten?