Grafik der WocheDie Lage am Persischen Golf droht erneut zu eskalieren. Engpässe bei der Versorgung mit Treibstoffen wie Benzin und Diesel verschärfen sich bereits alarmierend. Betreiber von Raffinerien verdienen rekordhohe Margen, was für den Rest der Wirtschaft kein gutes Zeichen ist.Die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen im Nahen Osten wird an den Finanzmärkten bislang weitgehend ignoriert. In New York ist der Leitindex S&P 500 gestern Mittwoch weiter avanciert und notiert weniger als 0,5% unter dem Allzeithoch von Anfang Juni. Investoren gehen davon aus, dass sich die Lage am Golf bald wieder beruhigt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Möglicherweise zurecht, doch wenn sich der Krieg weiter intensiviert, dürfte es nicht lange dauern, bis sich erneut Verunsicherung breit macht. Im Energiesektor nimmt der Druck bereits spürbar zu. Der Anstieg des Ölpreises bleibt bisher zwar überschaubar. Mit 86 $ pro Fass notiert die Referenzsorte Brent noch immer rund 25% niedriger als Anfang Mai. Andere Segmente des Marktes sind jedoch schon im Ausnahmezustand.Das zeigt die markante Ausweitung der Margen von US-Raffineriekonzernen. Der 3-2-1 Crack Spread, ein vielbeachteter Indikator zur Ertragskraft der Branche, ist mit gut 67 $ über den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2022 gestiegen, als Russland die Ukraine angriff. Die Kenngrösse gibt an, wie viel Gewinn bei der Verarbeitung von drei Fass Rohöl in zwei Fass Benzin und ein Fass Diesel resultiert, wobei der Wert auf ein Fass vereinheitlicht wird.Lukratives Umfeld für RaffineriekonzerneIn den Rekordmargen reflektieren sich die ausgeprägten Verzerrungen, die gegenwärtig an den globalen Energiemärkten herrschen. Der Ölpreis hatte nach der Übereinkunft zwischen Washington und Teheran respektive der Öffnung der Meerenge von Hormuz scharf korrigiert. Benzin, Diesel und Kerosin sind hingegen hartnäckig teuer geblieben, was Raffineriekonzernen massive Gewinne beschert.Die ungewöhnliche Konstellation hat mit mehreren Faktoren zu tun. Mit der Blockade der Strasse von Hormuz und der Beschädigung von Raffinerieanlagen gingen Exporte von Kraftstoffen aus der Golfregion zurück, wodurch die Lager weltweit sanken. Um sie aufzustocken, braucht es wesentlich mehr Zeit als bei den Ölreserven, weil Produktion und Vertrieb komplizierter sind.Besonders problematisch ist die Versorgung mit Diesel. Russland, der zweitgrösste Produzent des Treibstoffs, hat den Export eingestellt, nachdem mehrere Raffinerien durch ukrainische Drohnenangriffe beschädigt wurden. Auch der riesige Petrochemie-Komplex Salawat im Ural musste am Dienstag den Betrieb stoppen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.Risiko für die WirtschaftAn der Börse sind Raffineriekonzerne entsprechend gesucht. Die Aktien amerikanischer Branchenleader wie Valero Energy, Phillips 66 und Marathon Petroleum haben diese Woche ein Allzeithoch markiert. Valero Energy und Marathon Petroleum notieren rund 80% höher als Anfang Jahr. Phillips 66 verbucht einen Kursgewinn von immerhin gut 50%.Die Kursavancen mögen für Aktionäre erfreulich sein, doch für den Rest der Wirtschaft könnten die Engpässe grössere Schwierigkeiten bedeuten. «Das makroökonomische Risiko geht vor allem von Diesel aus, da der Treibstoff eine zentrale Rolle im Gütertransport, in der Landwirtschaft und in der Industrie spielt», warnt der Researchdienst Oxford Economics.Der Boom im Raffineriesektor ist auch hinsichtlich der Inflation kein gutes Signal. In den USA hat sich die Teuerung im Juni abgeschwächt, was positiv überrascht. Doch ohne einen Frieden im Nahen Osten dürfte dieser Trend nicht lange anhalten, zumal sich höhere Kraftstoffpreise rasch in den Transport- sowie Produktionskosten und dadurch letztlich in den Konsumentenpreisen niederschlagen.
Krieg am Golf: Warnsignal aus dem Raffineriesektor
Die Lage am Persischen Golf droht erneut zu eskalieren. Engpässe bei der Versorgung mit Treibstoffen wie Benzin und Diesel verschärfen sich bereits alarmierend. Betreiber von Raffinerien verdienen rekordhohe Margen, was für den Rest der Wirtschaft kein gutes Zeichen ist.










