KommentarDer Schlagabtausch zwischen Iran und den USA wird anhalten – und Benzin bleibt teuerDer Erdölmarkt hat den Iran-Krieg besser weggesteckt als gedacht. Aber solange um die Strasse von Hormuz gestritten wird, gibt es keine Entwarnung. Das kann noch lange sein.11.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenSzene vor der Küste Omans: Teheran attackiert Schiffe, die auf dieser Seite statt auf der Seite Irans die Strasse von Hormuz durchfahren.Elke Scholiers / Getty Images EuropeDas wird ein langer, heisser Sommer. Kein lieblicher Indian Summer, sondern ein kräftezehrender Iranian Summer. Die Hoffnung auf schnelle, erfolgreiche Friedensverhandlungen zwischen Iran und den USA hat in dieser Woche schwer gelitten – nach drei iranischen Angriffen auf Tanker in der Strasse von Hormuz, amerikanischen Vergeltungsschlägen und erneuten Retorsionen Teherans.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Hoffnung dürfte nicht so schnell wieder aufleben. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge von Hormuz, der sich zuvor von niedrigem Niveau aus erholte, ist erneut eingebrochen. Gestiegen ist der Rohölpreis, denn nun wird es noch länger dauern, bis sich die Ölexporte aus der Golfregion normalisieren. Manche Schiffsbetreiber mögen sehr risikobereit sein. Sie fahren trotzdem und verdienen sich eine goldene Nase. Doch viele Reeder und Charterer zögern.An der Strasse von Hormuz entscheidet sich der KriegTeheran will mit den Angriffen auf Frachter durchsetzen, dass die Handelsschiffe eine Route entlang der iranischen Küste nehmen – unter iranischer Aufsicht und künftig wahrscheinlich unter Entrichtung einer Maut. Das wäre ein grosser Machtgewinn für das Regime, und darum wird es seine Karten ausreizen. Solange dieses Ringen um die Kontrolle der Strasse von Hormuz weitergeht, wird es keinen Frieden geben.Also wurstelt sich der globale Ölmarkt weiter durch: Je nach Kriegslage durchfahren mal mehr, mal weniger Tanker die Meerenge. Exporte via Pipelines aus der Golfregion haben stark zugenommen. Auch die USA führen mehr Öl und Ölprodukte aus als gewöhnlich, während die Chinesen weniger importieren. Die weltweiten Reserven werden weiter angezapft.Doch auch ein Schwelbrand ist ein Brand. In den Entwicklungsländern Asiens sind die Benzinpreise durch den Iran-Krieg um 30 Prozent gestiegen, in Lateinamerika um 15 Prozent. Fast die Hälfte des Defizits beim Angebot von Öl wurde gemäss dem Internationalen Währungsfonds (IWF) durch eine Reduktion des Verbrauchs wettgemacht – erzwungen durch höhere Preise.Die globale Energieversorgung bleibt instabil. Das Angebot an Benzin und Diesel sei weltweit angespannt, kommentierte am Freitag die Internationale Energieagentur (IEA). War zuerst der Fluss an Rohöl das Problem, sind es jetzt die eingeschränkten Raffineriekapazitäten – eine Kombination unter anderem aus den Schäden in der Golfregion und den Problemen des grossen Exporteurs Russland durch ukrainische Angriffe.Trump findet neue Ziele in den USAJe frustrierender der Iran-Krieg für Donald Trump wird, umso mehr dürfte sich der amerikanische Präsident vermeintlich einfachen Lösungen vor seiner Haustür zuwenden. Sein grosses Problem sind die anhaltend hohen Treibstoffpreise in den USA. Die Schuldigen sind ausgemacht: Trumps Regierung hat wiederholt die grossen amerikanischen Erdölproduzenten attackiert.Trumps Schuldzuweisungen dürften noch heftiger werden. Ende Juli präsentieren die Erdölriesen ihre Gewinne für April bis Juni, und die werden hoch ausfallen. Doch je mehr der amerikanische Präsident die Folgen des Iran-Kriegs mit Interventionen an der Heimatfront bekämpfen will, umso gleichgültiger könnte ihm der Rest der Welt werden – ungeachtet seiner Verantwortung.Das wäre fatal, denn es braucht das Gegenteil: Der Iran-Krieg wird sich nicht durch Stückwerk, sondern am besten durch ein umfassendes Friedensabkommen lösen lassen. Eine freie Durchfahrt durch die Strasse von Hormuz muss darin eingebunden sein, getragen und garantiert durch ein Netz gegenseitiger Verpflichtungen.Stattdessen haben die USA erlaubt, dass Teheran direkt mit Oman über das künftige Regime in der Meerenge verhandelt. So, als dürften Grossbritannien und Frankreich die Kontrolle über den Ärmelkanal aushandeln. In der internationalen Schifffahrt läuten die Alarmglocken. Vor dem Krieg galt die freie Durchfahrt als unantastbar.Es führt kein Weg daran vorbei: Nachdem die Büchse der Pandora geöffnet ist, lässt sie sich nur mit einer grossen Kraftanstrengung wieder schliessen. Je länger die Kriegsparteien das verzögern, umso höher wird die Rechnung.Passend zum Artikel