Die Schweizer glauben an die Ehe, wollen aber lieber gesund alt werdenTrotz Multikrise, Klimawandel, Inflation: Die Schweizerinnen und Schweizer bleiben ein zuversichtliches Volk. Der Optimismus zeigt aber Widersprüche.15.07.2026, 17.17 Uhr3 LeseminutenBesucher beim Eidgenössischen Jodlerfest 2026 in Basel.Urs Flüeler / KeystoneDie meisten Schweizerinnen und Schweizer blicken zuversichtlich in die Zukunft. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der Forschungsstelle Sotomo im Auftrag der Helvetia-Versicherung, für die rund 1900 Personen über 18 Jahre in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz befragt wurden. Insgesamt sehen 80 Prozent der Bevölkerung ihrem nächsten Lebensjahr positiv entgegen. Die wichtigsten Quellen für diesen Optimismus sind zwischenmenschliche Beziehungen wie Freundschaften, Partnerschaft und Familie.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Studie bestätigt ein bestens erforschtes psychologisches Phänomen: Lebensziele sind für das persönliche Glück zentral. Wer ein erstrebenswertes Ziel vor Augen hat, ist meist zuversichtlich, dieses zu erreichen. So haben denn auch 98 Prozent der Schweizer Bevölkerung mindestens ein erfülltes oder (noch) unerfülltes Lebensziel.Nur noch 21 Prozent sehen die Ehe als ZielZwischenmenschliche Beziehungen sind zwar die wichtigste Quelle für die persönliche Zuversicht. Wenn es um die individuellen Lebensziele geht, treten die sozialen Bedürfnisse aber in den Hintergrund. So ist das mit Abstand am meisten genannte Lebensziel gesund älter werden (77 Prozent). An zweiter Stelle folgen Reisen bzw. Weltreisen (51 Prozent).In der Minderheit sind jene, die sich eine Familie wünschen (48 Prozent), sowie jene, die auf die grosse Liebe hoffen (47 Prozent). Letztere liegen damit gleichauf mit jenen, die Fitness und Sportlichkeit zu ihren Lebenszielen zählen. Nur noch eine Minderheit von 21 Prozent sieht die Ehe als erstrebenswert. Auch sexuelle Erfüllung liegt mit 24 Prozent kaum höher im Kurs.Anders sieht es aus, wenn es um die Zuversicht geht, diese Ziele tatsächlich zu erreichen. 81 Prozent der Befragten, die sich eine Familie wünschen, glauben daran, das Ziel zu erreichen oder haben es bereits erreicht. Ähnlich hoch sind die Werte beim Thema Ehe (79 Prozent). Im Mittelfeld liegen Wohneigentum (61 Prozent) und die berufliche Erfüllung (60 Prozent). Deutlich geringer ist der Optimismus dagegen bei den Themen gesund altern (45 Prozent) und finanzieller Wohlstand (43 Prozent).Wenn es darum geht, die eigenen Lebensziele zu erreichen, ist das (fehlende) Geld für die meisten das grösste Hindernis (40 Prozent). Ebenso häufig genannt wurden nicht beeinflussbare Faktoren wie Schicksalsschläge. Bemerkenswerte 27 Prozent sehen die Rücksichtnahme auf andere als grösster Hemmschuh auf dem Weg zur Selbstverwirklichung. Und jeder Zehnte hat Angst vor dem Urteil anderer Personen.Männer bei Finanzen unter Druck, Frauen bei der FamilieLebensziele haben indes nicht nur positive Auswirkungen, sie erzeugen auch einen Erfolgsdruck. Bei Männern zeigt sich dieser Effekt vor allem beim Thema Finanzen und Eigentum: 54 Prozent der Befragten spüren hier einen Druck, die selbstgesetzten Ziele zu erreichen. Die Frauen kommen nur auf 46 Prozent. Wenn es um berufliche Ziele geht, setzen sich ebenfalls die Männer mit 52 Prozent stärker unter Druck als die Frauen (50 Prozent). Umgekehrt ist es dagegen bei den Themen Partnerschaft, Familie und Gesundheit. Dort sehen sich die Frauen mit 35 Prozent stärker belastet als die Männer (28 Prozent).Auch das Alter spielt für die persönliche Zuversicht eine Rolle. Während bei den 50- bis 64-Jährigen 81 Prozent optimistisch in die Zukunft blicken, sind es bei den über 65-Jährigen 86 Prozent. Am tiefsten ist der Wert mit 76 Prozent bei den unter 50-Jährigen.Ähnlich grosse Unterschiede zeigen sich auch zwischen den Sprachregionen. In der Deutschschweiz blicken 82 Prozent zuversichtlich in die Zukunft, in der französischen Schweiz sind es 73 Prozent.Weniger überraschend ist, dass Menschen mit tieferem Einkommen generell weniger optimistisch sind. Die Werte sind aber auch hier verhältnismässig moderat. So blicken immerhin 69 Prozent der Personen mit einem Äquivalenzeinkommen – also dem nach Haushaltstyp gewichteten Pro-Kopf-Einkommen – unter 4000 Franken positiv in die Zukunft. Bei jenen mit einem Äquivalenzeinkommen über 6000 Franken liegt der Wert mit 89 Prozent markant höher.
Die Schweizer glauben an die Ehe, wollen aber lieber gesund alt werden
Trotz Multikrise, Klimawandel, Inflation: Die Schweizerinnen und Schweizer bleiben ein zuversichtliches Volk. Der Optimismus zeigt aber Widersprüche.






