Mehrheit der Schweizer für eine starke Armee und Nato-Annäherung: Neue Studie zur Schweizer Sicherheitspolitik veröffentlichtEine ETH-Studie zeigt: Die Schweizer blicken pessimistisch in die Zukunft. Während das Volk grundsätzlich hinter der Armee steht, gehen die Meinungen beim Budget weit auseinander.26.05.2026, 16.14 Uhr3 LeseminutenEine Mehrheit der Befragten der ETH-Studie «Sicherheit 2026» sieht die Armee als notwendig an.Gian Ehrenzeller / KeystoneIst die Schweiz noch jene Insel der Glückseligen, als die sie sich selbst gerne sieht? Geht es nach dem Militärsoziologen Tibor Szvircsev Tresch, ist das Land geschrumpft – zur «Halbinsel». Der Hauptherausgeber der ETH-Studienreihe «Sicherheit» liest das aus den neuesten Daten heraus, die am Dienstag publiziert worden sind. Dafür befragten Forscher der Militärakademie und des Center for Security Studies im vergangenen Januar mehr als 2000 Stimmberechtigte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Seit elf Jahren wollen die Forscher jährlich unter anderem wissen, wie die Schweizer die weltpolitische Entwicklung in den nächsten fünf Jahren einschätzen. So düster wie heute fiel das Urteil noch nie aus. 2015 blickten noch 43 Prozent optimistisch in die Zukunft – heute sind es nur noch 12 Prozent. Selbst die Zuversicht für das eigene Land schwindet: Weniger als zwei Drittel sehen die Zukunft der Schweiz positiv, so wenige wie seit den neunziger Jahren nicht mehr.Zwar bezeichnen 82 Prozent ihr persönliches Sicherheitsgefühl weiterhin als hoch, «sehr sicher» fühlen sich allerdings nur noch 18 Prozent – so wenige waren es letztmals in den Jahren 1990/91.Knappe Hälfte würde selbst zur Waffe greifenDie Institution Armee wird in diesen unsicheren Zeiten als klar notwendig angesehen. Lag die Zustimmung zur Armee in den Jahren vor dem Ukraine-Konflikt zeitweise unter 80 Prozent, erreicht sie nun 83 Prozent. Für eine deutliche Mehrheit von 72 Prozent erfüllt das Militär zudem eine identitätsstiftende Funktion für den Zusammenhalt der mehrsprachigen Schweiz. Und die vaterländische Pflicht bleibt unbestritten: 75 Prozent sind gegen die Abschaffung der Wehrpflicht.Sollte die Schweiz angegriffen werden, befürworten fast 80 Prozent der befragten Stimmberechtigten eine Verteidigung mit Waffengewalt. Knapp die Hälfte würde dafür selbst zur Waffe greifen. Wer nicht schiesst, will anderswo anpacken: 85 Prozent signalisieren die Bereitschaft zu unbewaffneter Hilfe, sei es beim Transport von Verwundeten oder beim Bau von Drohnen. Nur ein Drittel fände es «sinnlos, zu kämpfen», wenn die Schweiz direkt angegriffen würde. Die Flucht ist für die wenigsten eine Option: Nur 15 Prozent würden das Land im Angriffsfall verlassen.Die Befragten sprechen sich zudem klar (64 Prozent) für eine starke Armee aus, um andere Staaten von einem Angriff abzuhalten.Doch die Einigkeit endet beim Portemonnaie. Sobald es um die Verteidigungsausgaben geht, teilt sich das Land gemäss der Studie in drei etwa gleich grosse Blöcke: Der erste findet, die Schweiz gebe zu viel für die Verteidigung aus, der zweite, sie gebe gerade genug aus, und der dritte, sie gebe zu wenig aus. Zwar klettert der Anteil jener, die mehr Geld für die Armee wollen, auf den Rekordwert von 29 Prozent. Doch die Gruppe bleibt eine Minderheit.Der Studienleiter Tibor Szvircsev Tresch sprach vor den Medien von einem «gordischen Knoten»: Ein ideologisches Wunschbild der Armee kollidiert mit der harten finanzpolitischen Realität. Das Dilemma ist nicht neu: Es spiegle die Pattsituation wider, die das Parlament seit mehr als vier Jahren in der Budgetfrage beschäftige. Zwar würden mehr Befragte erkennen, dass Sicherheit «ein gewisses Preisschild» habe. Ob sich dieses Bewusstsein allerdings in der breiten Bevölkerung durchsetzt, lässt Szvircsev Tresch offen. Denn das Sicherheitsgefühl sei bei über 80 Prozent der Befragten nach wie vor hoch.Höchstwert für ein europäisches VerteidigungsbündnisDie Studie zeigt zudem, dass die Berührungsängste gegenüber der Nato schwinden: Rekordhohe 56 Prozent der Befragten befürworten mittlerweile eine Annäherung an das Bündnis. Eine Mitgliedschaft ist aber nach wie vor für die meisten tabu. Entsprechend hoch bleibt die Zustimmung zur Schweizer Neutralität mit 85 Prozent. Dieser Wert lag vor dem Krieg in der Ukraine noch bei fast 100 Prozent.Trotz dem Ruf nach einer starken Armee zweifeln fast zwei Drittel der Befragten daran, dass die Neutralität heute noch militärisch glaubhaft geschützt werden kann. Zwar schreibt eine knappe Mehrheit der Neutralität weiterhin eine präventive Schutzwirkung gegen internationale Konflikte zu. Gleichwohl sind 43 Prozent der Befragten der Ansicht, dass ein europäisches Verteidigungsbündnis der Schweiz mehr Sicherheit böte als das Festhalten an der klassischen Neutralität.Die Hälfte der Befragten fordert zudem, dass die Schweiz bei politischen Konflikten im Ausland klar Stellung bezieht, will bei militärischen Auseinandersetzungen aber neutral bleiben. Lediglich ein Drittel spricht sich für eine Parteinahme bei bewaffneten Auseinandersetzungen aus.Passend zum Artikel
Mehrheit der Schweizer für starke Armee, doch die Budgetfrage spaltet weiterhin
Eine ETH-Studie zeigt: Die Schweizer blicken pessimistisch in die Zukunft. Während das Volk grundsätzlich hinter der Armee steht, gehen die Meinungen beim Budget weit auseinander.









