Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern bewertet das „Manifest“ des mutmaßlichen Gewalttäters von Schongau als antisemitisch. „Das Dokument gibt einen Einblick in eine verstörende Gedanken- und Gefühlswelt voller Gewalt- und Vernichtungsfantasien“, teilte die Leiterin der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern, Annette Seidel-Arpaci, am Mittwoch in München mit. Sie ergänzte: „Antisemitismus fungiert in dem Text als umfassende Welterklärung und gibt allen als negativ wahrgenommenen Ereignissen im Leben des Autors einen großen Rahmen.“Der Autor des Textes gehe von einer „verjudeten“ Gesellschaft aus, die von einer von Zionisten besetzten Regierung kontrolliert werde, hieß es weiter. „‚Die Juden‘ erscheinen als ungemein mächtige, im Hintergrund agierende Gruppe.“ In dem 19-seitigen Schriftstück fänden sich zahlreiche antisemitische Begriffe und Motive. Der englischsprachige Text nutze Schmähwörter und Slang wie „kikes“, „jewrope“, „jewsus“ (für Jesus) oder „jewrocuckland“. Politische Parteien würden als „von Juden finanziert“ abgelehnt. Der Urheber habe bei seiner Gewalttat „die Schafe schlachten“ wollen, die dabei hülfen, die genannten angeblichen Strukturen aufrechtzuerhalten – nämlich Lehrerinnen und Lehrer.Der Verfasser bezeichne sich als Person, die insbesondere die abrahamitischen Religionen hasse, so die Informationsstelle. Neben entsprechenden Formulierungen in Bezug auf das Judentum gebe es auch abwertende Äußerungen zu Christen und Muslimen. Darüber hinaus stünden in dem Dokument etwa Gewaltfantasien bezüglich Frauen, sexualisierte Foltervorstellungen und Verachtung gegenüber dem Landleben. Über den alles rahmenden Antisemitismus des Dokuments hinaus seien daher weitere Analysen vonnöten.An einem Gymnasium im oberbayerischen Schongau gab es vor einer Woche eine Gewalttat. Zwei 13 Jahre alte Mädchen wurden dabei durch Messerstiche schwer verletzt. Mutmaßlicher Täter ist ein 16-jähriger Schüler; er wurde festgenommen.
Judenfeindliche Hinweise nach Bluttat in Schongau
Nach der Bluttat in Schongau taucht ein Dokument des mutmaßlichen Täters auf. Eine Fachstelle sagt nun: Es strotzt vor Antisemitismus.










