Nach dem Amoklauf am Schongauer Welfen-Gymnasium ist online ein Manifest aufgetaucht, das womöglich der 16-jährige Täter verfasst hat. Es ist ein 19-seitiges PDF, in dem der Verfasser über Muslime, Schwule und vor allem auch Frauen herzieht. Diese bezeichnet er mal als „zurückgebliebene Tussis“, mal als „geldgierige Schlampen“. Es ist ein Dokument voller Hass und Gewaltfantasien.Der Spiegel, dem das Manifest vorliegt, hält das Schreiben für authentisch. Das liegt an mehreren, darin enthaltenen biografischen Details, die sich mit dem Lebenslauf des Schongauer Amokläufers decken. Die Ermittler prüfen dagegen noch, ob es tatsächlich vom mutmaßlichen Täter stammt. „Derzeit liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor, die für oder gegen eine Authentizität sprechen“, teilt die Staatsanwaltschaft München II mit. Vom Ergebnis der Prüfung hängt ab, ob die bei der Generalstaatsanwaltschaft München angesiedelte Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus die Ermittlungen an sich zieht.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Sollte das Schreiben tatsächlich vom Täter stammen, läge eine Nähe des Amokläufers zur „Attentäter-Fanszene“ nahe. Dieser Szene werden in Sicherheitskreisen Leute zugeordnet, die im Internet Gewalttaten glorifizieren und eigene Tötungsfantasien beschreiben – so, wie das auch in dem fraglichen Manifest passiert. Darin enthalten ist etwa auch ein Lobpreis auf den Attentäter von Christchurch, der 2019 in der neuseeländischen Stadt bei der Attacke auf zwei Moscheen 51 Menschen erschossen und noch einmal ungefähr so viele verletzt hat.Dem Spiegel zufolge spricht der Verfasser in dem Schreiben selbst auch von zwei geplanten Anschlägen auf Moscheen im Raum Schongau. Es klingt ein bisschen danach, als hätte sich da jemand Christchurch als Blaupause für eigene Gewalttaten vorgenommen. Das dürfte das Innenministerium besonders alarmieren. Das Phänomen „Attentäter-Fanszene“ ist dort nämlich als zunehmender Gefahrenherd bereits erkannt. So verständigte sich die Innenministerkonferenz erst vor wenigen Wochen darauf, künftig stärker gegen diese Szene vorzugehen.Womöglich sollte die Tat live im Internet gestreamt werdenBei dem Amoklauf an dem Gymnasium in Schongau waren am Mittwoch zwei 13-jährige Mädchen mit einem Messer schwer verletzt worden. Mitschüler rissen sich teils Hemden und T-Shirts vom Leib, um bis zum Eintreffen der Rettungskräfte die tiefen Schnittwunden der beiden Teenager zuzudrücken. „Das war ein Einsatz, bei dem man auch als langjährig erfahrene Einsatzkraft zunächst schlucken muss“, sagt Michael Limbrunner, der für das Bayerische Rote Kreuz den Einsatz koordiniert hat.Noch befänden sich die Ermittlungen „in einem sehr frühen Stadium“. Die Staatsanwaltschaft bestätigt aber, dass unter anderem auch untersucht werde, ob die Tat per Livestream im Internet übertragen werden sollte. Auf einem inzwischen gelöschten Tiktok-Account war ein solcher Stream kurz vor der Tat angekündigt worden. „Es gibt erste Hinweise darauf, dass diese Tat gestreamt werden sollte“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.Unklar ist dagegen weiterhin, ob die Waffe, die der Ex-Schüler des Gymnasiums ebenfalls bei sich trug, wie kolportiert tatsächlich aus einem 3D-Drucker stammt. Polizisten gegenüber soll der 16-Jährige lediglich gesagt haben, er habe die Pistole aus dem Darknet. Diese versagte nach nur einem abgegebenen Schuss. Sonst wäre am Schulzentrum in Schongau womöglich noch viel Schlimmeres passiert.