PfadnavigationHomePanoramaSchongau„Viel zu viel Hass im Herzen“ – Ermittler prüfen mögliches „Manifest“ des AttentätersVeröffentlicht am 10.07.2026Lesedauer: 3 MinutenNach einer Amoktat eines 16-Jährigen an einem Gymnasium in Oberbayern sind zwei schwer verletzte Mädchen mittlerweile außer Lebensgefahr. Der mutmaßliche Täter soll die beiden 13-Jährigen mit einem Messer angegriffen haben.Der mutmaßliche Attentäter von Schongau beschreibt sich im Netz als „hoffnungslosen 16-Jährigen“, beleidigt Minderheiten und huldigt Schulmördern. Ermittler prüfen ein 19-seitiges Dokument und einen möglichen Plan, die Tat zu streamen.Der mutmaßliche Amokläufer von Schongau hegte offenbar schon vor seinem Angriff vom Mittwoch auf Schüler des Welfen-Gymnasiums Anschlagspläne und Tötungsfantasien. Ein so bezeichnetes „Manifest“, im Internet veröffentlicht, lässt darauf schließen, dass der 16-Jährige einer Szene entstammte, deren Anhänger rechtsextreme Attentäter und Schulamokläufer verherrlichen. Das 19-seitige PDF liegt dem „Spiegel“ vor. Inhalt und digitale Spuren des Dokuments lassen vermuten, dass es von dem mutmaßlichen Amokläufer verfasst worden sein könnte. Der Autor des „Manifests“, mutmaßlich der Amokläufer, beschreibt sich in dem Text als „hoffnungslosen 16-Jährigen mit viel zu viel Hass im Herzen“. Er beleidigt Muslime, Schwule und Trans-Personen, lästert über Menschen mit Übergewicht und ergeht sich in Gewaltfantasien gegen Kinder. Zudem bekennt er sich zur frauenverachtenden sogenannten „Incel“-Szene. Der Verfasser des Texts verherrlicht zudem Anschläge und Amokläufe, etwa die Bluttat eines jungen Mannes, der im Dezember 2012 an der Sandy-Hook-Grundschule in Newport im US-Bundesstaat Connecticut 20 Kinder und sechs Erwachsene umgebracht hatte. Auch der Attentäter im neuseeländischen Christchurch, der 2019 zwei Moscheen gestürmt und mehr als 50 Menschen getötet hatte, wird in dem Dokument glorifiziert. Der Rechtsterrorist hatte seine Tat damals per Livestream im Internet übertragen.Lesen Sie auchInhalt und Duktus des „Manifests“ lassen darauf schließen, dass sich der Autor in einer Internet-Subkultur bewegte, die in Sicherheitskreisen als „Attentäter-Fanszene“ bezeichnet wird. Laut Bundesamt für Verfassungsschutz gehören dieser Szene teilweise minderjährige Personen mit einer ausgeprägten Gewaltbereitschaft an, die um rechtsextreme Attentäter einen regelrechten Kult betreiben.Ermittler prüfen nun das Schreiben, das von dem mutmaßlichen Täter stammen könnte. Zudem werde untersucht, ob die Tat per Livestream übertragen werden sollte. „Es gibt erste Hinweise darauf, dass diese Tat gestreamt werden sollte“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München II auf Anfrage. „Aber mehr können wir noch nicht sagen.“ Ermittler prüfen Herkunft und Echtheit„Das Dokument liegt uns vor“, sagte der Sprecher der Anklagebehörde. „Es ist Gegenstand der Ermittlungen. Wir prüfen es momentan auf seine Herkunft und seine Authentizität. Aber wir haben bisher noch keine Erkenntnisse in die eine oder andere Richtung, also ob es vom Täter stammt oder nicht.“ Man sei im engen Austausch mit der Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus bei der Generalstaatsanwaltschaft München. Geprüft werde, ob diese die Ermittlungen gegebenenfalls übernimmt.Lesen Sie auchEin 16 Jahre alter Ex-Schüler sitzt unter Tatverdacht in Untersuchungshaft. Ihm wird versuchter Mord in zwei Fällen vorgeworfen. Er soll am Mittwoch zwei 13-jährige Mädchen mit einem Messer auf dem Schulgelände schwer verletzt haben. Beide befinden sich weiter im Krankenhaus. Mitschüler leisteten Erste Hilfe – und retteten so wahrscheinlich einem der Mädchen das Leben. Der 16-Jährige war von Lehrkräften und Polizeibeamten überwältigt worden.Mitschüler bedroht und Amokläufe verherrlichtPolizei und Staatsanwaltschaft hatten mitgeteilt, dass gegen den 16-jährigen Kroaten wegen zweier Vorfälle aus dem Jahr 2025 ermittelt wurde, weil er unter anderem Mitschüler bedroht und in sozialen Netzwerken Amokläufe verherrlicht haben soll.Lesen Sie auchNach der Tat wurden das Messer, eine Pistole und Munition sichergestellt. Die Schusswaffe wurde nach dpa-Informationen bei einem Rucksack gefunden, den der 16-Jährige nach seiner Tat auf dem Schulhof im Umfeld des Tatorts deponiert habe. Er habe Polizeibeamte nach seiner Festnahme selbst darauf hingewiesen.Lesen Sie auchEr soll einen Schuss mit der Pistole abgegeben haben, die dann versagte. Den Informationen zufolge gab der 16-Jährige an, sich die Waffe im Darknet besorgt zu haben. Bei dem Messer soll es sich nicht um ein Haushaltsmesser handeln.doli mit dpa