Rund ein Jahr nach dem Wirbel um den Umgang mit NS-Raubkunst in Bayern stellt sich der Freistaat bei diesem Thema neu auf. Man werde am Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München ein wissenschaftliches Zentrum für Provenienzforschung und Restitutionsfragen NS-Raubgut einrichten, sagte Kunstminister Markus Blume (CSU) nach einer Kabinettssitzung. Hinzukomme eine unabhängige Kommission. Die letzte Entscheidung über eine Rückgabe an Opfer des groß angelegten Kunstraubs der Nationalsozialisten soll aber laut Blume beim Freistaat bleiben.Blume kündigte auch gleich eine Restitution an: Die Erben des jüdischen Kunsthändlers und Sammlers Alfred Flechtheim sollen die Bronze-Büste »Fernande/Beatrice« von Pablo Picasso zurückerhalten. Noch 2024 sei ein Restitutionsgesuch abgelehnt worden, sagte Blume. Nun gebe es aber die Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut, die seit 1. Dezember angerufen werden kann. Deren neuer Bewertungsrahmen habe die Rückgabe ermöglicht.»Es ist längst überfällige Gerechtigkeit für das jüdische Naziopfer Alfred Flechtheim«, sagte Markus Stötzel, Anwalt des Flechtheim-Nachlasses. Die Restitution des bereits 1933 enteigneten Werkes könne jedoch nur der Anfang sein. Viele weitere Kunstwerke Flechtheims befänden sich im Besitz der bayerischen Staatsgemäldesammlungen und anderer deutscher öffentlicher Museen, darunter zwei Gemälde von Paul Klee. Einige Ansprüche seien bereits 2008 angemeldet worden.
NS-Raubkunst: Bayern reagiert mit Forschungszentrum und Picasso-Rückgabe
In München soll ein Zentrum für Provenienzforschung entstehen. Damit reagiert der Freistaat auf den Skandal, der 2025 um Raubkunst in staatlichen Sammlungen entbrannt war. Zugleich wird eine Picasso-Büste restituiert.












