Mit steigenden Zinsen lässt Japan eine jahrzehntelange Deflation hinter sich. Die Finanzgruppe Mitsubishi UFJ profitiert – und überholt Kioxia und Toyota in der Marktkapitalisierung.Martin Kölling, Tokio14.07.2026, 05.29 Uhr3 LeseminutenIst jetzt der wertvollste Konzern Japans: die Finanzgruppe Mitsubishi UFJ.Toru Hanai / ReutersJapans grösste Finanzgruppe Mitsubishi UFJ (MUFG) hat neue Höhen erreicht: Mit einem Marktwert von 42 Billionen Yen (209 Milliarden Franken) hat die globale Finanzgruppe den Speicherchiphersteller Kioxia und den Autohersteller Toyota im Marktwertranking überholt. Damit führt erstmals seit 1986 wieder eine Bank das Ranking an.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Auch individuell steht die MUFG historisch da. Der Aktienkurs stieg am Montag gegen den Trend um 2,3 Prozent auf das neue Rekordhoch von 3541 Yen (17.70 Franken). Der Nikkei-225-Index fiel dagegen um 1,9 Prozent.Der Wechsel in der japanischen Marktwertliga stellt eine historische Wende in Japans Wirtschaftspolitik dar. Der japanische Finanzsektor, der seit dem Platzen der doppelten Spekulationsblase bei Aktien und Immobilien Ende 1989 unter historisch niedrigen Zinsen litt, profitiert nun von einer Rückkehr steigender Zinsen und höherer Inflation.Nach 25 Jahren Null- und Minuszinspolitik hatte die Bank of Japan (BoJ) 2024 die Zinswende eingeleitet. Sie hob den Leitzins an und schränkte die Käufe japanischer Staatsanleihen ein. Einerseits trieb der dadurch entstandene grössere Spielraum für den Anleihehandel die Zinsen kräftig nach oben, was Kredite für Japaner und japanische Unternehmen tendenziell verteuert.Andererseits investieren Unternehmen unter dem Druck der Anleger seither mehr in Wachstumsbereiche, wodurch die Zinserträge der Banken aus dem Kreditgeschäft steigen – und damit auch deren Gewinne und das Interesse der Aktionäre.Kreditgeschäft treibt die GewinneEin Blick in die Ende März abgeschlossene Bilanz des Geschäftsjahres 2025 verdeutlicht den Trend. Am Kreditportfolio der MUFG macht das heimische Geschäft noch 44 Prozent aus. Da wirkt es sehr positiv, dass das Kreditvolumen der Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren um über 20 Prozent stieg.Die Folge: Der Reingewinn der MUFG stieg innerhalb dieses Zeitraums um 114 Prozent auf 2,4 Billionen Yen, umgerechnet 11,0 Milliarden Franken. Allein im Bilanzjahr 2025 betrug der Anstieg fast ein Drittel. Für das laufende Bilanzjahr sagt die MUFG ein Gewinnwachstum von 11 Prozent auf 2,7 Billionen Yen voraus. Die Eigenkapitalrendite will die Finanzgruppe von 11,3 auf 12 Prozent erhöhen und die Dividende auf 96 Yen je Aktie – das ist dreimal so viel wie noch 2022.Und der Aktienkurs? Er versechsfachte sich in den vergangenen fünf Jahren nahezu. Weil die KI-Blase Luft ablässt und Toyota schwächelt, reichte das jetzt für den ersten Platz an der Börse: Kioxia hat seit seinem Rekordhoch am 22. Juni 40,5 Prozent an Wert verloren, allein 12,9 Prozent am Montag, Toyota in den vergangenen fünf Monaten fast 30 Prozent.Analysten sehen weiteres Potenzial für den BankensektorDer Bankenanalyst Ken Takamiya von der japanischen Investmentbank Nomura sieht noch Kurspotenzial. Vorige Woche erhöhte er sein Kursziel von 3100 auf 4000 Yen. Seine Begründung: «Wir heben die Werte unserer langfristigen Gewinnprognosen an, um der anhaltenden Verbesserung der Gewinnmargen Rechnung zu tragen.»Die MUFG steht nicht allein. Die Kursentwicklung der internationalen Finanzgruppen Mizuho und Sumitomo Mitsui sowie zahlreicher inländischer Finanzinstitute verläuft ähnlich. Der Anteil des Bankensektors an der Marktkapitalisierung des Topix-Indexes ist damit in den vergangenen zehn Jahren von 5 auf 12 Prozent gestiegen – rund die Hälfte des Niveaus aus der Zeit der Blasenwirtschaft.Rie Nishihara, Chef-Aktienstrategin von J. P. Morgan in Tokio, beschreibt den Wandel in einem Online-Kommentar der Zeitung «Nikkei»: «Seit dem Frühjahr 2023 war Energie in den Bankenbüros so spürbar, dass ich mich fragte, ob ich mich noch in derselben Bank befand.»Allerdings warnt sie: Ein Anstieg der langfristigen Zinsen und eine Abwertung des Yen könnten die wirtschaftliche Normalisierung bremsen, von der die Banken derzeit profitieren. «Die Aktienkurse der Banken werden wohl ein Spiegelbild der Marktbewertung sein.»Passend zum Artikel