„Das ist das Highlight meines Tages heute“, sagt Roman Deininger und schiebt scherzhaft hinterher, dass es bei der Süddeutschen Zeitung nicht so spannend sei. Seit Kurzem ist er stellvertretender Chefredakteur der SZ, angefangen hat aber auch er einmal deutlich kleiner: bei einer Schülerzeitung. Die Wahrheit hieß sie, und der Name sei natürlich Programm gewesen. Konferiert habe die Redaktion damals allerdings nur im Liegen. „Heute bei der SZ ist das anders“, sagt er.Dass Deininger an diesem Montag zu seinen journalistischen Anfängen zurückkehrt, hat einen besonderen Anlass: Die Süddeutsche Zeitung, das bayerische Kultusministerium und die Nemetschek Stiftung zeichnen erneut die besten Schülerzeitungen im Freistaat aus. Rund 170 Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte sind dafür ins Münchner Literaturhaus gekommen. Manche zum ersten Mal, andere als alte Hasen.Seit 21 Jahren gibt es den Blattmacher-Wettbewerb und einige Redaktionen gewinnen regelmäßig – trotz wechselnder Besetzung. Dazu zählen der Blog im Blauen Land aus Murnau und der Camerjäger aus Freising.Zugleich zeichnet es den Blattmacher aus, dass es trotzdem etliche Neue aufs Siegertreppchen schaffen; gekürt werden immer die besten Zeitungen jeder Schulform, dazu kommen schulartübergreifend die drei besten Online-Zeitungen. Bestes Beispiel in diesem Jahr für einen erfolgreichen Neueinsteiger: der Lesefuchs (Grundschule Inning am Holz). Gleich seine erste Ausgabe landete bei den Grundschulen auf Platz eins.Das „Lesefuchs“-Team der Grundschule Inning am Holz – das erste Mal dabei, gleich prämiert. Foto: Stephan Rumpf„Das Highlight meines Tages“: der SZ-Vize-Chefredakteur Roman Deininger, hier mit Moderatorin und SZ-Redakteurin Nina von Hardenberg. Foto: Johannes SimonSZ-Redakteurin Nina von Hardenberg und Ex-Landesschülersprecherin Marlena Thiel führen durch den Vormittag, musikalisch begleitet von Laura Glauber alias Lauraine. Die Münchnerin wurde ohne rechten Oberschenkel geboren. Auf der Bühne steht sie ganz selbstverständlich mit Prothese, ob solo, mit den Sportfreunden Stiller, als Moderatorin des „Sound of Munich Now“-Festivals oder, wie an diesem Montag, mit DJ Humbledore.124 Schulen aus ganz Bayern haben sich beworben. Und oft entschieden Details über die Platzierung: der stärkere Text, das klarere Layout, die bessere Themenmischung. Besonders streng urteilten die Schülerinnen und Schüler selbst. Vertreter von vier Vorjahressiegern sortierten sie Beiträge mit zu vielen Rechtschreibfehlern oder allzu offensichtlichen KI-Bildern aus. Mit ihnen bewerteten unter anderem Fachleute der SZ und der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit die Einsendungen.Laura Glauber alias Lauraine (rechts) sorgte für den musikalischen Rahmen, begleitet von DJ Humbledore. Foto: Johannes SimonGrundschulen: 1. Lesefuchs, Grundschule Inning am Holz; 2. Hand in Hand mit Pfote, Grundschule Mauern; 3. TiM: Mittendrin, Grundschule an der Türkenstraße München.Mittelschulen: 1. MS Voice, Mittelschule Geretsried; 2. Nachsitzer, Mittelschule Buchloe; 3. Baumblatt, Freie Waldorfschule Weilheim-Huglfing.Förderschulen: 1. Schoolmania, SFZ Hauzenberg; 2. Kunterbunte Schatztruhe, Hans-Bayerlein-Schule SFZ Passau; 3. Klassentratsch, Dr.-Kurt-Blaser-Schule Bayreuth.Gymnasien: 1. Blickkontakt, Von-Müller-Gymnasium Regensburg; 2. Camerjäger, Camerloher-Gymnasium Freising; 3. Konturen, Rhön-Gymnasium Bad Neustadt.Realschulen: 1. die Idee, Maria-Ward-Realschule Mindelheim; 2. &Punkt, Staatliche Realschule Schonungen; 3. Blitzlicht, Hans-Maier-Realschule Ichenhausen.Berufliche Schulen: 1. FOS BOS USH Schülerzeitung, FOS/BOS Unterschleißheim; 2. Wortwechsel, Berufliche Oberschule Erding; 3. Mein Holz, Fachoberschule Holzkirchen.Online: 1. Blog im Blauen Land, Realschule im Blauen Land Murnau; 2. Spickzettel, Joseph-Bernhart-Gymnasium Türkheim; 3. Frame, Apian-Gymnasium Ingolstadt.Claudia Gaull, Landesbeauftragte für den Schülerzeitungs-Wettbewerb in Bayern, kennt den Aufwand hinter dem Wettbewerb gut. „Vom Kistenschleppen bis zu den Jurysitzungen ist alles mit dabei“, sagt sie. Bayern sei im nationalen Vergleich dabei vergleichsweise gut aufgestellt: „Bei uns läuft der Wettbewerb ziemlich gut, da ist nicht jedes Bundesland so weit.“Alle 21 Sieger-Redaktionen eint, dass sie ganz unterschiedliche Ausgaben kreiert haben. Die von &Punkt (Staatliche Realschule Schonungen) beispielsweise beleuchtet das Thema Familie aus unterschiedlichen Perspektiven. Der Klassentratsch (Dr.-Kurt-Blaser-Schule Bayreuth) überzeugte mit klarer Heftstruktur und lesefreundlichen Themenseiten. Und am Baumblatt (Freie Waldorfschule Weilheim-Huglfing) gefiel der Jury besonders der Humor, „der an vielen Stellen entgegenlacht“, etwa in Form eines „witzig geschriebenes Horoskops“.Der „Blog im Blauen Land“ von der Realschule Murnau gewinnt in der Online-Kategorie. Foto: Johannes SimonDie Schülerzeitung der FOS/BOS Unterschleißheim belegt bei den beruflichen Schulen Platz eins. Foto: Stephan RumpfWie unterschiedlich nicht nur die Ausgaben, sondern auch die Schulen selbst sind, zeigt sich bei den beruflichen Schulen: Dort gewinnt die Schülerzeitung der FOS/BOS Unterschleißheim. „Bei uns auf der Schule werden mehr als 52 Sprachen gesprochen“, berichtet die Redaktion auf der Bühne. Das habe sie in einer Umfrage erhoben.Für Silke Zimmermann von der Nemetschek Stiftung liegt darin eine politische Bedeutung. „Schülerzeitungen sind ein basisdemokratisches Element“, sagt sie. Gerade junge Menschen müsse man frühzeitig an das heranführen, was Demokratie ausmache: „nämlich diskutieren und streiten“.Auch der politische Betrieb ist hochrangig vertreten: Christine Modesto, die Kultusministerin Anna Stolz vertritt, betont die gesellschaftliche Rolle der jungen Redaktionen. „Schülerzeitungen dienen als Sprachrohr“, sagt sie. Dabei lernten Schülerinnen und Schüler nicht nur, eine eigene Haltung zu entwickeln, sondern auch, „wie man seine Meinung formulieren kann, ohne andere zu verletzen“. Im Publikum sitzen außerdem die Landtagsabgeordneten Peter Tomaschko von der CSU und Katja Weitzel von der SPD.Wie prägend eine Schülerzeitung sein kann, erzählt auch Ulrike Heidenreich, Leiterin des SZ-Ressorts München, Region und Bayern. Ihre frühere Schülerzeitung habe eine Auflage von 1200 Exemplaren erreicht. „Ich weiß auch gar nicht, wie wir das gemacht haben“, sagt sie. „An der Schule waren nicht einmal 1000 Schüler, aber da war wohl irgendwie ein Informationsbedürfnis.“1200 verkaufte Exemplare, und das bei nur 1000 Schülern: Auch Ulrike Heidenreich, Leiterin des SZ-Ressorts München, Region und Bayern, hat mal bei einer Schülerzeitung angefangen. Foto: Johannes SimonEin Grund für die hohe Auflage dürfte gewesen sein, dass die Redaktion offenbar schon ziemlich gut verstanden hatte, was kritischen Journalismus auszeichnet. Als sie herausfand, dass die Schülerbibliothek seit der Zeit des Nationalsozialismus offenbar nicht mehr konsequent aussortiert worden war, schrieb sie darüber einen Artikel. Der Direktor wollte die Veröffentlichung verhindern. Die Redaktion reagierte auf ihre Weise: „Wir haben dann die entsprechenden Seiten geschwärzt und trotzdem veröffentlicht.“Auf die ausgezeichneten Redaktionen warten nun Workshops, Blattkritiken und Preisgelder. Die Nemetschek Stiftung unterstützt die Drittplatzierten mit jeweils 200 Euro, die Zweitplatzierten mit 300 Euro und die Erstplatzierten mit 500 Euro. Letztere müssen allerdings im Gegenzug in der nächsten Blattmacher-Runde aussetzen: Das soll Zustände wie in der Fußballbundesliga verhindern, wo jedes Jahr dieselben auf dem Podest ganz oben stehen.