Was macht die Süddeutsche aus? Darauf gibt es Dutzende, nein: Hunderte Antworten, je nachdem wen man fragt. Die einen halten diese Zeitung für immer noch links, die anderen dagegen längst für rechts. Für die einen ist sie unterhaltsam und gebildet, für die anderen erwartbar und Clickbaiting. Wer aber die SZ gut kennt, wer sie liest, weil er gerne liest, wer feine Ironie mag und Comedian-Klamauk verabscheut, wer gar eine längere Beziehung – schreckliches Wort – zur Süddeutschen aufgebaut hat, der (oder die) weiß eines ganz bestimmt: Hermann Unterstöger ist die SZ. Er ist die SZ, wie Franz Beckenbauer mal der FC Bayern war oder die Schwarze Madonna Altötting ist.
An diesem Freitag, morgens um halb acht, ist Hermann Unterstöger in Altötting, seinem Heimatort, gestorben. In ein paar Tagen wäre er 82 geworden. Die SZ gibt es zwar noch. Aber sie ist nicht mehr das, was sie vor diesem Freitag war.
Unterstöger hätte so einen Satz als „weit übertrieben“ abgelehnt. Er hätte vielleicht sein Unterstöger-Lächeln gelächelt und dann eine Anekdote erzählt, wie ein ihm Bekannter aus Brandhub oder Wagenhofen mal vor lauter Eitelkeit fast am Schweinsbraten erstickt wäre. Und dann hätte er vielleicht ein Streiflicht über zu große Worte mit vielen kleinen Wörtern geschrieben, die sich zu einem großartigen, wenn auch nur 71 Druckzeilen zählenden Text gefügt hätten. Einem dieser sehr vielen, sehr brillanten, alltäglichen, einzigartigen Streiflichter von Hermann Unterstöger. Man möchte weinen, heulen an diesem Tag, an dem er starb.






