Düsseldorf, Berlin. Die Absatzkrise der deutschen Autoindustrie verschärft sich, wie eine Datenanalyse des Handelsblatts zeigt. Demnach haben die drei Konzerne BMW, Mercedes‑Benz und Volkswagen im ersten Halbjahr 2026 zusammen nur noch 6,3 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert. Das sind rund sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zuletzt hatten die drei großen Autohersteller im Jahr 2022 weniger Autos verkauft. Die Datenanalyse zeigt die Gründe auf.Wie die Analyse zeigt, ist der europäische Heimatmarkt der einzige, in dem alle deutschen Autokonzerne noch zulegen. In den USA verläuft das Geschäft durchwachsen, in China brechen die Absätze hingegen massiv ein. Branchenkenner sprechen von einer deutlichen Belastung der anstehenden Halbjahresergebnisse.China-Geschäft fällt auf neues TiefDer chinesische Automarkt war lange der wichtigste Gewinntreiber der deutschen Autoindustrie. Inzwischen ist die Volksrepublik jedoch zum mit Abstand größten Problemfeld im operativen Geschäft von BMW, Mercedes und Volkswagen geworden.In den ersten sechs Monaten sind die Absatzzahlen der Autokonzerne in China um mehr als 25 Prozent auf gut 1,4 Millionen ausgelieferte Fahrzeuge eingebrochen – der niedrigste Stand seit 2017, weiter reichen die Daten nicht zurück. BMW verzeichnete in der Volksrepublik ein Minus von rund einem Fünftel, Volkswagen und Mercedes sogar Rückgänge von etwa 26 beziehungsweise 28 Prozent.Schon seit Jahren belasten die Entwicklungen in der Volksrepublik Auslieferungen und Gewinne der deutschen Hersteller: Chinesische Kunden greifen im E‑Auto-Segment kaum zu deutschen Modellen. Im Markt für Stromer herrscht in China nach wie vor ein ruinöser Preiskampf. „Ich glaube nicht, dass auch nur eine Handvoll chinesischer Hersteller dort profitabel arbeitet“, sagt UBS-Autoanalyst Patrick Hummel.Nun droht den Konzernen ein doppeltes China-Problem: Denn seit Anfang des Jahres gerät auch der Markt für Verbrenner unter Druck. Die stark gestiegenen Kraftstoffpreise infolge des Irankriegs haben das Segment einbrechen lassen. Bereits im Frühjahr wurden in China erstmals mehr Elektroautos als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor neu zugelassen.Für die deutschen Hersteller wiegt das besonders schwer: In der Volksrepublik erwirtschaften sie nach wie vor einen Großteil ihrer Gewinne mit Benzin- und Dieselmodellen. Volkswagen gilt in diesem Segment weiterhin als Marktführer.Wie stark die jüngsten Entwicklungen die Bilanzen der deutschen Schlüsselindustrie belasten, zeigte zuletzt BMW. Mitte Juni mussten die Münchener ihre Prognose für das Geschäftsjahr 2026 – unter anderem wegen des schwachen Chinageschäfts – deutlich senken. Im Kerngeschäft mit Autos rechnet BMW nur noch mit einer Gewinnmarge von ein bis drei Prozent.Autobauer Vom Gewinntreiber zur Belastung: So groß ist das China-Problem für BMW Eine Entspannung ist nach Einschätzung von Hummel nicht in Sicht. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Nachfrage in China weiter schwach bleibt“, sagte er. Sollte der chinesische Markt wieder wachsen, würde die gesamte Branche aufatmen.Europa ist ein Lichtblick – nochIn Europa stellt sich die Lage für die deutsche Autoindustrie deutlich besser dar. Der Kontinent ist für BMW, Mercedes und Volkswagen weiterhin ein Wachstumsmarkt. Nach den vom Handelsblatt ausgewerteten Daten stieg der Absatz der drei Konzerne im ersten Halbjahr auf insgesamt knapp 2,7 Millionen Fahrzeuge. Allerdings fassen die Hersteller die Region unterschiedlich:Mercedes zählt zur Region Europa die EU, das Vereinigte Königreich, die Schweiz und Norwegen.Volkswagen unterscheidet zwischen West- und Osteuropa.BMW klammert Osteuropa für die Vertriebsregion Europa ebenfalls aus.Trotzdem drohen den Herstellern auch im europäischen Heimatmarkt Marktanteilsverluste. Denn auch die chinesischen Autobauer leiden unter der Absatzkrise in der Volksrepublik und exportieren ihre Modelle inzwischen in großem Stil nach Europa.
BMW, Mercedes, VW: Das doppelte China-Problem der deutschen Autoindustrie
In China verkaufen die Deutschen kaum E-Modelle, nun gerät auch noch ihr Verbrennergeschäft unter Druck. Datenanalysen des Handelsblatts zeigen, wie das die Halbjahresergebnisse beeinflusst.














