Nicht neutrale Staaten machen der Schweiz bei der Vermittlung KonkurrenzDie Befürworter der Neutralitätsinitiative argumentieren auch mit den Guten Diensten der Schweiz. Gemäss einem neuen Papier des Bundes sind diese möglich, ohne neutral zu sein.13.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDie Neutralität ist für Gute Dienste ein Vorteil, aber keine Voraussetzung.Urs Flüeler / KeystoneDie Guten Dienste der Schweiz werden im öffentlichen Bewusstsein oft eng mit der Neutralität verknüpft. Dabei vermittelten gerade in letzter Zeit vermehrt Staaten zwischen Konfliktparteien, die nicht neutral sind. Bei den Gesprächen zwischen den USA und Iran etwa fungieren Pakistan und Katar als Mediatoren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Für die Befürworter der Neutralitätsinitiative steht jedoch fest: Die Schweiz kann ihre Rolle als Vermittlerin nur bewahren, wenn sie konsequent neutral bleibt. Die Stimmberechtigten entscheiden Ende September über das Volksbegehren, das von einem SVP-nahen Komitee lanciert wurde.Das Aussendepartement (EDA) hat nun auf seiner Website ein Faktenblatt zur Neutralität und den Guten Diensten aufgeschaltet. Letztgenannte umfassen ein breites Instrumentarium, von Schutzmachtmandaten, welche die Schweiz für Staaten mit abgebrochenen diplomatischen Beziehungen wahrnimmt, über die Rolle als Gastgeberin bis hin zur eigentlichen Vermittlung.Nur ein Element unter mehrerenDie Neutralität trage zwar dazu bei, dass die Schweiz ihre Guten Dienste erbringen könne, schreibt das EDA. Sie sei jedoch keine unerlässliche Voraussetzung dafür. Verschiedene Staaten böten solche Dienste an, ohne im völkerrechtlichen Sinne neutral zu sein. Die Schweizer Neutralität sei dennoch ein Element, das zum Vertrauen und zur Glaubwürdigkeit des Landes beitragen könne. Die Autoren des Faktenblatts zählen dazu auch das politische System der Schweiz, das auf Ausgleich, Kompromiss und kultureller Vielfalt beruht. Zudem erweise es sich als vorteilhaft, dass die Schweiz keine Machtpolitik betreibe und als neutraler Friedensakteur anerkannt sei.Auch die Befürworter der Neutralitätsinitiative räumen in ihrem ausführlichen Argumentarium ein, dass die Guten Dienste keineswegs ein Privileg der Neutralen seien. Unparteiische, neutrale Staaten mit entsprechender Erfahrung genössen aber erfahrungsgemäss besonders viel Vertrauen. Zudem wollten sie auch als verlässliche Partner wahrgenommen werden, wenn sie sich aus weltweiten Konflikten heraushielten. Das Engagement der Schweiz entkräfte somit den Vorwurf des nationalen Egoismus.Schweiz weniger glaubwürdigDie Schweizer Neutralität erleichtere Gute Dienste, sagt der frühere SVP-Nationalrat Walter Wobmann, der Präsident des Komitees der Neutralitätsinitiative. Die Vermittlerrolle der Schweiz werde geschwächt, weil diese nicht mehr neutral sei.Im Juni führten die USA und Iran auf dem Bürgenstock nun aber erste Gespräche, um den Krieg und den Atomstreit zu beenden. Die Schweiz fungierte dabei als Gastgeberin – im Auftrag der Mediatoren Pakistan und Katar sowie der beiden Konfliktparteien. Über die reine Gastgeberrolle hinaus ging der Umstand, dass Vertreter des EDA sicherstellten, dass der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf und Aussenminister Abbas Araghchi sowie der amerikanische Vizepräsident J. D. Vance tatsächlich ins Flugzeug stiegen und nicht wieder abflogen, bevor die Gegenseite den Bürgenstock verlassen hatte.Wobmann sagt, die Situation sei speziell, weil die Schweiz für die USA in Iran ein Schutzmachtmandat habe. «Wir sind der richtige Staat für Verhandlungen.» Es sei jedoch schwieriger geworden, derartige Gespräche zu organisieren, da die Schweiz wegen der verwässerten Neutralität weniger glaubwürdig sei. Die Initianten stören sich daran, dass Bern die Sanktionen der EU gegen Russland übernommen hat.Historisch betrachtet spielte die Neutralität eine grössere Rolle. Während des Zweiten Weltkriegs betreute die Schweiz am meisten Schutzmachtmandate. Diese seien dem Land wegen seiner langen und glaubwürdigen Neutralitätspolitik anvertraut worden, schreibt der frühere Diplomat Paul Widmer in seinem Handbuch zur Diplomatie. Die Neutralität sei auch wichtig gewesen, als die Schweiz zum ersten Mal Gastgeberin einer internationalen Konferenz gewesen sei, in Baden im Jahr 1714. Inzwischen habe die Neutralität bei der Wahl eines Konferenzorts an Bedeutung verloren.Dennoch sollte der Wert der Neutralität gemäss Widmer nicht unterschätzt werden. Sie spiele nach wie vor eine gewisse Rolle, insbesondere für aussereuropäische Staaten. Die Schweiz habe sich ihren Ruf durch eine glaubwürdige Politik über Jahrzehnte hinweg erarbeitet.Passend zum Artikel