Der Influencer, der ewig leben wollte, macht seine Autoimmunerkrankung bekanntBryan Johnson, Apostel der Langlebigkeit, der mit Videos und einem Online-Shop publikumswirksam dem Tod zu entkommen sucht, leidet an einer chronischen Krankheit. Fürs Geschäft ist das aber gar nicht so schlecht.12.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenPD; Bearbeitung NZZaSBryan Johnsons Lebensziel ist simpel: «Don’t die.» Nicht sterben. Eigentlich müsste das ganz oben auf der To-do-Liste jedes Menschen stehen, denn – halten Sie sich fest – wer stirbt, ist tot. Und der Rest der To-do-Liste somit überflüssig. Doch die meisten von uns nehmen die Sache mit dem Nicht-Sterben ziemlich locker. Wir rauchen, trinken und gehen erst um vier Uhr morgens schlafen. Nicht so Bryan Johnson: Für ihn ist Nicht-Sterben nicht ein Lebensziel unter vielen, es ist das einzige.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zumindest ist das die Geschichte, die er gebetsmühlenartig in seinen Videos erzählt. Bryan Johnson ist nämlich der bekannteste Longevity-Influencer der Welt, über vier Millionen Menschen verfolgen ihn auf Social Media. Sie schauen ihm dabei zu, wie er mit aller Macht versucht, sich den Sensenmann vom Leib zu halten.Er tut das, indem er sich an ein striktes Regime hält: jeden Tag Sport (ein perfektes Equilibrium aus Muskelaufbau, Cardio, Beweglichkeit und Balance), genauestens berechnete Kalorienzufuhr (130 Gramm Protein, 206 Gramm Kohlenhydrate, 101 Gramm Fett, 2250 Kalorien insgesamt) sowie hampfelweise Nahrungsergänzungsmittel. Um Punkt 20 Uhr 30 liegt er im Bett, bei tiefer Raumtemperatur von 18 Grad, um morgens um 5 Uhr wieder in den Kampf gegen das Altern zu ziehen. Alles, um irgendwann der älteste und gleichzeitig gesündeste Mensch der Welt zu sein.Nun hat sein Plan jedoch einen Dämpfer bekommen: Der Mann, der ewig leben will, ist unheilbar krank. «Mein Magen frisst sich selbst auf», schrieb Johnson auf Instagram. Er leidet an einer chronischen Autoimmungastritis, bei der das Immunsystem die eigene Magenschleimhaut angreift. Die Diagnose sei im Mai gestellt worden, schrieb er. Zuvor hatte sein Team jahrelang mit anhaltend niedrigen, unerklärlichen Ferritinwerten gekämpft. Ferritin ist ein Protein, das Eisen in den Zellen speichert.Ausgerechnet Johnson passiert das. Dem Mann, der nach eigenen Angaben zwei Millionen Dollar pro Jahr dafür ausgibt, seine Blutfettwerte oder seine Harnflussrate zu protokollieren, um so «der meistvermessene Mensch der Welt» zu werden. Bryan Johnson, 48 Jahre alt, hat gemäss eigenen Angaben die Zahnfleischentzündung eines 17-Jährigen, die Gesichtsfalten eines 10-Jährigen und, pro Nacht, für rund dreieinhalb Stunden eine Erektion, fast so lange wie ein 18-Jähriger. Dass er vermutlich seit Jahren an Autoimmungastritis leidet, ist jedoch niemandem aufgefallen.Laut Johnson stammt seine Krankheit aus seinem früheren Leben. 2007 gründete er das Zahlungsabwicklungsunternehmen Braintree, das Ebay 2013 für 800 Millionen Dollar übernahm. Damals sei er übergewichtig gewesen, habe ständig Chips und Glace gefuttert und sei stets gestresst gewesen. «Irgendwann in dieser Zeit begann mein Körper, eine Autoimmunkrankheit zu entwickeln», schreibt er. Ob das stimmt, ist fraglich. Bei den meisten Autoimmunerkrankungen kennt man die Ursachen nicht.Johnson selbst ist sich jedoch sicher. Anders kann er auch kaum, denn so ernst seine Krankheit ist: Sie passt ausgezeichnet in sein Marketingkonzept. Die «New York Times» schrieb einst, Bryan Johnson verfüge über eine «fast trumpsche Fähigkeit», immer wieder Schlagzeilen zu erzeugen. Sei es mit Geschichten darüber, wie er sich Blut von seinem Sohn abzwackt und es sich dann selbst spritzt, oder mit Fotos, auf denen er nackt zu sehen ist, sein Gemächt nur von einer Kugelhantel verdeckt. Damit wurde er zur Ikone. Und damit macht er inzwischen auch gutes Geld: Seit zwei Jahren betreibt Johnson einen Online-Shop, in dem er Nahrungsergänzungsmittel, Olivenöl und vorproduzierte Gerichte verkauft.Auch seine Erkrankung sorgt nun wieder weltweit für Schlagzeilen. Und Johnson weiss das zu nutzen: Gemeinsam mit seinem Team will er versuchen, die Krankheit zu besiegen. «Nach heutigem medizinischem Standard kann Autoimmungastritis nur in Schach gehalten werden, aber nicht geheilt. Das wollen wir ändern», schreibt Johnson auf Instagram.Seine Krankheit garantiert Johnson also Content für viele weitere Jahre. Seine Follower werden ihm beim Kampf zuschauen. Und, wer weiss, vielleicht schaffen Johnson und seine Armada an Ärzten ja das Unglaubliche. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Bryan Johnson: Der Mann, der ewig leben wollte, kämpft nun gegen eine unheilbare Krankheit
Bryan Johnson, Apostel der Langlebigkeit, der mit Videos und einem Online-Shop publikumswirksam dem Tod zu entkommen sucht, leidet an einer chronischen Krankheit. Fürs Geschäft ist das aber gar nicht so schlecht.











