Wer Bryan Johnson, geboren in Utah, auf Fotos sieht, schwankt zwischen Neugier und VerwirrungQuelle: Magdalena WosinskaTech-Millionär Bryan Johnson wollte das Altern aufhalten, am besten sogar ganz besiegen. Dafür hatte er sich ein eisenhartes Regime auferlegt. Nun die Diagnose: Der Anti-Aging-Athlet aus Kalifornien leidet an einer unheilbaren Krankheit.Er war besessen vom Traum ewiger Jugend. Bryan Johnson, der Ewig-leben-Wollende, hat Millionen ausgegeben, um dem Altern ein Schnippchen zu schlagen. Seit fünf Jahren präsentiert der Tech-Unternehmer aus Kalifornien seinen Körper als wissenschaftliches Großprojekt. Netflix drehte eine Doku über ihn („Don’t Die – Der Mann, der unsterblich sein will“), Millionen Menschen folgen ihm in den sozialen Medien. „Für immer 18 Jahre alt“ – das war sein erklärtes Ziel.Lesen Sie auchJohnson (1,83 Meter groß und 73,4 Kilo leicht) hatte beschlossen, nicht mehr zu altern, sondern – im Gegenteil – nur noch jünger zu werden. Dazu hatte er ein millionendollarteures, algorithmusgesteuertes, datenbasiertes Programm namens Blueprint entwickelt, das sämtliche Prozesse seines Körpers misst und analysiert. In seinem Haus in Los Angeles, seinem Tempel der Verjüngungskraft mit einer Speisekammer voller Pulver und Pillen, Nahrungsergänzungsmitteln, ließ er sich eine private Praxis einrichten. Dazu verordnete er sich eine höllische Tagesroutine: 5 Uhr früh aufstehen, 11 Uhr Abendbrot – am Vormittag, als letzte Mahlzeit des Tages – Brokkoli, Linsen, Pilze; püriert, um Zeit zu sparen. Danach wird gefastet, ab 20 Uhr geschlafen – „allein, stockdunkel, flach, hauchdünnes Kissen, Sex wird terminiert“, wie er in einem Interview vor drei Jahren WELT AM SONNTAG erzählte. Laut Pass ist Johnson 48, Baujahr 77; sein biologisches Alter will er um bereits fast sechs Jahre gedrückt haben.Mein Magen frisst sich selbst aufEr unterzog sich Gen-, Hormon-, Gefäß- und Lichttherapien, trainierte täglich eine Stunde an 30 Kraftgeräten – sonntags, Weihnachten, immer –, ließ sich das Blutplasma seines Teenager-Sohnes spritzen. Dazu schluckt er täglich eine ganze Batterie Supplements. Und nun die bittere Pille: Johnson leidet an einer seltenen Krankheit. Der Anti-Aging-Athlet musste sich einer ernsten Diagnose seiner Ärzte stellen: Autoimmungastritis. „Mein Magen frisst sich selbst auf“, schrieb Johnson auf der Plattform X. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung, bei der das Immunsystem die Magenschleimhaut angreift. Die Folge: Der Körper kann lebenswichtige Nährstoffe schlechter aufnehmen; auch das Risiko für Magenkrebs steigt.Schon als Jugendlicher habe er unter niedrigen Eisenwerten gelitten, erklärt Johnson auf Instagram. Rückblickend könnte das ein frühes Warnsignal gewesen sein. Ein dauerhaft niedriger Ferritinwert, der auf leere Eisenspeicher hindeuten kann, sei zwar registriert, aber nie konsequent untersucht oder behandelt worden.Lesen Sie auchGastritis ist in Deutschland weit verbreitet. Schätzungsweise jeder Fünfte erleidet im Laufe seines Lebens eine akute Magenschleimhautentzündung; meist klingt sie nach wenigen Tagen wieder ab. Eine chronische Gastritis dagegen bleibt oft lange unbemerkt. Gerade darin liegt die Gefahr: Mit der Zeit kann die schwelende Entzündung die Magenschleimhaut verändern und Magengeschwüre begünstigen.Lesen Sie auchJohnsons Diagnose gehört zur seltensten Form der chronischen Gastritis. Bei Typ A, der Autoimmungastritis, greift das Immunsystem die sogenannten Parietalzellen im Magen an; sie sind unter anderem für die Produktion von Magensäure zuständig.Nach heutigem Stand gilt die Krankheit als nicht heilbar. Johnson aber will sich damit nicht abfinden. Er sieht die Diagnose nicht als Rückschlag, sondern als nächste Mission. „Ich werde alle Versuche unternehmen, das Problem zu lösen“, erklärte er. Der Befund habe ihm gezeigt, welche Chancen früher ungenutzt geblieben seien: „Was mir bis vor Kurzem nicht völlig bewusst war: wie viele Möglichkeiten meine früheren Ärzte ungenutzt gelassen hatten. Der niedrige Eisenspeicherwert wurde stets heruntergespielt, aber nie behoben.“Der Mensch ohne den Menschen müsste nicht sterben„Herz eines 37-Jährigen, Lungenkapazität eines 18-Jährigen, praktisch keine Entzündungen im Körper“ – seine Alterungswerte seien laut Medizinprotokoll so schön, dass man sie auf ein T-Shirt drucken könnte, hatte Johnson immer wieder stolz betont. Ein Gerät, das seine nächtlichen Erektionen aufzeichnet, bescheinige ihm zudem die Manneskraft eines Teenagers. Nun also: Autoimmungastritis. Johnson vermutet, dass seine ungesunde Vergangenheit die chronische Gastritis begünstigt haben könnte: „Als Kind habe ich gezuckerte Cornflakes gegessen, Limonade getrunken und Fast Food verschlungen“, schreibt er auf X.Bereits in einem früheren Interview mit WELT AM SONNTAG hatte der Anti-Aging-Guru gewarnt, die Menschen machten sich nicht oder zu spät klar, wie ungesund sie lebten. In der ersten Lebenshälfte, sagte er, demolierten wir uns selbst: „Wir essen zu viel oder falsch, konsumieren übermäßig Alkohol und andere Substanzen, schlafen zu wenig, kleben an Bildschirmen, schuften, wissend, dass es uns schadet.“ Dazu komme eine Industrie, die den Menschen unablässig Zuckerschlamm einflöße. „Aber wir reden uns ein: Was soll’s. Einmal ist keinmal, dieser Sargnagel wird schon nichts ausmachen. Und in der zweiten Hälfte wird repariert. Der Mensch ohne den Menschen müsste nicht sterben!“Die Lebenserwartung muss nicht eingeschränkt seinAls junger Vater und Firmengründer habe er seinen Lebensstil vernachlässigt, 18 Kilogramm zugenommen und sei in eine schwere Depression gerutscht. „Irgendwann in dieser Zeit begann mein Körper, einen autoimmunen Prozess zu entwickeln, der erst meine Schilddrüse und dann meine Magenschleimhaut angriff.“ Für Johnson hängt das alles zusammen. Seine Lesart, vereinfacht: Die Autoimmun-Gastritis erschwerte die Eisenaufnahme, der Eisenmangel bremste die Schilddrüse, die gedrosselte Schilddrüsenfunktion wiederum verschlechterte die Eisenverwertung – ein Teufelskreis.Der Tech-Millionär will nun die Behandlung revolutionieren. Bei früher Diagnose und konsequenter Therapie lässt sich Autoimmungastritis kontrollieren; die Lebenserwartung muss nicht eingeschränkt sein. Doch Johnson will sich damit nicht begnügen. Er will alles testen, seine Daten offenlegen – in der Hoffnung, dass aus seinem Selbstversuch eines Tages ein Ansatz für viele wird. „Im Zeitalter von KI und maßgeschneiderter DNA sollte kein Zustand als unheilbar gelten, nur weil noch niemand versucht hat, ihn mit den heutigen Mitteln zu heilen“, erklärte er.