Als die Menschenmenge „Marine Präsidentin“ skandiert, blickt Jordan Bardella ins Leere. Beim ersten Wahlkampftermin Marine Le Pens fällt es dem Parteichef des Rassemblement National (RN) offensichtlich schwer, seine Enttäuschung zu verbergen. Sein Präsidenten-Traum ist geplatzt – vorerst. Dabei hatte sich der 30-Jährige intensiv darauf vorbereitet, nach dem Gerichtsurteil in den Wahlkampf zu ziehen. Sein Wahlkampfteam stand bereit, ein erstes Wahlplakat war entworfen, die Internetseite für die Kampagne fertig.Im neuen Parteigebäude im vornehmen Teil des 16. Arrondissements der Hauptstadt wollte er den RN endgültig aus der populistischen Schmuddelecke holen und mit seinen mächtigen Beschützern, allen voran dem Milliardär Vincent Bolloré, ein neues Bündnis der Rechten schmieden.Im Oktober sollte ein neues Buch von ihm erscheinen, im Fayard-Verlag, den Bolloré vor Kurzem gekauft hat. Danach wollte er sich beim RN-Parteitag krönen lassen, der Ende Oktober in Orléans stattfindet, der Stadt, in der bis heute jedes Jahr Festspiele zu Ehren von Jeanne d’Arc stattfinden. Die Jungfrau von Orléans ist seit den Anfängen der Partei deren Schutzpatronin. Jetzt wird Le Pen die heilige Johanna in ihrer Rede beanspruchen.
Frankreich: Die komplizierte Beziehung von Marine Le Pen und Jordan Bardella
Niemand war so verblüfft wie Jordan Bardella, als das Berufungsgericht Marine Le Pens Strafe abmilderte. Im Wahlkampf ist er jetzt nur noch Juniorpartner.













