Lucerne Festival: Eine musikalische Reise durch AmerikaVon der Prärie bis Manhattan, vom Jazz bis zur Avantgarde: Das Lucerne Festival lädt zu einer musikalischen Reise durch die Vereinigten Staaten ein und zeigt, weshalb der amerikanische Traum vor allem in der Musik bis heute weiterlebt.11.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenBunte Vielfalt: Das Lucerne ­Festival holt die Neue Welt ab Mitte August gut einen Monat lang auf die Bühnen im und rund um das KKL Luzern.Priska Ketterer / Lucerne FestivalSpüren Sie das manchmal auch? Die Sehnsucht nach der grossen, der ganz grossen Weite? Nach dem endlosen Horizont der Prärie, dem Flimmern über dem Asphalt einer legendären Strasse, die im Nirgendwo der unermesslichen Landschaft verschwindet? Nach den Schluchten des Grand Canyon oder jenen zwischen den himmelstürmenden Bauten Manhattans? Dieses Jahr müssen Sie für einen solchen transatlantischen Tapetenwechsel nicht einmal den Reisepass hervorkramen. Lästige Formalitäten und Unwägbarkeiten bei der Einreise bleiben Ihnen auch erspart. Denn das Lucerne ­Festival holt die Neue Welt für gut einen Monat an den Vierwaldstättersee.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Motto des ersten Sommerprogramms, das der neue Intendant Sebastian Nordmann verantwortet, lautet, passend zum 250-Jahr-Jubiläum der Unabhängigkeitserklärung: «American Dreams». Entscheidend ist dabei die Mehrzahl: Den einen amerikanischen Traum gibt es schon lange nicht mehr. In einer pluralen Welt wäre ein derart monolithisches Glücksversprechen ohnehin ein ideologisches Unding, mindestens aber ein Ausbund an Kitsch – wie die von Hollywood zigfach aufbereiteten Success-Storys à la «Vom Tellerwäscher zum Millionär».Mehr als ein amerikanischer TraumDie Musikgeschichte der USA erzählt eine andere, viel tiefgründigere Geschichte. Sie ist ein wilder, bunter, reibungsvoller, oft auch schmerzhafter Mix aus Hoffnungen, kulturellen Kollisionen und Aneignungen sowie der fortdauernden Suche nach künstlerischer Identität. Während der knapp fünf Wochen des Festivals, das am 13. August beginnt, verwandeln sich das KKL und die anderen Spielorte in Luzern dementsprechend in einen akustischen Schmelztiegel. Da trifft die europäische Orchestertradition auf die Rhythmik des Jazz; da stehen Blues-Akkorde und Broadway-Klänge wie selbstverständlich neben Experimenten der Avantgarde. Gerade dieses Neben- und gelegentlich auch Durcheinander ist der wahre Soundtrack Amerikas.Die Freiheit, vermeintlich in Stein gemeisselte Konventionen über Bord zu werfen oder neu zu definieren, wird in vielen Konzerten des Sommerprogramms spür- und hörbar werden. Wir stellen Ihnen einige davon in einem NZZ-Schwerpunkt vor. Der Bogen spannt sich angemessen weit von den Klanglandschaften eines Aaron Copland über die geniale Verschmelzung von Kunstmusik und Entertainment bei George Gershwin und Leonard Bernstein bis zu den hypnotischen Loops der Minimal Music von Philip Glass oder Steve Reich.Alles ganz andersDer Radikalste von allen aber war Charles Ives. Die Musik dieses Pioniers erklingt in Luzern schon im Eröffnungskonzert. Ives war ein Versicherungskaufmann, der in seiner Freizeit Klänge und kompositorische Wagnisse ausheckte, die charakteristisch sind für den innovativen Geist Amerikas, aber auch in Europa für produktive Unruhe sorgten. Und das zu einer Zeit, als man in der Alten Welt gerade erst verbissen über Sinn und Unsinn der Moderne debattierte.Gut eine Generation später, als sich die hiesige Musik erneut in ideologischen Grabenkämpfen festgefahren hatte, kam der nötige frische Wind wieder von der anderen Seite des Atlantiks. Diesmal in Gestalt von John Cage. Er erinnerte spielerisch und durchaus ein bisschen anarchisch an den unverwüstlichen Kern jedes amerikanischen Traums: dass in der Kunst wie im Leben immer alles auch ganz anders sein kann.Passend zum Artikel