G-7-Gipfel: Frankreich will der Schweiz nichts an die Sicherheitskosten zahlenAus Sicht der Genfer Staatsrätin Carole-Anne Kast hätte Bern gegenüber Paris entschlossener auftreten sollen. Das Aussendepartement EDA hält die Chancen für ein Einlenken Frankreichs bei der Kostenbeteiligung für gering.Annegret Mathari, Genf10.07.2026, 18.00 Uhr2 LeseminutenWährend der Proteste gegen den G-7-Gipfel in Évian-les-Bains Mitte Juni kam es in Genf zu Ausschreitungen.ImagoDer Kanton Genf hat für die Sicherheitsmassnahmen im Rahmen des G-7-Gipfels Mitte Juni 31,6 Millionen Franken aufgewendet. Nach Angaben der Staatsrätin Carole-Anne Kast (SP) übernimmt der Bund davon 12,5 Millionen Franken im Rahmen des Bundesgesetzes für innere Sicherheit. Das bedeutet für den Kanton Genf eine Kostenbeteiligung von rund 20 Millionen Franken.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Staats- und Regierungschefs der G-7-Länder trafen sich zwar im französischen Évian. Doch Genf empfing die Delegationen am Flughafen Cointrin. In Genf fand auch eine Grossdemonstration gegen den Gipfel statt, da im französischen Grenzgebiet keine Kundgebungen erlaubt waren. Rund um den Gipfel standen in Genf Polizistinnen und Polizisten aus mehreren Kantonen sowie 4000 Schweizer Armeeangehörige im Einsatz. Dazu kam der Aufwand für verstärkte Grenzkontrollen.Frankreich weigert sich allerdings weiterhin, sich an den Kosten insbesondere für die Sicherung des Flughafens zu beteiligen. Im Vorfeld des Gipfels hatte Bundespräsident Guy Parmelin von Paris einen finanziellen Beitrag verlangt. Es sei nicht einfach, am Ende des Gipfels müsse aber eine Lösung für die Sicherheitskosten gefunden werden, hatte er zu SRF gesagt.Warnung vor Belastung der BeziehungenDie Sicherheitsdirektorin Kast erklärte kürzlich in einem Interview mit der Westschweizer Wirtschaftszeitung «Agefi», Genf werde den Bund auffordern, die Kosten, die zulasten des Kantons blieben, an Frankreich weiterzureichen. Sie bedaure, dass Paris bislang keinerlei Bereitschaft gezeigt habe, darauf einzugehen. «Wenn ein Staat eine einseitige Entscheidung trifft, ohne Rücksicht auf die wirtschaftlichen Folgen für seinen Nachbarn zu nehmen, ist das nicht akzeptabel.» Langfristig könnte dies die regionalen Beziehungen belasten, mahnte sie.Den grössten Kostenpunkt für den Kanton Genf bilden laut Kast mit 13 Millionen Franken die Entschädigungen für zusätzliche Einsätze von 1500 Polizisten. Dazu kommen unter anderem 3 Millionen Franken für Massnahmen wie die Sicherung des Rollfelds am Genfer Flughafen sowie eine halbe Million Franken für die Cybersicherheit und 1 Million Franken für Schäden bei Unternehmen.Keine EinigungDas Aussendepartement (EDA) teilte auf Anfrage mit, Frankreich habe vor allem mit dem Einsatz von Gendarmeriekräften einen Beitrag zu den Sicherheitsmassnahmen geleistet. Im Hinblick auf die Sicherheitskosten hätten sich die Schweiz und Frankreich jedoch nicht auf eine Beteiligung Frankreichs einigen können.Gemäss EDA stehen die Behörden beider Länder im Zusammenhang mit dem G-7-Gipfel weiterhin im Austausch. Die Aussicht auf eine Kostenbeteiligung Frankreichs sei jedoch gering. Nach Meinung von Kast hätte die Schweiz bei den Kostenverhandlungen von Anfang an entschlossener auftreten sollen. So hätte sie beispielsweise die Bereitstellung des Flughafens Genf als Logistikplattform von einer finanziellen Vereinbarung abhängig machen können.