Ein Brief aus Bern verärgert Emmanuel Macron vor dem G-7-GipfelWenige Wochen vor dem G-7-Gipfel in Évian sorgt ein vertrauliches Schreiben für Verstimmung zwischen der Schweiz und Frankreich. Darin warnt Bundespräsident Guy Parmelin vor den hohen Sicherheitskosten rund um das Treffen.22.05.2026, 15.18 Uhr3 LeseminutenFrankreichs Präsident Emmanuel Macron, gut gelaunt und mit verspiegelter Sonnenbrille, mit seinem Schweizer Amtskollegen Guy Parmelin, etwas nüchterner: Beim WEF im Januar deutete noch nichts auf Verstimmungen zwischen Paris und Bern hin.Laurent Gillieron / KeystoneEmmanuel Macron soll sich über einen Brief aus Bern «sehr geärgert» haben. Das berichtet die französische Satire- und Enthüllungszeitung «Le Canard enchaîné». Geschrieben hat ihn der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin Anfang Mai, wenige Wochen vor dem G-7-Gipfel im französischen Évian-les-Bains. Parmelins Botschaft: In der Schweiz hält man wenig von der bisherigen Organisation des hochkarätigen Treffens am Genfersee.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Konkret geht es in dem Brief um Sicherheitskosten, mögliche Ausschreitungen von Globalisierungsgegnern und die Sorge, dass die Schweiz mit den Folgen des Gipfels weitgehend allein gelassen wird. Bern soll Paris gegenüber zudem darauf gedrängt haben, Proteste gegen den G-7-Gipfel auch auf französischem Boden zuzulassen. Die Genfer Kantonsregierung hat am Mittwoch nach längerer Ungewissheit eine Demonstration in ihrer Hauptstadt genehmigt, allerdings nicht auf der von der No-G-7-Koalition gewünschten Route im Zentrum.Auch der Schweizer Rundfunk berichtete inzwischen über den Brief Parmelins an Macron. Veröffentlichen wollte Bern das Schreiben allerdings nicht. Eine Anfrage der NZZ beim Élysée-Palast blieb ebenfalls unbeantwortet.Macron will keine lästigen Demo-BilderFür den französischen Präsidenten ist der Gipfel vom 15. bis 17. Juni ein Prestigeprojekt. Macron empfängt in Évian-les-Bains, direkt gegenüber von Lausanne, die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten westlichen sieben Industriestaaten. Unter ihnen ist der amerikanische Präsident Donald Trump, der mit 500 Personen, 7 Helikoptern und 45 Fahrzeugen anreisen soll. Lästige Bilder von gewaltsamen Protesten und Strassenschlachten will Macron tunlichst vermeiden.Auf Schweizer Seite fürchtet man dagegen, dass Frankreich genau diese Probleme an seinen Nachbarn auslagert. In Bern erinnert man sich noch gut an den letzten G-8-Gipfel in Évian im Jahr 2003 (damals noch mit Russland). Damals kam es in der Schweiz zu schweren Ausschreitungen globalisierungskritischer Gruppen – und Paris übernahm nur einen Teil der Kosten.Nach Angaben des «Canard enchaîné» waren dies am Ende nur 12 Millionen Euro. Das habe lediglich ein Viertel der tatsächlichen Kosten gedeckt. Nach langen Verhandlungen habe Frankreich später weitere 3 Millionen Euro Entschädigung an die betroffenen Kantone gezahlt.Dieses Mal wolle die Schweiz nicht «die Dumme» sein, schreibt das französische Satireblatt. Bern plane deshalb den Einsatz von bis zu 5000 Soldaten, die die Polizeikräfte während des Gipfels unterstützen sollen. Für diesen massiven Sicherheitseinsatz verlange die Schweiz von Paris bereits im Vorfeld verbindliche Zusagen zur Übernahme der Kosten.In Frankreich setzen die Behörden ihrerseits darauf, die unmittelbare Umgebung des Gipfels konsequent abzuschirmen. Der französische Innenminister Laurent Nuñez konzentriert sich nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Le Point» darauf, rund um Évian-les-Bains einen weitreichenden Sicherheitskorridor zu errichten. Ein Bereich für Gegendemonstrationen ist explizit nicht vorgesehen.Respekt vor Trump, Spott gegenüber BernVersucht Paris, Bern die Verantwortung für mögliche Ausschreitungen noch wegen eines anderen Ereignisses zuzuschieben? Laut «Canard enchaîné» glauben französische Stellen, dass nicht nur der G-7-Gipfel, sondern auch die Schweizer Volksabstimmung über die Initiative «Keine Schweiz mit zehn Millionen Einwohnern» die Lage in Genf zusätzlich anheizen könnte. In der Schweiz, wo Volksabstimmungen normalerweise kaum zu schweren Strassenkrawallen führen, dürfte diese Erklärung allerdings einige Verwunderung auslösen.Vielleicht lässt sich der Konflikt auch als Ausdruck eines politischen Ungleichgewichts zwischen Paris und Bern lesen. Für Donald Trump, bemerkt das Satireblatt spöttisch, habe Frankreich den Zeitplan des Gipfels kurzerhand um einen Tag verschoben. Der amerikanische Präsident wollte wegen einer Feier zu seinem 80. Geburtstag in Washington ursprünglich später anreisen. Die Zeitung schreibt: «Vor den kleinen Schweizern bläht man die Brust auf, aber vor dem grossen Trump geht man in die Knie.»Passend zum Artikel
Schweiz contra Frankreich: Diplomatische Spannungen vor dem G-7-Gipfel in Évian
Wenige Wochen vor dem G-7-Gipfel in Évian sorgt ein vertrauliches Schreiben für Verstimmung zwischen der Schweiz und Frankreich. Darin warnt Bundespräsident Guy Parmelin vor den hohen Sicherheitskosten rund um das Treffen.












