Mit seiner Anrufung des Bundesverfassungsgerichts hatte Janosch Dahmen das politische Berlin gut einen Tag lang in Nervosität versetzt. Der Grünen-Politiker hatte den Versuch gewagt, die geplante Abstimmung über das Sparpaket für die gesetzlichen Krankenkassen zu stoppen.Dahmen wollte sein Manöver nicht als inhaltlichen Einwand gegen das Sparpaket verstehen, sondern als „Klage für die Rechte des Parlaments“: Über die erst am Sonntag eingegangenen Änderungen habe der Bundestag nicht mehr ordentlich beraten können, Verbände hätten keine Chance gehabt, sich zu positionieren. Auf dieser Grundlage sei am Freitag keine fundierte Entscheidung möglich. Das Bundesverfassungsgericht folgte dieser Ansicht am Donnerstag nicht.Dahmen arbeitet weiter als RettungsarztZugleich macht er kein Geheimnis aus seiner Ablehnung des Gesetzes. Die Sparvorschläge der Finanzkommission seien gut, sagt Dahmen im Gespräch mit der F.A.Z. Aber das dort präsentierte Sparvolumen von 42 Milliarden Euro wurde im Gesetzgebungsprozess auf knapp 19 Milliarden Euro zusammengeschrumpft. „Die Regierung hat die Vorschläge in wichtigen Teilen ignoriert“, sagt Dahmen. Er kritisiert, dass die Pharmaindustrie nun zu sehr geschont werde – und dass die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze dazu führen werde, dass viele Gutverdiener der gesetzlichen Krankenversicherung „für immer verloren gehen“. Auch das Gesundheitsministerium rechnet damit, dass einige dieser Versicherten wegen steigender Beiträge in eine private Krankenversicherung wechseln werden.Es ist kein Argument, das von einem linken Politiker zu erwarten ist, schließlich trifft die höhere Beitragsbemessungsgrenze Menschen mit überdurchschnittlich hohen Einkommen. Doch für Dahmen steht die Sorge im Vordergrund, dass den Kassen Einnahmen verloren gehen. Dahmen sagt, er sei zwar im linken Parteiflügel beheimatet, treffe Entscheidungen aber stets „wissenschaftsgeleitet und mit dem notwendigen pragmatischen Blick auf die Praxis“. Um diesen zu schärfen, sei er weiterhin drei- bis viermal pro Monat in seinem Hauptberuf als Rettungsarzt im Einsatz.Noch vor seinem achtzehnten Geburtstag trat Janosch Dahmen 1998 in die Partei ein, studierte später zunächst Politikwissenschaft in Berlin. Im Jahr 2004 begann er ein Studium der Medizin in Witten, fortan arbeitete er stets an der Grenze zwischen Parteipolitik und Gesundheitswesen. Nach der Promotion folgte eine Weiterbildung zum Unfallchirurgen, parallel vertrat Dahmen seine Partei im Wittener Stadtrat.Während er das Luftrettungszentrum „Christoph 9“ in Duisburg leitete, stieg er in den Landesvorstand der Grünen in NRW auf. 2020 rückte er in den Bundestag nach und wurde 2021 und 2025 über die Landesliste ins Parlament gewählt. Dort drängt er als gesundheitspolitischer Sprecher auf ambitionierte Strukturreformen, in den Kliniken ebenso wie in der Notfallversorgung – so lasse sich einerseits besser Geld sparen, andererseits die Versorgung verbessern. Dahmen hält es für falsch, dass Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) in beiden Fällen stärker auf die Wünsche von Ländern und Kommunen eingeht, als es die Ampelregierung tat.
Wie Janosch Dahmen Nina Warken fast die Sommerpause vermiest hätte
Der Grünen-Abgeordnete Janosch Dahmen hätte der Bundesregierung fast die Sommerpause vermiest. Warum er das Sparpaket für die Krankenkassen ablehnt.












