Eine Machtdemonstration am ersten ernsthaften Berg: Tadej Pogacar distanziert am Tourmalet die GegnerDer 27-jährige Slowene gewinnt an der ersten Pyrenäen-Etappe der Tour de France überlegen – und wirkt schon in der ersten Woche unantastbar.09.07.2026, 17.53 Uhr3 LeseminutenSchon ist er solo unterwegs: Tadej Pogacar gewinnt die erste schwere Pyrenäen-Etappe an der Tour de France.Yoan Valat / EPABereits am Rande des Grand Départs der Tour de France am vergangenen Wochenende in Barcelona kursierte unter manchen Experten eine Befürchtung. Jene, dass Tadej Pogacar, der vierfache Tour-Sieger, bereits im ersten Drittel der dreiwöchigen Rundfahrt die Entscheidung im Gesamtklassement herbeiführt. Das lag daran, dass der Tour-Parcours in diesem Jahr schon früh in die hohen Berge, in die Pyrenäen, führt. Und dort schon grosse Zeitabstände möglich sind.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Fast 50 Kilometer vor dem Ziel auf der sechsten Etappe, am berüchtigten Col du Tourmalet, wird diese Befürchtung teilweise wahr. Von einer Attacke oder einem taktischen Meisterstück kann auf dieser ersten harten Pyrenäen-Etappe keine Rede sein. Pogacar, 27 Jahre alt, verschärft lanciert vom Teamkollegen Isaac Del Toro auf dem steilen letzten Drittel des Aufstiegs lediglich das Tempo.Trotzdem verlieren die Konkurrenten sogleich den Anschluss: sein grösster Herausforderer Jonas Vingegaard, der zweifache Tour-Sieger, Paul Seixas, der französische Hoffnungsträger, Remco Evenepoel, der Belgier, der sich nach wochenlangen Höhentrainingslagern so viel vorgenommen hatte. Und auch Florian Lipowitz aus Deutschland bleibt zurück, obschon er noch an der Tour de Romandie an den meisten Anstiegen halbwegs mit Pogacar mitgehalten hat.Pogacar ist über 40 Kilometer solo unterwegsDass Pogacar die Gegner schon am ersten ernsthaften Hindernis dieser Tour abzuhängen vermag, scheint der Slowene in den letzten Tagen gespürt zu haben. Bereits auf dem zweiten Teilstück am vergangenen Sonntag in Barcelona schenkte er den Etappensieg auf nonchalante Art und Weise seinem Teamkollegen und Edelhelfer Del Toro. Es war eine Ansage an die Gegner: «Seht her, die paar Bonussekunden für den Etappensieg habe ich gar nicht nötig.» Tags darauf gewann Pogacar selbst und sicherte sich das Leadertrikot, als sei es das einfachste auf der Welt.Das Leibchen des Gesamtführenden gab Pogacar zwar am nächsten Tag, auf dem vierten Teilstück, wieder her, weil er und seine Equipe UAE einer Fluchtgruppe viel Freiheit gewährt hatten. Trotz den über sieben Minuten Rückstand wirkte Pogacar sorglos, obwohl er im Ziel über Kopfschmerzen klagte und zugab, dass die Gluthitze in Südfrankreich auch ihm zusetzt. Beim einen oder anderen Konkurrenten dürfte diese Aussage eine leise Hoffnung auf körperliche Probleme geweckt haben. Der Tourmalet machte diese aber zunichte.Pogacar hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Solist gemacht. Oft attackiert er Dutzende Kilometer vor dem Ziel – und reüssiert in den meisten Fälle mit dieser riskanten Taktik. So auch dieses Mal. Stur wie ein Maschine spult er die letzten Kilometer und den Schlussaufstieg ab.Vingegaard ist der Beste des RestsVingegaard, der zunächst als Einziger halbwegs zu folgen vermag, verliert Sekunde um Sekunde. Der Däne zementiert damit seinen Status im Peloton, den er schon an den vergangenen beiden Austragungen innehatte: der Beste des Restes. Immerhin, ist man versucht zu sagen, weil die Spitze des Tour-Feldes so breit wie lange nicht mehr besetzt ist.Auf der Ziellinie in Gavarnie-Gèdre verbeugt sich Pogacar, der überlegene Sieger. Wenig später sagt er: «Dieser Triumph gehört zu einem der fünf beeindruckendsten meiner Karriere. Und er ist einer der süssesten.» Dann richtet er warme Worte an den Norweger Torstein Træen, der im Leadertrikot zur Etappe startete, in der Abfahrt vom Tourmalet aber stürzte.Das Maillot jaune trägt nun wieder Pogacar, 2 Minuten 42 Sekunden beträgt der Vorsprung auf den ersten Verfolger Vingegaard. Noch stehen fünfzehn Etappe an, eine Entscheidung ist das nicht. Auch Pogacar ist vor einer Krankheit, einem Einbruch oder einem Sturz nicht gefeit. Eine Machtdemonstration war es aber allemal – und ein mentaler Nackenschlag an die Konkurrenten.Passend zum Artikel