Ein wenig erinnerte das finale Setting an das des Vortages. Wieder ging es zum Schluss eine giftige Rampe hinauf, wieder war die Spitzengruppe sehr klein geworden, wieder führte sie Isaac Del Toro an, im UAE-Emirates-Team der Edelhelfer des Tour-Favoriten und Titelverteidigers Tadej Pogacar. Doch diesmal war die Auflösung eine andere: Diesmal überließ Pogacar seinem Mannschaftskollegen nicht den Tagessieg – diesmal übernahm er das selbst.Im Sprint setzte sich der Slowene am Ende der ersten schwereren Bergetappe spielerisch leicht vor seinem ewigen Rivalen Jonas Vingegaard durch. Und weil es nicht nur dafür einen Zeitbonus gab, sondern er auch noch eine kleine Lücke gerissen hatte, reichte das, um Vingegaard das Gelbe Trikot abzuluchsen. Auf die Sekunde zeitgleich sind die beiden großen Tour-Protagonisten der vergangenen Jahre nun, aber die bessere Hundertstel-Wertung aus dem Auftaktzeitfahren bringt Pogacar fürs Erste ins Leadertrikot. Die beiden Red-Bull-Kapitäne Remco Evenepoel und Florian Lipowitz kamen mit einem Mini-Abstand ins Ziel und liegen in der Gesamtwertung nun auf den Rängen drei und sieben, 23 beziehungsweise 53 Sekunden zurück.Tour de France:Pogacar verschenkt Etappensieg, Vingegaard bleibt in GelbPogacars mexikanischer UAE-Helfer Isaac Del Toro feiert seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France. Florian Lipowitz verliert erneut ein paar Sekunden auf die Tagesbesten.Drei anspruchsvolle Tour-Tage sind nun rum, und es ist schon wieder alles beim Alten: Das gilt nicht nur für Pogacars Souveränität und Trikotfarbe, sondern auch für die Mannen um ihn herum. Denn auch wenn Vingegaard und Visma das Teamzeitfahren zum Auftakt für sich entschieden, so scheint die stärkste Combo des Pelotons wieder die UAE-Equipe von Pogacar zu sein. Schon die Etappe am Sonntag nach Barcelona dominierten und gewannen sie, und exakt so lief es am Montag auf dem von der Hitze geprägten Weg durch die Pyrenäen. „Wir haben zur Rennmitte als Team festgestellt, dass heute etwas geht“, sagte Pogacar: „Riesenkompliment an mein Team“, er sei „überglücklich, wie die Rundfahrt bislang läuft“.Bei Del Toro hegen die UAE-Macher die Hoffnung, dass er irgendwann mal Pogacar ablösen kannEin starkes UAE-Team gehört zwar längst zur Tour wie der Besenwagen. Gleichwohl war es nicht zwingend zu erwarten gewesen, dass es auch dieses Jahr so überlegen agieren kann. Immerhin fallen einige wichtige Fahrer wie Joao Almeida, Jhonatan Narvaez oder Marc Soler aus. Doch das fiel zumindest an den ersten Tagen nicht ins Gewicht, bei UAE scheint der Fundus unerschöpflich zu sein. In den flachen Passagen bestimmen Fahrer wie Nils Politt das Geschehen, und für die Anstiege weiß Pogacar nicht nur den Haudegen Adam Yates an seiner Seite, sondern vor allem auch Isaac Del Toro aus Ensenada in Mexiko, der wohl mindestens ums Podium fahren könnte, wenn er als Kapitän anträte.Man sollte im Radsport nie zu weit in die Zukunft schauen. Wenn man durchs Peloton geht, findet sich so mancher Name, der für ein Jahr emporschoss und dann wieder zurückfiel. Man denke nur an den Kolumbianer Egan Bernal, dessen Tour-Sieg 2019 den Beginn einer Ära einzuleiten schien. Doch dann kamen ein schwerer Unfall und begann das Zeitalter Pogacar/Vingegaard.Aber bei Del Toro hegen die UAE-Macher die Hoffnung, dass er irgendwann mal Pogacar ablösen kann. 2024 verpflichtete ihn die Mannschaftsbosse, von denen so viele eine anrüchige Vergangenheit haben. Und schon 2025 startete Del Toro voll durch: Gleich bei seiner ersten großen Rundfahrt, dem Giro, lag er vor der letzten schweren Bergetappe auf Siegkurs, bis sich UAE etwas verzockte und Visma mit einem taktischen Meisterstück Simon Yates auf Position eins brachte. Jetzt ist Isaac Del Toro der wichtigste Helfer von Tadej Pogacar auf dem Weg zum erhofften fünften Toursieg.In den nächsten beiden Tagen dürfte er am Ende wohl nicht an der Spitze des Feldes zu sehen sein: Da stehen zwei Etappen an, auf denen die Ausreißer ihr Glück versuchen – beziehungsweise, zumindest am Mittwoch, die Sprinter zum Zuge kommen könnten. Aber andererseits weiß man bei der Stärke dieses UAE-Teams ja nie.