Jetzt einfach antreten, an dem Fahrer vor ihm vorbeidüsen und dann den nächsten Tagessieg bei der Tour de France einfahren: Darauf deutete alles hin, als sich Tadej Pogacar zum dritten und letzten Mal einen der beiden Hausberge von Barcelona hinaufwuchtete. Doch die Attacke kam und kam einfach nicht, stattdessen vergewisserte sich der Slowene, dass von hinten keine Gefahr mehr drohte. Und statt sich Etappensieg Nummer 22 zu sichern, rollte er gemütlich als Tageszweiter ins Ziel – hinter seinem mexikanischen Teamkollegen Isaac Del Toro, mit dem er dessen ersten Etappensieg bei der Tour ausgelassen bejubelte.Es gibt verschiedene Arten, Stärke zu demonstrieren, aber diese Gönnerattitüde war eine besondere Form. Für die Stimmung beim Team UAE Emirates dürfte das sehr gut gewesen sein – und dass Pogacar dank seiner Zurückhaltung fürs Erste im Gesamtklassement weiter knapp hinter seinem ewigen Rivalen Jonas Vingegaard liegt, dürfte ihm vielleicht gar nicht so Unrecht sein. So muss dessen Visma-Equipe erst mal das Rennen kontrollieren. „Es ist unglaublich. Sie können sich gar nicht vorstellen, was der Sieg meiner Heimat und mir bedeutet. Es ist wie ein Traum“, sagte Del Toro im Ziel.Auftakt der Tour de France:Die Tücken der DoppelspitzeRed Bull verpasst zum Auftakt der Tour de France das Gelbe Trikot. Das Ergebnis könnte ein Fingerzeig für die Kapitäne Florian Lipowitz und Remco Evenepoel und die ungeklärte Hierarchie-Frage sein.Nach dem beeindruckenden Vortrag von Vingegaard und der Visma-Mannschaft im Teamzeitfahren am Samstag waren Pogacar und UAE am Sonntag erkennbar darauf bedacht, auf dem anspruchsvollen Parcours in Barcelona zurückzuschlagen. Zunächst bestimmte zwar eine erst drei-, später nur noch zweiköpfige Ausreißergruppe um den deutschen Meister Felix Engelhardt das Geschehen, aber das Peloton hielt den Abstand immer in einem überschaubaren Rahmen. Am ersten schwierigeren Berg übernahm dann UAE selbst die Kontrolle, und als es in den finalen Rundkurs ging, auf dem dreimal der Olympiaberg Montjuic zu erklimmen war, galt das erst recht.Kurz vor dem Ziel versuchte zwar noch der eine oder andere Rivale eine Attacke, doch die waren jeweils schnell neutralisiert – und am Ende konnte niemand Pogacars Geschenk und Del Toros Triumph verhindern. Auch nicht die beiden Kapitäne der deutschen Red-Bull-Equipe: Remco Evenepoel kam als Dritter ins Ziel, Florian Lipowitz verlor auf die Tagesbesten zehn Sekunden, war aber dennoch halbwegs zufrieden. Im Gesamtklassement führt nun Vingegaard mit sechs Sekunden vor Pogacar und mit 15 Sekunden vor Evenepoel. Lipowitz liegt als Achter 45 Sekunden zurück.Für diesen Montag haben die Tour-Macher nach den beiden schwierigen Auftaktetappen von Barcelona direkt den nächsten herausfordernden Tag eingebaut: Von Granollers geht es nach Les Angles, wo eine Bergankunft ansteht. Ein klassisches brutales Pyrenäen-Programm ist zwar nicht vorgesehen, aber immerhin eine Bergwertung der ersten und zwei der dritten Kategorie. Und es sollte niemanden überraschen, wenn für Tadej Pogacar die Zeit der Geschenke dann vorbei ist.
Tour de France: Pogacar verschenkt Etappensieg, Vingegaard bleibt in Gelb
Pogacars mexikanischer UAE-Helfer Isaac Del Toro feiert seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France. Florian Lipowitz verliert erneut ein paar Sekunden auf die Tagesbesten.













