PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungIkkimel-AuftrittWir müssen über das ZDF redenVon Meltem SekerStand: 16:47 UhrLesedauer: 3 Minuten„Tikitaka in nem Tanga“: Die Rapperin Ikkimel im ZDF-MorgenmagazinQuelle: https:/www.zdf.de/play/magazine/zdf-morgenmagazin-104/zdf-morgenmagazin-vom-6-juli-2026-100/ZDF MediathekWer morgens das ZDF einschaltet, möchte sich über Politik, Wirtschaft und das Wetter informieren – und nicht mit der Performance einer linken Rapperin konfrontiert werden, deren Konzept auf maximaler Provokation beruht.Die Berliner Rapperin Ikkimel, bürgerlich Melina Gaby Strauß, gehört zu den auffälligsten Stimmen des deutschen Rap. Bekannt wurde sie mit elektronischen Songs über Sex, Alkohol, Drogen und Macht. Ihre Kunstfigur ist laut, vulgär und bewusst überzeichnet. Fans sehen darin eine feministische Umkehr männlich dominierter Rap-Klischees, Kritiker halten ihre Texte für geschmacklos.Im ZDF-„Morgenmagazin“ – einem öffentlich-rechtlichen Frühstücksformat für Zuschauer aller Altersgruppen – performte sie ihren Song „Fußballmänner“. Vor einem Studiopublikum, in dem auch Kinder saßen, rappte sie: „Fußballmänner, alles Penner, Bierbauch, Bratwurst, leckerschmecker, Lattenkracher, Mertesacker, Tiki-Taka in ’nem Tanga.“Dass solche Zeilen kein Ausrutscher sind, zeigt ihr auf Spotify meistgestreamter Song „Keta und Krawall“. Darin heißt es: „Keta und Krawall, meine Nase ist wund, Titten sind prall und mein Arsch ist rund.“Wie weit ihre Texte gehen, zeigt etwa ihr Song „Giftmord“, in dem es um Abtreibung geht: „Babys sind doch süß, es sei denn, es sind Jung’n. Im Notfall treib’ ich ab, mit Alk und Mephedron.“Lesen Sie auchGleichzeitig besitzt ihre Inszenierung Humor. In „Who’s That“ heißt es: „Du siehst mich in der Bravo, Outfit knapper als bei Borat.“ Auf Kritik reagiert sie dort mit: „Sie sind sauer, holt die Mistgabeln raus. Ich kann machen, was ich möchte, weil ich bin eine Frau.“Lesen Sie auchIhren Auftritt beim ZDF kommentierte Ikkimel ebenfalls selbstironisch mit „Heute spiele ich vor einer Schulklasse und Ü50. Hell yeah“. Ausschnitte verbreiteten sich anschließend rasant auf TikTok. Besonders die regungslosen Gesichter im Publikum wurden zu lustigen Memes bearbeitet. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention schrieb dazu: „Die Reaktionen, wenn ich meiner Family mal wieder erkläre, dass ich Depressionen habe.“Andere Nutzer bezeichnen den Auftritt als „Meisterwerk“, kommentierten ironisch: „Dafür zahle ich gerne Rundfunkbeitrag“ und lobten den vermeintlichen Praktikanten, der die Rapperin in die Sendung „eingeschleust“ haben soll. Anders können sich einige Nutzer die Präsenz Ikkimels im ZDF-„Morgenmagazin“ nicht erklären. Ein Nutzer vermutet: „Vielleicht hat die Person, die den Auftritt gebucht hat, nur den Titel gesehen.“Lesen Sie auchAuch der öffentlich-rechtliche Rundfunk selbst geriet ins Visier. „Alle, die das feiern, sollten bis Lebensende GEZ bezahlen. Alle anderen sollten kündigen dürfen. Das wäre fair!“, schrieb ein Nutzer. Andere erinnerten daran, dass jeder Haushalt über den verpflichtenden Rundfunkbeitrag für das Programm mitbezahlt.Das „Morgenmagazin“ selbst verteidigte den Auftritt damit, dass Ikkimels Song das Thema Fußball aus einer popkulturellen Perspektive aufgreife und gerade bei jungen Menschen große Aufmerksamkeit erhalten habe. Das Format bilde solche gesellschaftlichen und popkulturellen Phänomene regelmäßig ab.Und genau das ist der eigentliche Punkt. Ikkimel hat getan, wofür sie bekannt ist. Nicht ihr Auftritt ist erklärungsbedürftig, sondern die Entscheidung des ZDF, ihn ausgerechnet in diesem Umfeld stattfinden zu lassen.Natürlich gilt Kunstfreiheit. Und eine liberale Gesellschaft muss auch Kunst aushalten, die aneckt. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist jedoch keine beliebige Konzertbühne. Er finanziert sich über verpflichtende Beiträge und erfüllt einen besonderen Auftrag. Ein Morgenmagazin richtet sich an ein generationenübergreifendes Publikum. Die Frage ist deshalb nicht, ob provokante Kunst im ZDF stattfinden darf. Sie lautet: War diese Performance zu dieser Uhrzeit, in diesem Format und vor diesem Publikum die richtige Entscheidung?Lesen Sie auchHinzu kommt die politische Dimension. Ikkimel trat am 1. Mai bei einem von der Berliner Linkspartei organisierten Fest auf dem Mariannenplatz auf. Das ist ihr gutes Recht. Künstler dürfen politisch sein. Dennoch darf man fragen: Würde das ZDF ebenso selbstverständlich einen ähnlich vulgären Rapper einladen, der offen für die CDU oder gar die AfD mobilisiert?Vielleicht hält das ZDF genau diese Reibung für Teil seines Auftrags. Dann muss dieser Maßstab aber für alle gelten. Wir sollten weniger über Ikkimel diskutieren, als über das ZDF.
Ikkimel-Auftritt: Wir müssen über das ZDF reden - WELT
Wer morgens das ZDF einschaltet, möchte sich über Politik, Wirtschaft und das Wetter informieren – und nicht mit der Performance einer linken Rapperin konfrontiert werden, deren Konzept auf maximaler Provokation beruht.











