Der Auftritt der Rapperin Ikkimel im ZDF-„Morgenmagazin“ beschäftigt das Netz auch am zweiten Tag, nun hat sich der Sender zu der Personalie geäußert. Man habe die Musikerin im Rahmen der aktuellen Fußballberichterstattung eingeladen, heißt es gegenüber der F.A.Z. „Ihr Song greift das Thema Fußball aus einer popkulturellen Perspektive auf und hat insbesondere bei jungen Menschen große Aufmerksamkeit erhalten.“ Das Morgenmagazin bilde solche gesellschaftlichen und popkulturellen Phänomene regelmäßig ab. Zu den Gästen der vergangenen Wochen zählten Stargeiger David Garrett, „Fußball-Freestyler“ Chris Bennet Bröker und Podcaster Tommi Schmitt („Gemischtes Hack“).Ikkimel selbst hatte die Fallhöhe vorausgesehen. „Heute spiele ich vor einer Schulklasse und Ü50“, postete sie vor der Sendung auf ihrem Social-Media-Kanal, und die verhaltene Resonanz im Studio gab ihr Recht.Anabel Schunke schreibt von einer „talentfreien Playbackshow“Während der Sender die Einladung verteidigt, fällt die Kritik der Kollegen differenzierter aus. Als „Sternstunde der kulturellen Kollision“ beschrieb die Journalistin und TV-Moderatorin Caro Matzko den Auftritt in der „Süddeutschen Zeitung“. Unverständnis sei auf beiden Seiten spürbar gewesen, beim Publikum ebenso wie bei der überforderten Sängerin. Als größtes Problem erscheine ihr das fehlende Fingerspitzengefühl des ZDF, wenn es darum gehe, zwei völlig verschiedene Lebenswelten elegant zu kontextualisieren. Die Differenz zwischen dem, was in Berlin als moderne Popkultur gelte, und dem Rest der Republik sei in etwa „Grand Canyon-groß“, schrieb der Journalist Thomas Knüwer.Von rechts kommt gröberes Geschütz. Die rechtskonservative Influencerin Anabel Schunke untertitelte ein Video des Auftritts mit den Worten „Ihr Rundfunkbeitrag bei der Arbeit“ und nannte ihn eine „beeindruckend talentfreie Playbackshow“. Dass man verpflichtet sei, für so etwas zu bezahlen, sei „unfassbar“, lautet eine Antwort darunter, die über 15.000 Menschen mit „gefällt mir“ markiert haben. In Zeiten, in denen Forderungen nach einer Abschaffung des Rundfunkbeitrags lauter werden, hat sich das ZDF mit der Einladung durchaus etwas getraut.Für die extreme Rechte taugt Ikkimel ohnehin längst zur Hassfigur. In ihren Texten verspottet sie Tradition und Religion, sie vertritt einen hedonistischen Großstadtfeminismus und wirbt offen für „Die Linke“. Die Berlinerin erhält regelmäßig Todesdrohungen, darunter rassistisch aufgeladene Vergewaltigungsphantasien und die Forderung, man solle sie für vogelfrei erklären und öffentlich hinrichten.Der Talentlosigkeitsvorwurf greift dabei zu kurz. Ikkimel bedient einen Stil namens „Camp“, der die Produktion hoher Kunst ausdrücklich verweigert. Man bleibt betont trivial und oberflächlich, wertet Kitsch, Ästhetik und Ironie auf und gibt sich überdreht, überspitzt, künstlich. Im ZDF sah das dann so aus, dass die Rapperin in Fußballstrümpfen und knappem Minirock auf der Bühne stand und immer wieder betont unintelligent wirkend ins Mikrofon kicherte. Wer den Auftritt als peinlich empfand, hat die Performance vermutlich genau so verstanden, wie sie gemeint war.