Riesige Umstrukturierung bei VW? Chef Oliver Blume tritt vor den Aufsichtsrat – und in ganz Deutschland protestieren die ArbeitnehmerBlume will bei Volkswagen offenbar 100 000 Stellen streichen und vier Werke schliessen. Am Donnerstag soll der Aufsichtsrat das Vorhaben diskutieren. Der Widerstand im Gremium dürfte gross sein.09.07.2026, 11.28 Uhr3 LeseminutenDer grösste Autokonzern Deutschlands dürfte sich in den kommenden Jahren stark verändern.Julian Stratenschulte / DPABis zu 100 000 Stellen könnten wegfallen, vier Werke in Deutschland sollen schliessen, ein Konzernumbau droht: Das sind die Eckdaten, die Ende Juni über eine erneute Umstrukturierung des deutschen Autokonzerns Volkswagen an die Öffentlichkeit drangen. Das «Manager Magazin» hatte zuerst berichtet, offenbar handelt es sich um ein internes Konzept der Konzernführung um Oliver Blume. VW selbst hat sich bislang zu den Gerüchten nicht geäussert. Kommt es wirklich dazu, wäre das der radikalste Umbau in der Geschichte der deutschen Autoindustrie.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nun tagt am Donnerstagnachmittag in Wolfsburg der VW-Aufsichtsrat. Namentlich die Familien Porsche und Piëch, Repräsentanten aus Katar, die Arbeitnehmer sowie das Land Niedersachsen. Der Rat wird sich die Ideen von Chef Oliver Blume wohl anhören und über deren Umsetzung diskutieren. In deutschen Medien ist die Rede von der «Woche der Wahrheit». Dabei ist höchst ungewiss, ob die Aufsichtsräte heute etwas beschliessen.Widerstand im AufsichtsratSo oder so steht fest: Für die Angestellten ist die Unsicherheit riesig. Laut den Gerüchten könnte VW in den kommenden Jahren in Deutschland vier deutsche Werke schliessen: Die VW-Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. In den vier Werken sind insgesamt zirka 40 000 Mitarbeitende beschäftigt. Laut Informationen des «Spiegel» sollen bereits Anfang 2030 die ersten Werke geschlossen werden.Die Gewerkschaft IG Metall rief anlässlich der Aufsichtsratssitzung zum Protesttag im ganzen Land auf. An 20 Konzernstandorten soll es zu Protestaktionen kommen. Es handele sich um «Informations- und Protestveranstaltung», hiess es von der Gewerkschaft. Arbeitsniederlegungen seien keine geplant.Auch an der Aufsichtsratssitzung dürfte es zu grossen Auseinandersetzungen kommen. Denn die Arbeitnehmer sind dort gut vertreten. Und nicht nur die Aufsichtsratsmitglieder der IG-Metall sowie die VW-Betriebsräte haben Widerstand gegen die geplante Umstrukturierung angekündigt. Auch das Bundesland Niedersachsen, das mit zwei Sitzen im Aufsichtsrat vertreten ist, lehnt laut Berichten die Werkschliessungen ab. Hinzu kommt, dass die Kapitalseite zur Zeit nur mit 9 statt 10 Mitgliedern vertreten ist. Die Aufsichtsrätin Susanne Wiegand hatte das Gremium im Juni überraschend verlassen.Laut deutschen Medien soll Blume im Rahmen des Sparprogramms Blume die Marke VW aus dem Konzernverbund ausgliedern und als eigenständige Marke führen wollen. Eine Ausgliederung würde das Mitspracherecht Niedersachsens an VW aushebeln. Doch ohne Niedersachsens Zustimmung im Aufsichtsrat wird Blume diese Pläne nicht durchsetzen können. Kommentiert hat der Konzern diese Berichte bislang nicht.Doppelt so viele Stellen könnten wegfallenDass der Volkswagen-Konzern sparen muss, ist schon lange bekannt. Wie die anderen deutschen Autobauern ist auch VW mit mehreren Problemen gleichzeitig konfrontiert: Das drohende Verbrenner-Aus in der EU, Trumps Zölle, die grosse Konkurrenz aus China. Im Jahr 2025 hat sich der operative Gewinn von Volkswagen beinahe halbiert.Volkswagen hatte deshalb schon im März umfangreiche Massnahmen angekündigt. 50 000 Stellen wollte man bis im Jahr 2030 abgebaut haben, darunter auch Tausende bei den Tochter-Firmen Porsche und Audi. Nun könnte sich diese Zahl verdoppeln.In einer aktuellen Vereinbarung von Volkswagen mit den Arbeitnehmern von Ende 2024 ist festgehalten, dass betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2030 ausgeschlossen werden. Die Vereinbarung garantiert ausserdem den Erhalt der grösseren Werke in Deutschland. Wahrscheinlich ist, dass sich die Gewerkschaft in den Diskussionen auf diese Vereinbarung stützt. IG-Metall-Präsidentin Christiane Benner teilte diese Woche mit, dass sich die Gewerkschaft vehement gegen Werkschliessungen wehre. Sie forderte, dass der Konzern und die Politik Ideen vorlege, die volle Auslastung der Werke zu sichern.Passend zum Artikel