PfadnavigationHomeWirtschaftAufsichtsrat berät Sparpläne„Das werden wir nicht akzeptieren“ – Bangen um 100.000 Jobs und vier VW-WerkeStand: 16:46 UhrLesedauer: 4 MinutenQuelle: picture alliance/dpa/Moritz FrankenbergSchicksalsstunden bei Volkswagen: Beschäftigte stemmen sich mit Protesten gegen drohende Werksschließungen und Stellenabbau, während der Aufsichtsrat hinter verschlossenen Türen über Sparpläne berät. Das steht jetzt auf dem Spiel.Parallel zu der entscheidenden Aufsichtsratssitzung des Volkswagen-Konzerns haben am Donnerstag Tausende Beschäftigte an mehreren Standorten gegen verschärfte Sparpläne und drohende Werksschließungen protestiert. In Wolfsburg zogen mehrere Hundert Mitarbeiter mit Tröten und einer Sirene vor das Vorstandshochhaus, wo das Kontrollgremium am Nachmittag über den Transformationsplan des Vorstands beraten wollte. Die für 14.30 Uhr angesetzte Sitzung verzögerte sich zunächst. Lesen Sie auchAngeführt wurde der Demonstrationszug in Wolfsburg von IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Betriebsratschefin Daniela Cavallo, die beide dem Aufsichtsrat angehören. Auf einem Transparent stand „Vereint für unsere Zukunft kämpfen“. Eine Schließung von vier Werken werde die Gewerkschaft nicht hinnehmen, sagte Benner: „Das werden wir nicht akzeptieren.“ Die IG Metall zählte in Wolfsburg rund 500 Teilnehmer. Proteste gab es auch an weiteren Konzernstandorten, darunter bei den Töchtern Audi, Porsche und MAN. In Zwickau versammelten sich Hunderte Beschäftigte vor den Werkstoren. „Dieser Standort wird nicht geschlossen, nicht gegen unseren Willen. Wir werden diesen Standort verteidigen“, sagte Thomas Knabel, erster Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau. An der Aktion beteiligten sich auch Mitarbeiter umliegender Zulieferer sowie des Opel-Werks im thüringischen Eisenach. Hintergrund der Proteste sind Berichte über verschärfte Einsparungen. Laut „Manager Magazin“ könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen, doppelt so viele wie bislang geplant. Lesen Sie auchVier deutschen Werken drohe demnach die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. VW selbst bestätigt diese Zahl nicht. Aus dem Konzern heißt es, die Journalisten hätten die geplanten Sparziele in Stellen umgerechnet; ein großer Teil der Einsparungen solle über Einschnitte bei Gehältern und Sachkosten erreicht werden. Der Konzern äußerte sich zunächst nicht zu Details. „Die genauen Inhalte des Zukunftsplans und die damit verbundenen notwendigen Maßnahmen werden heute zwischen Aufsichtsrat und Vorstand der Volkswagen AG erörtert“, sagte ein Sprecher. „Und ja, wir werden auch Überkapazitäten abbauen müssen.“ Über die Ergebnisse und getroffene Entscheidungen wolle VW schnellstmöglich informieren. Für 18 Uhr ist eine Pressekonferenz geplant.Hintergrund der Krise sind ein deutlicher Absatzeinbruch in Europa – rund 16 Prozent weniger Neuwagen als vor der Corona-Pandemie – sowie die wachsende Konkurrenz aus China. Der Konzern kam im vergangenen Jahr bei 322 Milliarden Euro Umsatz nur noch auf 9,3 Milliarden Euro Vorsteuergewinn. Bereits Ende 2024 hatten Vorstand und Arbeitnehmer den Abbau von 35.000 Stellen vor allem in Niedersachsen vereinbart, überwiegend über Altersteilzeit. Eine endgültige Entscheidung will der Aufsichtsrat am Donnerstag nicht fällen. Nach Konzernangaben wird das Gremium über den „Transformationsplan“ für das „Zielbild 2030“ lediglich informiert. Weitere Sitzungen sind für September und November angesetzt. VW beschäftigt im Inland 287.000 Menschen, im Ausland weitere 381.000.Das steht auf dem SpielVier Werke ohne Perspektive: Für die Standorte Emden, Zwickau, das Nutzfahrzeugwerk Hannover und den Audi-Standort Neckarsulm sind nach dem Auslaufen der aktuellen Modellreihen bislang keine neuen Fahrzeuge vorgesehen. Ein Aus ist damit noch nicht beschlossen – der Betriebsrat kann Werksschließungen bei VW anders als bei anderen Konzernen sogar verhindern.Bis zu 25.000 weitere Jobs: Zusätzlich zu den bereits vereinbarten 35.000 Stellen könnten bis Ende 2030 realistisch bis zu 25.000 weitere Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Die im „Manager Magazin“ genannte Zahl von 100.000 gilt konzernintern als aus Sparzielen hochgerechnet.8000 Jobs allein in Zwickau: Der Standort wurde 2019 als konzernweit erster vollständig auf E-Autos umgestellt, für 1,2 Milliarden Euro. Heute läuft die Produktion nur noch in zwei statt drei Schichten, weitere Modelle sollen abwandern.30 Milliarden Euro weniger Investitionen: Die Investitionsbudgets von knapp 165 Milliarden Euro sollen in den kommenden fünf Jahren um gut 30 Milliarden gekürzt werden.Beschäftigungssicherung nur bis 2030: Für die Kernmarke VW gilt eine Jobgarantie bis 2030, laut Betriebsrat unkündbar. Neue Einschnitte an den Werken wären erst danach möglich.Standort Deutschland unter Druck: Um Werke auszulasten, könnten erstmals in China entwickelte Modelle in Niedersachsen endmontiert werden. Kurzfristig sichert das Jobs – langfristig sehen Kritiker darin den Einstieg in einen Bedeutungsverlust des Standorts.rct mit dpa