Historische Abbaupläne bei VW: Oliver Blume ist der radikalste Manager EuropasDer frühere Porsche-Manager will bei VW 100 000 Stellen streichen. Er bringt eine ganze Nation gegen sich auf.28.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenUnter Druck: Der VW-Chef Oliver Blume.Malte Ossowski / Sven Simon / ImagoAls Oliver Blume 2022 den Chefposten von VW übernahm, dachte er, dass er den schon damals kriselnden Konzern in Teilzeit führen könnte. Denn der langjährige Porsche-Chef wollte den Posten bei dem zu VW gehörenden Edelautobauer behalten – ganz nach dem Vorbild des Multi-CEO Elon Musk vom Konkurrenten Tesla.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Drei Jahre hatte Blume die Doppelrolle inne. Er gewann keinen Blumentopf. An der Börse stürzte nicht nur VW, sondern auch Porsche regelrecht ab. Zerknirscht gab Blume die Porsche-Leitung Ende des letzten Jahres ab.Es dürfte auch ihm klargeworden sein, dass die Rettung von Europas grösstem Autokonzern seine volle Aufmerksamkeit erfordert. Verbrenner-Aus, China-Konkurrenz, Trump-Zölle: VW steckt tief im Schlamassel. Ein bereits aufgegleistes Sparprogramm, das bis 2030 den Abbau von 50 000 Jobs vorsieht, reicht nicht. Die Überkapazitäten sind weiterhin riesig. Die Zahl soll nun verdoppelt werden.Blume hat gemäss einem Bericht des «Manager-Magazins» einen Plan ausgearbeitet. Insgesamt sollen bei VW bis zu 100 000 Stellen abgebaut werden. Allein in Deutschland droht vier Werken die Schliessung. Die Dimensionen sind gigantisch. Zum Vergleich: Die Migros, die grösste private Arbeitgeberin in der Schweiz, beschäftigt knapp 92 000 Menschen.Blume avanciert zum radikalsten Manager Europas. Bereits wird in Deutschland darüber diskutiert, ob sich ein solches Abbauprogramm überhaupt umsetzen lässt. Am 9. Juli soll der Aufsichtsrat von VW über Blumes Pläne befinden. Klar ist schon jetzt, dass der 58-Jährige eine ganze Nation gegen sich hat. Die Gewerkschaften kündigten schon einmal Fundamentalopposition an. Und das Bundesland Niedersachsen, ein VW-Grossaktionär, lehnt die Pläne ebenfalls ab.Doch Oliver Blume setzt alles auf eine Karte. Sein Topmanagement musste sich offenbar schriftlich zu seinen Plänen bekennen. Mit der Rosskur will Blume beweisen, dass Europas Autokonzerne eine Zukunft haben. Entweder wird er damit spektakulär scheitern, oder er macht sich zur Lichtgestalt. Historische Dimensionen haben die Pläne bereits jetzt.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel