PfadnavigationHomeWirtschaftSPD beklagt „Frontalangriff“VW will laut Bericht bis zu 100.000 Stellen streichen – Ministerpräsident schaltet sich einStand: 16:06 UhrLesedauer: 3 MinutenVolkswagen plant dem „Manager Magazin“ zufolge einen radikalen Konzernumbau mit bis zu 100.000 Stellenstreichungen. „Man scheint mehr in Salami-Taktik unterwegs zu sein als in einer klaren Strategie“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer im Gespräch mit Dietmar Deffner.Neuer Schock für die Beschäftigten: Der Volkswagen-Konzern könnte weltweit doppelt so viele Stellen streichen wie zuvor geplant. Vier Standorte in Deutschland könnten betroffen sein. Aus der SPD erfolgt scharfe Kritik – auch von Ministerpräsident Olaf Lies.Der Volkswagen-Konzern will seinen Sparkurs einem Medienbericht zufolge deutlich verschärfen. Bis zu 100.000 Stellen könnten demnach weltweit wegfallen – doppelt so viele wie bislang geplant, berichtet das „Manager Magazin“ unter Berufung auf Insider. Vier Werke in Deutschland könnten demnach geschlossen werden.Die Pläne sind Teil des neuen „Zielbilds 2030“, das der Vorstand am Mittwoch behandelt hat. Über die Vorschläge soll am 9. Juli der Aufsichtsrat beraten, in dem die Arbeitnehmervertreter die Hälfte der Sitze halten und gemeinsam mit Vertretern des Landes Niedersachsen über eine Mehrheit verfügen. Niedersachsen ist mit rund 20 Prozent der Stimmrechte an VW beteiligt.Von möglichen Standortschließungen betroffen wären laut Bericht die VW-Werke in Hannover, Zwickau und Emden sowie der Audi-Standort Neckarsulm. Ein konkreter Zeitplan wurde nicht genannt, die Maßnahmen könnten jedoch „mittelfristig“ umgesetzt werden. Parallel prüft Konzernchef Oliver Blume demnach, die Kernmarke Volkswagen in ein eigenes Unternehmen auszugliedern, um tiefgreifende Einsparungen zu ermöglichen.Lesen Sie auchHintergrund ist die angespannte wirtschaftliche Lage: 2025 war der Nettogewinn des Konzerns um fast die Hälfte eingebrochen. Der Konzern will laut Bericht seine Kosten bis zum Ende des Jahrzehnts um rund elf Milliarden Euro senken. Bereits zuvor hatte VW angekündigt, bis 2030 weltweit 50.000 Stellen abzubauen, davon 35.000 bei der Kernmarke Volkswagen. Gleichzeitig gilt für die deutschen Standorte noch bis mindestens 2030 eine Beschäftigungssicherung, die mit der IG Metall vereinbart wurde. Volkswagen beschäftigt derzeit rund 657.000 Mitarbeiter weltweit.Arbeitnehmervertreter reagierten mit scharfer Kritik auf die Berichte und kündigten Widerstand an. „Die erneuten Medienberichte verunsichern unsere Belegschaft und unsere Standortregionen zu Recht“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von IG-Metall-Chefin Christiane Benner, Bezirksleiter Thorsten Gröger und Betriebsratschefin Daniela Cavallo. „Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und unsere Standorte sind unverantwortliche Drohungen.“ Weiter erklärten sie: „Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern.„Nehmen wir zur Kenntnis“, sagt Ministerpräsident LiesNiedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) erklärte am Freitag: „Die Zukunft von Volkswagen wird nicht dadurch gewonnen, dass man immer neue Werksschließungen oder immer größere Stellenabbauprogramme in den Fokus stellt“.Lesen Sie auch„Die in den Medien geschilderten Pläne nehmen wir zur Kenntnis“, fuhr Lies fort. „Zunächst gilt: Über konkrete Maßnahmen wird der Aufsichtsrat beraten und entscheiden.“ Niedersachsen ist Großaktionär des Autobauers und im Aufsichtsrat vertreten. Das Land werde „keiner Entwicklung zustimmen, die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt oder die bewährte Mitbestimmung infrage stellt“, betonte Lies.Auch der SPD-Politiker Adis Ahmetovic übte scharfe Kritik. „Sollte die jüngste Meldung stimmen, wäre sie ein Frontalangriff und eine deutliche Kampfansage“, sagte der Chef der SPD Hannover der Nachrichtenagentur Reuters. „Das Volkswagen-Management scheint sich inzwischen vor allem mit Ankündigungen zum Stellenabbau profilieren zu wollen.“ So werde aber kein Aufbruch gelingen, sondern so vertiefe man die Krise. „Den Aufschwung, den wir brauchen, erreicht man nicht durch Kahlschlag, sondern durch Innovation, Qualität und Zukunftsorientierung.“ Er werde um jeden einzelnen Arbeitsplatz streiten und für jedes Werk kämpfen. „Das wird für das Management unbequem werden“, kündigte Ahmetovic an.dpa/AFP/Reuters/kami/doli/lay