Claudio Thoma / KeystoneDas WM-Spiel der Schweizer Nationalmannschaft fällt mit dem Beginn der «Mediterranen Nächte» in Zürich zusammen. Zürich steht ein lauter Sommer bevor.08.07.2026, 16.40 Uhr4 LeseminutenNach dem entscheidenden Penalty für die Schweiz entlädt sich die Freude unter der Zürcher Hardbrücke wie eine Explosion: Jubelschreie, brennende Pyros, wild herumhüpfende Jugendliche in roten Shirts. Und das um 1 Uhr morgens an einem Wochentag.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Fussball-Weltmeisterschaft in Nordamerika beschert Zürich wegen der Zeitverschiebung Partystimmung zu den ungewöhnlichsten Zeiten. Sei es zum Frühstück, wie es beim Achtelfinal der Nationalmannschaft gegen Algerien war, oder mitten in der Nacht, wie es beim anstehenden Viertelfinal gegen Argentinien sein wird. Um 3 Uhr Schweizer Zeit wird das Spiel in der Nacht von Samstag auf Sonntag angepfiffen.Die Hardbrücke ist gerade für die jungen Fussballfans zu einem Hotspot geworden.Claudio Thoma / KeystoneUnd die Stadt Zürich will den Fans nicht im Weg stehen. Wie sie am Mittwoch mitgeteilt hat, verfügte die Zürcher Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart eine Freinacht im «Inneren von Gastwirtschaftsbetrieben». Somit dürfen alle Restaurants öffnen und das Spiel drinnen übertragen, heisst es in der Mitteilung.Und nicht nur das: Public Viewings, Gartenrestaurants und Boulevard-Cafés dürfen das Spiel auch draussen übertragen. Allerdings dürfe die Lautstärke die Umgebung nicht übermässig belasten, schreibt die Stadt weiter.Deshalb gelten verschiedene Einschränkungen. So ist der Einsatz von Beamern und Verstärkeranlagen verboten. Zudem müssen die Fernsehgeräte fünfzehn Minuten nach Spielschluss ausgeschaltet werden, und sie dürfen maximal eine Bildschirmdiagonale von drei Metern haben. Die Stadt behält sich zudem vor, im Einzelfall Auflagen zu erteilen oder Verbote auszusprechen, falls es zu «berechtigten Klagen» kommen sollte.Ein Zeichen gegen «faschistoide Tendenzen» in den USAEine Freinacht bei einem als «historisch» bezeichneten WM-Spiel ist zwar nichts Aussergewöhnliches. Doch gerade in Zürich ist es auch nicht selbstverständlich. Vor vier Jahren hatte die linke Mehrheit im Stadtparlament beschlossen, Public Viewings auf öffentlichem Grund zu verbieten, und zwar aus Protest gegen die «sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen» der Stadionbauarbeiter in Katar sowie aus ökologischen Gründen. In der Folge hat der Stadtrat einem Public Viewing den Stecker gezogen, das auf dem Gustav-Gull-Platz bei der Europaallee geplant war. Weil die WM damals im November und Dezember stattfand, war es der einzige geplante Grossevent auf öffentlichem Grund gewesen.Und auch vor dieser WM gab es ähnlichen Widerstand. Die Alternative Linke hatte im Gemeinderat einen Vorstoss eingereicht.Pyros, Vuvuzelas und Fangesänge: Wird auch am kommenden Sonntagmorgen nochmals so ausgelassen gefeiert?Claudio Thoma / KeystoneDarin forderte sie den Stadtrat auf, zu prüfen, «wie die Stadt Zürich ihren Protest gegen die Durchführung der Fussball-Weltmeisterschaft unter den aktuellen menschenrechtsunwürdigen Zuständen in den USA zum Ausdruck bringen kann». Die AL sieht in den USA Anhaltspunkte für faschistoide Tendenzen. Von Public Viewings auf öffentlichem Grund und einer Finanzierung solcher Aktivitäten durch die Stadt sei abzusehen.Doch als die Forderung zwei Wochen vor Beginn der WM im Parlament diskutiert wurde, unterlag die AL. Die Gegner, die nicht nur aus dem bürgerlichen Lager stammten, warfen ihr Symbolpolitik vor. Ein Boykott bringe nichts, sagte Severin Meier von der SP. «Weder Trump noch die Fifa lassen sich davon beeindrucken.» Zürich habe einen belebten Sommer verdient.David Garcia NuñezPDEiner, der den Widerstand angeführt hatte, ist David Garcia Nuñez von der Alternativen Linken. Dass die Public Viewings bewilligt wurden, findet er nach wie vor falsch, trotz dem kollektiven Freudentaumel der Schweizer Fans.Der Grossanlass diene primär der Fifa und autoritären Staaten zur Imagepflege, findet er. «Dagegen wollten wir ein Zeichen setzen.» Natürlich sei ihnen klar gewesen, dass sie damit die Welt nicht verändern. Es sei um eine symbolische Handlung gegangen, so wie der Fussball selbst ja etwas Symbolisches sei. «Der Sieg des Schweizer Teams hat schliesslich im Leben der Fans materiell nichts verändert.»Für seine Position sei er angefeindet worden, erzählt Garcia Nuñez. Ein linker Gastrobetreiber habe ihn gefragt: «Willst du mein Geschäft kaputtmachen?» Und so habe sich bei der SP am Ende die gastrofreundliche Fraktion durchgesetzt. Die Partei habe eine erstaunliche Kehrtwende hingelegt, zumal sie sich vor vier Jahren auch noch für ein Public-Viewing-Verbot ausgesprochen habe. Offenbar gelte bei der SP nun: «Erst kommt der Fussball, dann kommt die Moral.»Gleichzeitig starten die «Mediterranen Nächte»Den Fans wird es recht sein. Einer grossen Fussballparty am Wochenende steht also nichts mehr im Weg – abgesehen vom argentinischen Team um Superstar Lionel Messi. Eine glückliche Fügung für die Fans ist hingegen, dass das Viertelfinalspiel mit dem Start der «Mediterranen Nächte» zusammenfällt. Das Format, das die Stadt 2022 gestartet hat, erlaubt es Gastrobetrieben, ihre Gäste bis zwei Uhr morgens in Gärten, auf Terrassen und auf Boulevards zu bedienen. In diesem Jahr werden dies rund achtzig Betriebe tun, wie die Bar- und Club-Kommission am Mittwoch mitgeteilt hat. Diese Ausnahme gilt bis zum 15. August.Zürich steht ein lebhafter Sommer bevor. Wem es zu laut wird, der kann sich an die Hotline der Bar- und Club-Kommission wenden (078 259 79 10) oder sich in Sachen Public Viewings bei der Stadt melden. Sollte die Schweiz allerdings in den Halbfinal einziehen, dürften die Lärmklagen wenig bringen. An Hotspots wie unter der Hardbrücke werden die Fans nicht zu bändigen sein.Dienstag um 1 Uhr morgens: Die Fussball-Weltmeisterschaft in Nordamerika beschert Zürich wegen der Zeitverschiebung Partystimmung zu den ungewöhnlichsten Zeiten.Claudio Thoma / KeystonePassend zum Artikel
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Das WM-Spiel der Schweizer Nationalmannschaft fällt mit dem Beginn der «Mediterranen Nächte» in Zürich zusammen. Zürich steht ein lauter Sommer bevor.











