Im TV-Marathon durch die Monster-WM: Sascha Ruefer emotionalisiert, Peter Zeidler ruft zum Durchhalten aufDie vergrösserte WM-Endrunde bedeutet im Schweizer Fernsehen: 104 Spiele, mehr reden, mehr überbrücken. Und wie so oft kommt die Frage auf, wie viel Nähe zum Nationalteam sein darf.04.07.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenIn den Interviews geht es zuweilen kumpelhaft zu: Denis Zakaria vor dem SRF-Mikrofon.Peter Klaunzer / KeystoneDie WM flimmert spät in die europäischen Stuben. Beim sehenswerten Sechzehntelfinal zwischen Frankreich und Schweden (3:0) ruft Peter Zeidler um Mitternacht im Studio des Schweizer Fernsehens zum Durchhalten auf: «Das ist guter Fussball. Es ist schade, dass das Kinder und Jugendliche nicht sehen können.» Der Trainer Zeidler analysiert als Experte das Spiel. Es lohne sich, noch nicht ins Bett zu gehen, «wir schlafen einfach morgen eine Stunde länger».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der redegewandte Zeidler ist ein Gewinn für einen Match, der ohne Verlängerung kurz vor 1 Uhr zu Ende sein wird.Die WM ist neuerdings 104 Spiele lang. SRF muss als Rechteinhaber alle übertragen. Über diesen Vollservice verfügt Deutschland wegen des Bezahlsenders Magenta nicht mehr. Die Rundumübertragung hat zur Folge, dass Zeidler zusammen mit dem früheren Fussballer Fabian Frei das letzte Gruppenspiel zwischen Frankreich und Norwegen analysieren muss. Reden trotz ständigen Vorbehalten, man kann nichts auf den Punkt bringen: Beide Teams sind längst weiter, Norwegen lässt Spieler pausieren, das Geschehen ist lau. Kinder verpassen nichts.Ist ein Gewinn für die SRF-Berichterstattung: der redegewandte Peter Zeidler.Carla Botica / SPP / ImagoDas SRF besucht den ZooDie WM 2026 bedeutet: 40 Spiele mehr als 2022. Das ist erheblich mehr. Das «Nati-Magazin», das im Deutschschweizer Kanal auf die Schweizer Auswahl fokussiert, dürstet nach Inhalten. So besuchen der Moderator Paddy Kälin und der frühere Fussballer Benjamin Huggel den Zoo in San Diego oder ein Museum. Auch über Schwingsport in den USA wird berichtet.Newsletter «Sport – WM-Spezial»Das Wichtigste von der Fussball-WM auf einen Blick: Unser Spezial-Newsletter liefert Ihnen Eindrücke aus Nordamerika sowie Einordnungen und Hintergründe zu den entscheidenden Entwicklungen.Jetzt kostenlos abonnierenDie gähnende Länge zeigt ein Interview mit dem Ersatzspieler Noah Okafor. Als er spricht und immer weiter befragt wird, leidet man mit. Viel zu sagen hat er nicht. Er will sein Bestes geben. Der Reporter Jeff Baltermia führt die Spieler-Interviews ohnehin kumpelhaft, bis hin zum High-Five-Gruss. Auch der Verbandspräsident Peter Knäbel hält sich im Gespräch zurück. Nur kein falsches Wort über Granit Xhaka.Die zusätzlichen Spielpausen bergen die Gefahr der ewiggleichen Leier. Irgendwann sind Einschätzungen zu Ende erzählt. Dem ist unmittelbar nach dem letzten Gruppenspiel gegen Kanada nicht so. Kälin, Huggel, der Live-Kommentator Sascha Ruefer und der Radioreporter Peter Schnyder reden in der Kritikerrunde auch Klartext.Huggel sagt über den im ersten Spiel gegen Katar als Rechtsverteidiger eingesetzten Denis Zakaria: «Das werden wir nicht mehr sehen. Das Experiment ist gescheitert.» Das ist pointiert, wird aber im Sechzehntelfinal gegen Algerien prompt widerlegt. Zakaria spielt. Und das gut. Klartext ist willkommen, kann aber auch gefährlich sein.Sascha Ruefer schreit: «Jaaaaaaaa»Er explodiert bei Schweizer Toren: Kommentator Sascha Ruefer.Alex Spichale / CH MediaHuggel wird vorgeworfen, zu sanft mit dem Nationalteam umzugehen, alles austarieren zu wollen. Ruefer steht im Ruf, während der Schweizer Spiele zu emotional zu werden und den Schreimodus nicht mehr ablegen zu können. Ruefer polarisiert. Er explodiert bei Schweizer Toren. «Vargas, jaaaaa, jaaaaaaa», ist zu hören, «Embolo, Toooor».Fernsehen vermittelt unmittelbare Emotionen, das, was der verschwitzte Spieler nach dem Schlusspfiff von sich gibt. Da geht es mehr um Bild, also um die Form, weniger um Inhalt. In den sozialen Netzwerken sind Videobilder zu sehen, wie sich David Lemos und Léonard Thurre während eines Schweizer Tors auf der Tribüne verhalten. Lemos ist für das französischsprachige Schweizer Fernsehen (RTS) der Ruefer der Romandie. Und Thurre (8 Länderspiele) der Huggel (41) der Welschen. Lemos schreit «Vaaaaargas» und ballt die Fäuste, Thurre steht neben ihm auf, jauchzt und hebt jubelnd die Arme.Als Breel Embolo gegen Algerien das 1:0 erzielt, kriegt sich Lemos kaum ein. «Gooooaaaaaal», schreit er. Bis er keine Luft mehr hat. Im welschen Studio wird aus Dan Ndoye «Dan Enjoy». Der Vaudois wird nach dem Algerien-Spiel aufgefordert, direkt Worte an die Fans vor den Bildschirmen zu richten.Wer sich mit (Sport-)Fernsehen und Parteilichkeit befasst, sollte miterleben, was in einem WM-Medienzentrum los sein kann, wenn ecuadorianische Fernsehleute vor Bildschirmen einen WM-Match verfolgen, der für Ecuador Konsequenzen hat. Viele tragen das Trikot der Landesauswahl, das kollektive Gebrüll kennt keine Grenzen. Ähnlich ist es auch, wenn Bosnien gegen die Schweiz spielt. Man sieht im Medien-Pulk diverse bosnische Nationaltrikots und glaubt, nicht Beobachter, sondern den Fanklub vor sich zu sehen.Sascha Ruefer hat einmal in der Gesprächssendung «Persönlich» gesagt, dass es «relativ schwierig» sei, die Nationalmannschaft zu kommentieren. Wenn die Resultate gut seien, sei alles gut. Wenn sie aber schlecht seien, wettere man über den Schiedsrichter – «und der Schlimmste von allen ist womöglich der Kommentator».Ruefer schreit, wie er schreien will. Wenn er sich aufregt wie beim Doppeladler, den Schweizer Spieler an der WM 2018 vorführten, dann regt er sich auf, steht auch Jahre danach dazu und wird zu Unrecht in die Rassismusecke gedrängt. Dabei ist Ruefer in einem Dokumentarfilm über das Nationalteam fast der Einzige, der eine würzige Note beisteuert.Die Tessiner und die Welschen sind mehr ZweigespannWas weniger ineinandergreift, sind Ruefer und Huggel während der Spiele. Der Experte wirkt wie ein Fremdkörper, der zwischendurch etwas bemerken darf. Aber Huggel ist in einer Doppelrolle, weil er auch der Analyst im Stadionstudio ist und mehrmals die Position wechseln muss. Das ist dem Fluss im Live-Kommentar nicht förderlich.Im welschen Kanal können Lemos und Thurre an Ort und Stelle in ständigem Dialog bleiben. Hin und her. Wie auch im Tessin, wo der Kommentator Andrea Mangia und Blerim Dzemaili (69 Länderspiele) an- und nicht aufgeregt diskutieren. In der Südschweiz erweitert Valon Behrami (83 Länderspiele) den Expertenkreis. Es ist eine Mischung aus Sachkunde, Unterhaltung und Selbstironie.Am Ende muss man ehrlich sein, von den Kommentatoren, den sogenannten Experten über die Medien bis zum Publikum: Am liebsten hätte man die harte Kante, also beispielsweise einen berühmten Experten, der Bäume fällt und den Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem WM-Aus ans Brett nagelt.Aber letztlich gilt: Weniger wäre mehr. Darum ist vertretbar, dass sich das Schweizer Fernsehen in einer Anmutung präsentiert, als wäre Super League. Und nicht in einer Art WM-Fernseh-Arena wie das ZDF, das bei Deutschland - Paraguay die früheren Fussballer Per Mertesacker (104 Länderspiele), Christoph Kramer (12), den Trainer Christian Streich sowie die Trainerin Friederike Kromp geladen hatte.Hinterher wird abgerechnet. Deutschland muss keine Zeit mehr bis zum nächsten Spiel überbrücken. Irgendwann ist selbst die aufgeblasene XXL-WM fertig analysiert.Passend zum Artikel
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Die vergrösserte WM-Endrunde bedeutet im Schweizer Fernsehen: 104 Spiele, mehr reden, mehr überbrücken. Und wie so oft kommt die Frage auf, wie viel Nähe zum Nationalteam sein darf.









